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People | 15.06.2020

Verliebt, verlobt, unverheiratet happy

Das Virus vereitelte die Pläne zu einer lang geplanten Reise. Und doch sind Sylvia Saringer und Marcus Wadsak nicht wehmütig über das Verpasste, sondern dankbar für das Vorhandene.

Ein symbiotischer Einstieg in ein schönes, vielfältiges Gespräch im „das Fritz“ in Weiden am See war das …

 

BURGENLÄNDERIN: Wie habt ihr euch kennengelernt?

Sylva Saringer: Bei einem Michael Jackson Tribute (lacht).

 

Seid ihr Fans?

Marcus Wadsak: Ich bin eher wegen dem  Gag der Veranstaltung hin: Das angeblich von einem Bruder von Michael Jackson geplante Event fand nicht statt, es war dann ein „Tribute to the Tribute“.   

Sylvia: Ich hab’ einem Freund versprochen, dass ich vorbeischaue; am nächsten Tag war EU-Wahl. Im Gehen hält mich Herr Wadsak auf, den ich immer für hochnäsig gehalten hab’. Ich hab’ immer freundlich gegrüßt, so lernt man das am Land, er hat nie zurückgegrüßt. Aber an diesem Abend gibt er mir die Hand und stellt sich vor.

Marcus: Lang geplante Entwicklungsarbeit!

Silvia: Danach hat er Mails geschrieben …

Marcus: Über Monate.

Sylvia: Ich hab’ mir irgendwann gedacht: Damit die Schreiberei endlich aufhört …

Marcus: Vielen Dank! (beide lachen)

Sylvia: … muss ich mal zusagen. Dann haben wir uns getroffen und das war sehr, sehr nett. Wir haben Stunden geplaudert. Stunden über Stunden! Es hat schnell eingeschlagen.

Marcus: Wir waren aber noch getrennt voneinander auf Urlaub …

Sylvia: … und haben wochenlang hin- und hergeschrieben.

Marcus: Dann bin ich Sylvia im Burgenland besuchen gefahren, seither wohne ich hier (lacht).

 

Ihr seid seit gut zehn Jahren verlobt. Habt ihr’s noch ernsthaft vor?

Marcus: Wir haben es einfach bis heute nicht geschafft zu heiraten. Es passt, wie es ist, aber ausgeschlossen ist es auch nicht.

Sylvia: Dem stimme ich zu.

 

Sylvia, du arbeitest bei ATV, Marcus beim ORF: die Konkurrenz unter einem Dach. Oder empfindet ihr das nicht so?

Marcus: Überhaupt nicht!

Sylvia: Wenn er zum Zeitpunkt, wo ich noch die Diskussionssendung „Am Punkt“ moderiert habe, beim ORF „Im Zentrum“ gemacht hätte, hätten wir uns vielleicht gegenseitig die Gesprächspartner wegnehmen können (lacht). Aber wir arbeiten in komplementären Bereichen: Wetter und Nachrichten gehören zusammen.

Marcus: Der Vorteil ist vielmehr das gegenseitige Verständnis. Wir kennen beide das Geschäft, wissen, dass es 365 Tage im Jahr Nachrichten und Wetter gibt.

 

Sylvia, woher kommt dein Interesse für die Politik?

Seit ich denken kann, wurde zu Hause politisiert; selbst zwischen meinen Eltern gab es große Auffassungsunterschiede. Mein Vater kommt aus einer großen Familie, wenn am Wochenende eine Tafel zusammengekommen ist, wurde diskutiert und gestritten, da haben sich beim Heurigen die Leute rundherum zum Zuhören aufgestellt (lacht). Da waren alle politischen Meinungen vertreten. Nur eine nicht: Ausländerfeindlichkeit. Das gab es nicht!

 

Mit welcher Intention bist du Journalistin geworden?

Mein Ideal war: Ich will sichtbar machen, was wirklich ist, die Botschaften der Einzelnen beleuchten und dechiffrieren. Es hat sich sehr viel verändert, vor allem durch die sozialen Medien. Die Politik hat heute ihre eigenen Kanäle. Heute twittert selbst der Bundeskanzler. Im Tagesjournalismus kommst du da kaum hinterher. Während du eine Sache aufdeckst, haben schon 15 andere gepostet. Mein Antrieb ist aber unverändert: Schau dir alles an, bevor du dir deine Meinung bildest.

 

Marcus, wieso Meteorologie und wie kamst du zum ORF?

Das Interesse für Naturwissenschaften war früh da. Mein Großvater hat in Steyr, OÖ, Aufzeichnungen gemacht. Das hat mich fasziniert, dass er nachvollziehen konnte, wie das Wetter im Vorjahr zu Weihnachten war. Bei einer Berufsbildungsmesse wurde mir dann bewusst, dass man Meteorologie studieren kann. Ein Kollege hat mich dort gewarnt: „Das ist ein super Studium, aber du wirst keinen Job kriegen.“ Das war mir mit 18 wurscht, ich hab’ inskribiert. Mit der Diplomarbeit wollte ich eigentlich die Weichen in Richtung Austro Control stellen, dann brauchte der ORF jemanden in der Wetterredaktion. Man fragte auf der Uni nach, wer am Fertigwerden war, wir waren ja ganz wenige. Es war Sommer, die anderen Kandidaten waren nicht erreichbar und ich hatte das Glück, dass wir einen Anrufbeantworter hatten. Daraus wurde sogar ein Fulltime-Job. Das war echt ein Zufall!

 

Du wusstest deine Chance aber offenbar zu nutzen?

Ich hab mich sehr engagiert. So habe ich es als jüngster Redakteur zu Ö3 geschafft. Das war eine sehr schöne Zeit, ich hab’ dort extrem viel gelernt – sodass ich heute das ZIB-Wetter machen und die ORF-Wetterredaktion leiten darf.

Saringer & Wadsak

Sylvia, in Diskussionen und Interviews bist du schlagfertig, wirkst unerschrocken. Was bringt dich aus der Fassung?

Nichts mehr. Zu Beginn war es unangenehm, wenn jemand untergriffig wurde. Das Schwierige ist: Du musst professionell weitersprechen, musst das oft für eine Stunde hintanhalten. Ich bereite mich gut vor. Ich weiß, welche Message die Person anbringen will, wo ich einhaken kann. Man spielt das Gespräch durch, recherchiert viel. Eine gute Vorbereitung gibt mir Sicherheit. Vor 10, 15 Jahren waren wir noch nicht im Mindset der – zumindest nach außen kommunizierten – Gleichberechtigung. Da ist man mit einer Frau anders umgegangen. Hat einem Politiker eine Frage nicht gepasst, hat er dich persönlich angegriffen. Heute gibt es mehr Frauen in der Politik, mehr Expertinnen, das verändert die Gesprächsdynamik. Und trotzdem wird oft noch versucht, Frauen ins „hysterische Eck‘“ zu stellen.

 

Marcus, kürzlich erschien dein Buch: „Klimawandel. Fakten gegen Fake & Fiction“. Was war deine Motivation?

Ich halte seit 2006 Vorträge zum Klimawandel, 2019 habe ich meinen gesamten Urlaub dazu verwendet. Jedes Mal, wenn ich aus zeitlichen Gründen absagen musste, hat es mir wehgetan, weil ich gemerkt habe, dass es funktioniert. Das Feedback war: „So wie du es erklärst, verstehen wir es.“ Mit dem Buch möchte ich möglichst viele erreichen. Lange wurde kommuniziert, dass der Klimawandel in 50 oder 100 Jahren stattfindet. Nein, er hat 2003 stattgefunden. Und 2018, als meine Eltern ihre kleine Landwirtschaft aufgeben mussten, weil es zu heiß war.

Sylvia: Ein Antrieb war auch der Ärger über Fake News …

Marcus: Damit aufzuräumen, war mir wichtig. Und den Klimawandel-Leugnern keinen Platz zu geben, aber ihre Behauptungen zu entkräften.

 

„Die Zeit“ zitiert dich mit folgendem Satz: „Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel zu spüren bekommt, und die letzte, die etwas dagegen unternehmen kann.“ Was müssen wir tun?

Marcus: Unsere Gewohnheiten ändern. Dass das sogar von heute auf morgen geht, sehen wir in der Corona-Krise. Wir müssen schleunigst unsere Treibhausgas-Emissionen reduzieren, um bis 2050 auf die Netto-Null zu kommen. Es darf nur noch so viel CO2 ausgestoßen werden, wie auch aufgenommen wird. Jeder kann etwas tun. Es geht konkret um drei Bereiche: Energie, Transport, Ernährung. Wie kann es sein, dass österreichische Landwirte finanziell nicht mehr mithalten können? Es heißt auch nicht, dass wir die Welt nicht entdecken sollen. Aber: Ist jeder Business-Trip nach New York nötig?

 

Verschafft die Coronavirus-Krise der Natur eine Atempause?

Marcus: Die bodennahe Luft hat sich gebessert, aber das hilft dem Klimawandel wenig. CO2 und Methan stoßen wir weiterhin aus, zudem ist CO2 sehr langlebig. Was wir seit der Industrialisierung angehäuft haben, ist da. Wie bei Corona lautet das Motto „Flatten the Curve“.  Wir müssen 2020 den Anstieg der Treibhaus-Konzentration umkehren, sonst ist das nicht mehr schaffbar.

 

Sylvia, du schreibst in deinem Blog, dass Corona eine Atemwegserkrankung ist, sei kein Zufall. Wie meinst du das?

Im metaphorischen Sinn. Wir hetzen so durchs Leben, dass uns der Atem wegbleibt. Man muss sich jetzt fragen: Wie gehen wir durchs Leben? Wie gehen wir mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen um? Wenn du dankbar bist, den Fokus darauf richtest, was du hast, nicht darauf, was fehlt, wirst du danach trachten, es zu erhalten.

 

Du bist auch Lebens- und Sozialberaterin und Coach. Wem steht die Tür deiner Praxis „Die Lebensmeisterei“ offen?

Ich bin für Menschen da, die bewusster durchs Leben gehen wollen oder nicht genau wissen, wo ihr Ziel ist, Konflikte und immer wieder dasselbe Problem in unterschiedlichen Bereichen haben. Je mehr Menschen bewusst und gut mit sich umgehend leben, umso größer ist die Chance, dass wir mehr Frieden haben.

 

Wie könnt ihr abschalten?

Marcus: Ich setze mich gern ans Klavier, da verliere ich mich. Oder ich fahre an den See, da braucht es keine Stunden, das sind Momente, die Kraft geben.

Sylvia: Wenn ich mit unserem Sohn auf Radtour bin, spiele oder bastle, vergesse ich den Rest der Welt. Da bin ich oft Stunden nicht erreichbar. Ich lese gerne und vor ein paar Jahren habe ich das Stand-up-Paddeln für mich entdeckt. Herrlich!

 

Wie wird euer Sommer aussehen?

Marcus: Es ist gerade absurd, Pläne zu machen. Das Gefühl des Urlaubs kommt am Neusiedler See schnell. Wir sind es geübt, nicht auf Urlaub zu fahren, hier die Zeit zu genießen.

Impressionen

Wir verlosen drei Mal „Klimawandel. Fakten gegen Fake & Fiction“ von Marcus Wadsak (Braumüller). HIER mitspielen!

 

Sylvia Saringer unterstützt bei Entscheidungen, Zielfindung und herausfordernden Phasen in Job, Familie und Beziehung. Wir vergeben 3 x ein Erst­gespräch in ihrer Praxis „Die Lebensmeisterei“. HIER mitspielen!