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People | 18.05.2018

Zweiter Anlauf

Mehr als eines von zehn Kindern wird über In-vitro-Fertilisation gezeugt. Es ist noch immer ein Tabu-Thema, über das Paare nicht gerne reden. Wir haben eines gefunden, das den Schritt nach vorne tut.

Wenn es mit dem Kinderwunsch nicht so recht klappt, führt der Weg immer öfter zur Kinderwunschklinik. Etwa 1,25 von zehn Kindern entsteht mittlerweile durch In-vitro-Fertilisation (IVF), sagt der Experte Michael Schenk. Wir haben ein Paar getroffen, das über künstliche Befruchtung schwanger geworden ist. Nennen wir die beiden Susanne und Markus. Sie wollen nicht erkannt werden, wie viele, die für ihr Wunschkind eine In-vitro-Fertilisation in Anspruch genommen haben. Noch immer haftet dem Thema ein Beigeschmack an: Ist er nicht „Manns“ genug, um Vater zu werden? Warum muss die Karrierefrau mit über 40 überhaupt noch ein Kind bekommen? Fakt ist: Niemanden gehen diese Fragen etwas an. Aber interessieren tun sie doch viele.

STEIRERIN: Susanne und Markus, wie ist der Stand der Dinge?

Beide grinsen, Susanne sagt: Ich bin in der 21. Schwangerschaftswoche und es ist alles in Ordnung.

Wie lange habt ihr versucht, ein Kind zu zeugen?

Beide: Rund vier Jahre.

Geklappt hat es dann durch künstliche Befruchtung.

Susanne: Ja, zuvor haben wir unser Glück mit drei Inseminationen versucht (dabei werden die aufbereiteten Spermien über eine Kanüle in die Gebärmutter gegeben, Anm.), nach der zweiten In-vitro-Behandlung wurde ich schwanger.

Gab es Probleme? Wie haben Sie die Hormonbehandlung vertragen?

Susanne: Es ist alles gut gegangen.

 

Wenn man so lange versucht,
schwanger zu werden,
zweifelt man schon an seinem Körper.

Susanne

Was waren die Ursachen für die Unfruchtbarkeit?

Markus: Wir haben alle nötigen Untersuchungen über uns ergehen lassen, es kam nichts heraus.

Susanne: Ich ließ eine Bauchspiegelung machen, die zeigte, dass die Eileiter frei sind. Medizinisch hat alles gepasst. Wir haben den Stress minimiert, noch mehr auf die Ernährung geachtet, Rauchen oder Alkohol ist bei uns ohnehin kein Thema.

Vier Jahre des erfolglosen Probierens ist eine lange Zeit. Zweifelt man da auch an sich und seinem Körper?

Susanne: Oh ja! Ich habe meinen Körper zeitweise gehasst.

Markus: Ja, man beginnt zu zweifeln. Schlimm ist dabei auch das Liebesleben nach Terminkalender. Dazu kommen direkt oder indirekt Vorwürfe und natürlich Verzweiflung.

Susanne: Ich glaube, dass es uns mehr zusammengeschweißt hat.

Haben Sie über Ihren unerfüllten Kinderwunsch mit anderen geredet?

Susanne: Eigentlich nicht. Bei Familienfeiern oder auch so wurden wir immer darauf angesprochen, ob wir immer noch nicht wüssten, wie „es“ geht. Das macht betroffen, wenn man auch irgendwann schlagfertig wird und kontert. Aber vielleicht macht man sich zu viele Gedanken, was „die Gesellschaft“ denkt. Eigentlich sollte das ja egal sein.

Wie war es dann für Sie, in der IVF-Klinik?

Markus: Ich war überrascht, wie viele Leute dort ein- und ausgehen. Wir kannten sogar welche. Gewundert hat mich auch, dass so viele junge Leute darunter waren.

Susanne: Es ist leider noch immer ein Tabu-Thema.

 

Warum?

Markus: Naja, geredet wird letztlich über alles, das nicht ins Schema passt. Wir wollen mit unserem Schritt anderen Paaren Mut machen, den Weg der künstlichen Befruchtung zu wagen.

Susanne: Wir haben viel geredet, warum das so ist. Einerseits stehen wir zu unserem Schritt und der IVF-Behandlung, andererseits besteht ein unwohles Gefühl bei dem Gedanken, sich öffentlich zu positionieren.

War das Leider-Nein beim ersten Versuch enttäuschend?

Susanne: Eigentlich nicht. Ich hatte große Hoffnung, wir wurden von der Kinderwunschklinik unterstützt, dort war man überzeugt, dass es klappen würde. Die Eizellen- und Spermienqualität war gut. Wir ließen sogar Eizellen einfrieren.

Wie war es dann – das „Positiv“ beim zweiten IVF-Versuch?

Susanne: 14 Tage nach der Einsetzung musste ich in der Früh zum
Bluttest. Man sagte uns, wir würden angerufen werden. Beim Einkaufen zu Mittag läutete das Telefon. Erst im Auto habe ich zurückgerufen. Wir waren so gerührt, dass wir erst mal losweinten – sogar die Assistentin der Klinik!

Was wird’s, Mädel oder Bub?

Beide: Wir wollen’s uns nicht sagen lassen.

Werden Sie dem Kind sagen, dass es über IVF gezeugt wurde?

Markus: Ja. Ich finde, das Kind hat ein Recht darauf, zu erfahren, wie es entstanden ist.

Welche Tipps würden Sie anderen Paaren geben, die nicht schwanger werden?

Susanne: Nicht zu lange zu warten, offen mit dem Thema umgehen und keine Angst zu haben.

Markus: Ich denke, man sollte mutig sein und drüberstehen. Es geht ja vielen Paaren so. Aber das sagt sich so einfach.