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People | 17.04.2020

A Story about Respect

Was Tetris-Spielen mit haushälterischen Fähigkeiten und taffe Großmütter mit einer Welturaufführung im Steinbruch St. Margarehten zu tun haben.

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Herzlich stark im Talk. Sängerin und Schauspielerin Missy May und Produzentin Ingrid Puschautz-Meidl © Vanessa Hartmann

Sechs Musicalsängerinnen werden zu einer Polit-­Talkshow geladen. Plötzlich eskaliert eine Diskussion, es fliegen dermaßen die Fetzen, dass sich die sechs charakterlich unterschiedlichen Frauen vor Gericht wiederfinden. Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort darauf und überhaupt die ganze außergewöhnliche Story liefert ab August eine Welturaufführung im Steinbruch St. Margarethen: Das Musical „A Story About Respect“ verspricht viel Tiefgang, Humor und jede Menge Ohrwürmer von Stars wie Aretha Franklin, Tina Turner oder Christina Aguilera. Wir trafen Missy May, eine der Hauptdarstellerinnen, und Produzentin Ingrid Puschautz-Meidl zum Talk.


BURGENLÄNDERIN: Ich falle jetzt einmal mit der Tür ins Haus: Ihnen steht nicht nur auf der Bühne eine aufregende Zeit bevor …

Missy May: Das stimmt, ich heirate im September!

Dürfen wir ein bisschen mehr über Sie beide erfahren?

Missy M.: Wir haben seit hundert Jahren denselben Freundeskreis. Nachdem ich mich von meinem Mann getrennt hatte und er sich von seiner Langzeit-Freundin, haben wir uns auf ein Bier getroffen, um uns Mut zuzusprechen. Dann hat ein Freund gesagt: „Ihr müsst schon auch mal die Augen aufmachen!“ Also haben wir ihm den Gefallen getan und uns noch mal allein getroffen, damit wir ihm nachher sagen können, dass das mit uns nichts wird. Das ist aber nicht passiert, das ist ganz schön eingefahren! (lacht) Wir sind im selben Alter, kommen aus demselben Beruf. Es ist sehr schön, jemanden zu haben, der versteht, warum man Tage vor wichtigen Auftritten vielleicht unausstehlich ist. Einmal saß ich in Amerika vor einem großen James-Bond-Konzert vor 1.000 Leuten und ohne Stimme – er konnte mich am Telefon beruhigen, mir Tipps geben, wie ich die Stimme zurückhole, das ist schon sehr viel wert. Wobei er jetzt eigentlich seit einer Woche Pilot ist. Er wollte fliegen, seit er vier ist, und hat es jetzt wirklich durchgezogen!

Ihr Leben wird damit kaum regelmäßiger …

Missy M.: Ganz ehrlich: Ich bin gerne alleine; ich brauche keinen Mann, um mein Leben zu bewerkstelligen. Ich finde es ganz angenehm, wenn ich drei Tage lang mache, was ich will – und dann habe ich meinen Mann wieder vier Tage und alles ist wunderbar. Das hält auch die Beziehung frisch.

Dann darf ich auch bei Ihnen mit einer halb-privaten Frage starten: Sie sind Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Burgenland – wieso nun ein Musical?

Ingrid Puschautz-Meidl: Nein, mir ist nicht fad in meinem Job, ganz im Gegenteil! (lacht) Die Industrie und die Privatwirtschaft begleiten mich schon lange; mir imponiert dabei die Innovationskraft, die Flexibilität, das schnelle Sicheinstellen auf neue Situationen. Ich mag die Gespräche mit Unternehmer*innen. Sie heißen ja so, weil sie etwas unter-nehmen und nicht etwas unter-lassen. Mir liegt diese Einstellung. Daneben habe ich aber selbst immer Musik gemacht. Ich war an einem musisch-pädagogischen Realgymnasium, habe schon in vielen Chören auf vielen Bühnen gesungen. Auch meine beiden Kinder – sie sind mittlerweile erwachsen – haben Instrumente gelernt; meine Tochter hat auch eine Gesangsausbildung gemacht und singt mit dem Arnold Schoenberg Chor Konzerte und Opern.

Wie kam es konkret zu diesem Projekt?

Ingrid P.-M.: Der Drehbuchautor und Regisseur Peter Altmann ist ein ganz lieber Freund von mir. Er hat unter anderem eine TV-Akademie, trainiert auch Politiker, CEOs, Darsteller für deren Auftritte; wir haben häufig gemeinsame Projekte gemacht. Eines Tages ist er dann mit der Idee gekommen, eine Welturaufführung auf die Beine zu stellen …

 

Impressionen
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"Insgeheim weiß jede und jeder, dass wir alle gleich sind."

Missy May

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"Wir müssen aus alten Rollenbildern ausbrechen."

Ingrid Puschautz-Meidl

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In Missys Lieblingslokal. Im „Panorama“ in Mödling

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Interview mit Redakteurin V. Kery-Erdélyi.

Und nun sind Sie Produzentin eines großen Musicals. Von welchen Dimensionen sprechen wir hier?

Ingrid P.-M.: Wir spielen im international bekannten Steinbruch St. Margarethen, auf der Ruffinibühne mit rund 2.200 Sitzplätzen. Wir haben eine Topbesetzung (siehe Infobox) und werden das Musical zwölf Mal bringen. Das wird riesig! (lacht) Was mir dabei hilft, sind so eine „Packen-wir’s-an-Einstellung“ und meine Risikofreude, aber ohne mich irgendwo blindlings hineinzustürzen. Wir arbeiten nun seit Jänner 2019 an der Produktion.

Worum geht es in „A Story About Respect”?

Ingrid P.-M.: Die Geschichte handelt von sechs verschiedenen Frauen: Eine kämpft beispielsweise mit Karriere und Kind, eine andere damit, dass sie zwar erfolgreich, aber alleine ist, und wieder eine andere gehört einer Minderheit an und kämpft für Akzeptanz in der Gesellschaft … Wir holen das ursprüngliche Broadway-Musical in die Gegenwart und schauen im Rückblick, was sich etwa bei der Gleichberechtigung in den vergangenen 60 Jahren getan hat: Wo sind wir weitergekommen? Wo gibt es noch Luft nach oben?

Missy M.: Das Schöne ist: Es ist ein Musical für alle – für die ganze Familie; alle können mitkommen, auch unsere Töchter und Söhne. Aber ebenso die Omis und Opis, weil ganz viel Musik alle Generationen verbindet. Es werden wichtige Dinge besprochen, aber es ist unterhaltend.

Es kommen Songs von Größen wie Janis Joplin oder Tina Turner vor, haben Sie jetzt schon Favoriten?

Missy M.: Ein Song wurde extra für mich geschrieben, der ist richtig mega! Darin macht sich meine Figur emotional wirklich ganz nackig und beschreibt, warum sie sich immer in Männer verliebt, die augenscheinlich etwas darstellen, aber wo nichts dahinter ist. Ich singe auch „Oh Mother“ von Christina Aguilera, das ist ein trauriger Song. Er beschreibt, wie die Tochter es erlebte, dass sie als Kind ihre Mutter vor Männern beschützen musste. Sie hat eine Rolle übernommen, der sie nicht gewachsen war. Das ist spannend für mich, weil ich selbst Mutter bin. Man sagt, dass sich das Kind den Partner sucht, den die Eltern vorspielen. Ich wollte meiner Tochter nie etwas vorspielen. Ihr Vater und ich waren irgendwann unglücklich; ich wollte, dass sie versteht, dass man aus einer Partnerschaft auch rausdarf, wenn es nicht mehr geht. Wir sind heute alle gut befreundet und sie sieht auch, dass man wieder Glück fin­den ­kann.

Wie geht es Frauen heute allgemein?

Missy M.: Mir geht es gut, dafür sorge ich auch selbst. Wir haben Werkzeuge von unseren Müttern bekommen, wir haben unsere Schulbildung. Eigentlich kann jedes Mädchen jeden Beruf machen: ob Pilotin, Bauingenieurin oder Friseurin. Das war vor ein paar Jahren noch nicht möglich. Nur liegen leider zwischen einer theoretischen und einer tatsächlichen Gleichstellung noch Welten. Die Frau kriegt ein Kind, bleibt zu Hause, geht dann in Teilzeit arbeiten. Sie kann sich oft nicht verwirklichen und bekommt später wenig Pension. Ich bin für verpflichtende Väterkarenz, by the way. Meine Tochter ist jetzt elf und es heißt noch immer, Mädchen dürfen weinen, Buben nicht. Diese Dogmen sind so ein Blödsinn! Entweder es dürfen alle alles oder niemand nichts. Es ist so wichtig, seine Kinder gut zu erziehen, nicht nur die Mädchen, sondern vor allem auch die Buben, damit sie zu Männern werden, wie wir sie gerne an unserer Seite hätten. Dank den Eltern meines zukünftigen Mannes habe ich heute den besten zu Hause. Er wäscht, putzt, bügelt, weil er richtigerweise sagt: „Warum sollst du das alles allein machen, ich wohne ja auch da.“

Ingrid P.-M.: Die Schwierigkeit bei Gehältern und Pension liegt im Kinderwagen, das kannst du nicht wegdiskutieren. Darum bin ich ganz klar für Pensionssplitting: Wenn die Mutter der Kinder wegen zu Hause ist, gibt der Mann einen Teil der Versicherungsmonate an die Frau ab, damit später kein Gap entsteht. Ich hatte das Glück, dass bereits meine Mutter und Großmütter Unternehmerinnen waren. Ich hatte nie dieses Mutter-zu-Hause-Rollenbild. Ich habe zwei Brüder und wir bekamen alle die gleichen Chancen, das ist ein Startvorteil. Parallel ist es immer wichtig, den Söhnen vorzuleben: Freund, du kannst genauso den Geschirrspüler ausräumen.

Missy M.: Mein Mann kann das sogar wesentlich besser als ich; ich glaub’, er hat mehr Tetris gespielt (lacht).

In einem Artikel habe ich ein schönes Zitat von Regisseur Peter Altmann gefunden: „Das Thema (von „A Story About Respect“, Anm.) soll nicht im Kopf, sondern im Bauch hängen bleiben.“ Was wünschen Sie sich, was soll hängen bleiben?

Missy M.: Mann und Frau sollen aus dem Musical in dem Bewusstsein hinausgehen, dass wir alle gleich sind, egal welches Geschlecht wir haben, egal welche Hautfarbe, egal woher wir kommen. Ich glaube, dass das insgeheim jeder weiß, aber manchmal sind Mächte da, die einen in die falsche Richtung locken, falsche Schlagzeilen beispielsweise schüren Angst. „A Story About Respect“ soll eine Leichtigkeit für das Leben mitgeben und eine Stärke, dass wir alles erreichen können, egal ob Mann oder Frau.

Ingrid P.-M.: Ich habe stark dafür plädiert, dass am Ende die Conclusio herauskommt: Wir können es nur gemeinsam schaffen. Ich glaube nicht, dass wir Kampf-Emanzen werden müssen; wir müssen nur alle aus unseren alten Rollenbildern ausbrechen. Das tun wir schon lange, aber da geht noch ein bisschen mehr …

Nachsatz

Das Interview führten wir knapp vor Ausbruch der Coronavirus-­Krise. Nachdem viele Festivals abgesagt werden mussten, zittert freilich auch das „A Story About Respect“-Team um die Aufführungstermine. Da die Premiere aber erst für den 20. August angesetzt ist, war man bei Drucktermin dieser Ausgabe noch hoffnungsvoll optimistisch.


A Story About Respect

Welturaufführung. Das ursprüngliche Broadway-Musical konzipierten Regisseur Peter Altmann und Schauspielerin und Stimmtrainerin Eva Maria Gintsberg völlig neu. Die Premiere von „A Story About Respect“ findet am 20. August 2020 im Steinbruch St. Margarethen statt – mit einem top besetzten Ensemble mit Maya Hakvoort, Missy May, Tertia Botha, Roberta Valentini, Sidonie Smith und Lynne Ann Williams. Die Botschaften einer besonderen Freundschaftsgeschichte werden mit Songs von Aretha Franklin, Janis Joplin, Christina Aguilera sowie mit eigens komponierten Liedern transportiert.

Alle zwölf Aufführungstermine, Tickets und weitere Infos unter: www.astoryaboutrespect.at