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People | 07.09.2020

And the Winner is ...

Ihr habt euch entschieden. Mit knapp 8.900 Stimmen ging unser großes Top-66-Burgenländerinnen-Voting erfolgreich zu Ende. Wir stellen euch die Gewinnerinnen der sechs Kategorien vor.

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© Shutterstock

Siegerin in der Kategorie Soziales & Charity

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Edith Pinter – Direktorin Caritas Burgenland. ©

Edith Pinter

Direktorin Caritas Burgenland

 

Bischof Ägidius Zsifkovics setzte mit meiner Bestellung ein Zeichen“, erzählt Edith Pinter. Nur fand er bis dato leider keine Nachahmer. Wenngleich die Mitarbeiterinnen zum Großteil Frauen sind, ist sie seit zehn Jahren österreichweit die einzige Caritas-Direktorin. Wo die heute 60-Jährige noch dazu ein kleines Bundesland vertritt, ist bei Besprechungen mit den Kollegen Durchsetzungsvermögen gefragt, „man muss oft beharrlich sein“, schmunzelt sie.
Das war sie aber schon als Kind, sie wuchs gut behütet in Steinberg auf. „Ich konnte meine Eltern ewig mit Fragen löchern, wollte allem auf den Grund gehen.“ Ihr Wissensdurst inspiriert sie zur Wahl ihres Studiums: Publizistik und Philosophie. 20 Jahre jung, heiratet sie – Edith Pinter lebt bis heute glücklich mit ihrem Mann in Wiesen –, mit 21 bekommt sie ihren Sohn, acht Jahre später ihre Tochter. Das Studium zieht sie dennoch durch und ist auch stets berufstätig. „Wenn man Ziele hat, geht alles.“ Dieses Credo gilt auch heute für sie, wenngleich sie sich als Caritas-Direktorin häufig mit Kompromissen arrangieren muss. „In zehn Jahren habe ich viele Facetten von Not kennengelernt und gespürt: die von Obdachlosen, von kleinen Kindern, von Pflegebedürftigen und behinderten Menschen … Es braucht Selbstsicherheit, um die Probleme anzugehen“, weiß sie. „Natürlich kann man nicht von heute auf morgen die Welt verändern, man kann nur punktuell helfen.“ Dass sich oft gerade die engagieren, die selbst nicht viel haben, das inspiriert sie und macht sie täglich demütig. 600 hauptamtliche und 800 ehrenamtliche Mitarbeiter*innen zählt die Caritas im Burgenland; mit dem Ausbruch der Pandemie spürt Edith Pinter sogar noch mehr Teameinsatz; selbst Krankenstände gab es kaum. Viele Mitarbeiter*innen seien täglich mit der Zahnbürste in die Arbeit gekommen, „weil man ja nie wusste, ob es einen Fall gibt und man in Quarantäne muss“. Vor große Herausforderungen – physisch und psychisch – stellte das Team der Ausnahme-­Muttertag mit viel Besuch in Pflegeeinrichtungen. „Man darf ja nicht vergessen, dass viele unserer Mitarbeiterinnen selbst Mütter sind“, sagt Edith Pinter. Doch so intensiv die vergangenen Monate auch waren, sie ist vorrangig bewegt über den Zusammenhalt. „Wir tragen uns gemeinsam durch diese Zeit.“ Traurig stimmt sie, dass Corona die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufmacht. „Wir sind vielen Menschen begegnet, die zuvor nie gedacht hätten, dass sie jemals in eine Krise schlittern werden“, schildert sie. Kraft geben Edith Pinter ihre Familie (sie wird demnächst Oma) und ihr Zuhause, „die Arbeit im Garten erdet mich“. Und Kraft gibt ihr jedes Mal, wenn geholfen werden kann. „Wenn eine Familie mit einem Guglhupf in der Tür steht, weil eine Mitarbeiterin sie vor der Delogierung bewahren konnte.“ „Nöte und Armut wird es immer geben“, weiß sie. „Ich wünsche mir, dass möglichst vielen geholfen werden kann und dass sich dafür möglichst viele Menschen einsetzen.“


Siegerin in der Kategorie Kunst & Kultur

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Theodora Bauer – Schriftstellerin

Theodora Bauer

Schriftstellerin

V iele Preise und Stipendien säumen ihre Laufbahn, die Frage, wie alles begann, hört sie oft. „Trotzdem antworte ich immer gerne, weil es eine schöne Geschichte ist“, sagt Theodora Bauer. Ihre Mutter, Lehrerin mit Leib und Seele, hatte ein Plakat für einen Schreibwettbewerb entdeckt, und die zehnjährige Tochter reichte erstmals einen Text ein. Die für sie schönste Auszeichnung damals: Sie bekam die Möglichkeit, an einem Feriencamp für literarisch interessierte Jugendliche teilzunehmen. Das erlebte sie als so bereichernd, dass es zum jährlichen Fixpunkt wurde. „Ich habe dort Leute fürs Leben getroffen, Basics für das Schreiben gelernt, aber auch wie man Feedback annimmt und so gibt, dass es nicht verletzt“, sagt die in Großhöflein aufgewachsene Autorin. Heute leitet Theodora Bauer selbst seit Jahren eine Schreibwerkstatt im Literaturhaus Mattersburg und ist fasziniert von ihren Teilnehmer*innen. „Wer die heutige Jugend kritisiert, sollte erleben, wie gescheit sie sind, wie konstruktiv sie miteinander diskutieren.“ Spätestens mit 13 hatte sie ihr Ziel, Schriftstellerin zu werden, klar vor Augen. Das Wie musste erst gefunden werden, ihre Eltern bestärkten sie stets in ihrem Tun. „Meine Mutter hat immer etwas Schönes gesagt: Ich wünsche dir eine Leidenschaft. Sie selbst brannte für ihren Beruf, ich habe verstanden, was sie meinte.“ Von Erfolg war bereits ihr Romandebüt gekrönt: 2014 – da war sie gerade 23 – erschien „Das Fell der Tante Meri“, 2017 folgte „Chikago“ – ebenfalls begleitet von viel Applaus. Dabei greift Theodora Bauer ihr Publikum nicht mit Samthandschuhen an: Sie konfrontiert sie mit „blinden Flecken“ österreichischer Geschichte, mitreißend von Charakteren erzählt, deren Lebens- und Liebeswege unter die Haut gehen. Mittlerweile arbeitet sie am dritten Werk, in dem sie vom Aufstieg und Fall einer Familie der Arbeiterklasse erzählen wird. Bemerkenswert an ihrer Karriere sind zudem ihr Facettenreichtum und all die Projekte, mit denen sie parallel – sie verfasst auch Theaterstücke, Kurzgeschichten und Artikel – jongliert. „Autorin zu sein, bedeutet nicht nur lesen und schreiben, sondern sich intensiv mit der Welt zu beschäftigen“, sagt sie. Das war mit ein Grund, warum sie Philosophie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft studierte. Zweimal war Theodora Bauer in der renommierten Servus-­TV-Sendung „LiteraTOUR“ als Gast geladen, ehe die redegewandte Autorin selbst als Co-Moderatorin angefragt wurde. „Ich habe Schreiben und Literatur immer breit definiert. Mir machen meine Lesungen wahnsinnig viel Spaß und ich habe seit zweieinhalb Jahren große Freude daran, die Literatursendung zu moderieren.“ Ob Auslandssemester, Schriftsteller-Stipendium oder Recherche – immer wieder zieht es sie in die USA. „Ich habe dort mittlerweile viele ganz liebe Freunde; Amerika ist mein zweiter Ankerpunkt und Lebensthema geworden.“ Anfang 2021 soll sie einen Literaturkurs an der Bowling Green State University in Ohio unterrichten, „worauf ich mich sehr freue, nur wegen Corona bin ich leider etwas skeptisch“, sagt sie. „Drückt mir die Daumen!“ Das tun wir. Von Herzen.


Siegerin in der Kategorie Wirtschaft & Tourismus

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Dorothea Jagschitz – Obfrau „Urlaub am Bauernhof“ Burgenland, Winzerin und Unternehmerin

Dorothea Jagschitz

Obfrau „Urlaub am Bauernhof“ Burgenland, Winzerin und Unternehmerin

Ihr Tagesablauf variiert täglich. Dorothea Jagschitz ist Winzerin, beherbergt Gäste und vertritt ehrenamtlich knapp 120 burgenländische Höfe im Verein „Urlaub am Bauernhof“ als Obfrau. Wie bringt sie das alles unter einen Hut? „Man muss lernen, sich auch Pausen zuzugestehen. In der Hochsaison ist das natürlich schwierig, aber wir versuchen es trotzdem, machen Kurzurlaube.“ Wir – das sind ihr Mann und sie. Wobei auch die beiden Kinder – Agnes und Franz Paul – anpacken, wo es möglich ist. Gemeinsam zu arbeiten und gemeinsam zu leben, ist eine Herausforderung, die das Ehepaar nahezu rund um die Uhr zu meistern hat. So richtig kennengelernt haben sich die beiden an der BOKU in Wien – sie stammt aus Klingenbach, er aus Oslip. Dort haben sie das Weingut im Jahr 2000 übernommen und seither kontinuierlich ausgebaut und umbenannt in Weingut Remushof Jagschitz (der alte Hausname Remushof, der auf 1683 zurückgeht, wurde bei der Betriebsübernahme revitalisiert). Bereits 2002 haben sie sich entschlossen, das Weingut komplett neu zu bauen. Mittlerweile bewirtschaftet die Familie Jagschitz 18 ha Weingärten und 30 ha Acker. Daneben kümmert sich Dorothea auch um die fünf Zimmer, die sie direkt am Weingut vermietet. Die Monate der Coronavirus-Krise waren für sie besondere: „Von Mitte März bis Ende Mai hatten wir keine Gäste. Viele Präsentationen und Weinmessen wurden abgesagt, doch unser Online-Shop ging sehr gut. Im Sommer haben wir dann bemerkt, dass wir viel mehr österreichische Gäste haben als sonst. Der Radtourismus boomt extrem. Auch einheimische Gäste aus dem Burgenland haben jetzt wieder mehr Lust, ihr eigenes Bundesland zu entdecken.“ Dabei wird im Remushof Jagschitz Tradition hochgehalten. Das Kroatische sei sehr präsent und wird zu Hause gesprochen. Das Authentische an der Familie Jagschitz schätzen auch Gäste und Kunden. „Wir haben viele Stammgäste und lernen fast täglich auch neue Menschen kennen. Es sind über die Jahre hinweg viele Freundschaften entstanden. Wir bekommen oft zu hören, dass man uns ansieht, dass wir lieben, was wir tun. Und so ist es auch.“ Dazu gehöre jedoch eine große Portion Mut und Ausdauer. „Wir haben viel investiert. Wenn man sich entschließt, einen Betrieb neu zu bauen und zu wachsen, dann glaubt man daran, sonst würde man es nicht machen. Manchmal sollte man vielleicht nicht zu viel da­rüber nachdenken“, lacht die 52-Jährige. Worüber sie sich jedoch viele Gedanken macht, ist die touristische Zukunft im Burgenland. Sie ist bereits in der dritten Periode Obfrau des Vereins „Urlaub am Bauernhof“ Burgenland. Und ihre Kreativität bringt Dorothea Jagschitz natürlich auch in den eigenen Betrieb ein: Bereits sehr früh kreierte sie einen Wein namens Žena (slawisch für Frau). „Ich wollte ein Zeichen setzen. Frau Jagschitz ist jetzt auch zu 100 % im Betrieb tätig. Ich wollte damit unsere Wurzeln unterstreichen. Der Zweigelt ist vom Charakter her einer Frau ähnlich: samtig, weich, rund am Gaumen, mit dezentem Barrique-Ton – das ist die moderne, selbstbewusste Frau von heute.“


Siegerin in der Kategorie Sport & Lifestyle

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Sonja Flandorfer –einzige österreichische Kältetrainerin, Leiterin Zentrum für mentale und körperliche Gesundheit © Kurt Strametz

Sonja Flandorfer

Einzige österreichische Kältetrainerin, Leiterin Zentrum für mentale und körperliche Gesundheit

Sie ist die „coolste Frau Österreichs“. Sonja Flandorfer war eigentlich immer eine recht „Erfrorene“, bis sie eines Tages bei einem Weiterbildungsseminar im Rahmen ihres Jobs in einem Großkonzern den niederländischen „Iceman“ Wim Hof kennenlernte, der behauptete, dass man sich nur aufgrund seiner Gedanken (seines Mindsets) warm halten könne. Nachdem sie die Theorie sehr beeindruckte, ging sie in die Praxis, absolvierte einen 10-wöchigen Kurs zu den Themen Atmung, Mindset, Kälte. „Ich habe die Kälte bis dahin gehasst. Doch im Rahmen des Mindmanagements habe ich mir dann ein Ziel gesetzt: Am 1.1.2018 möchte ich im Neufelder See im Bikini schwimmen gehen. Ich habe einen Aufruf gestartet und ein paar Wahnsinnige haben sich gemeldet: fünf Männer und ich“, lacht die 45-Jährige. Sie hat ihren Job im Konzern gekündigt und sich selbstständig gemacht. Ihr Ziel ist es jetzt, in ihren Workshops den Teilnehmer*innen beizubringen, Mindmanagement und Kälte zu verbinden. Dazu setzt sie die Lernwilligen in ein 2 bis 4 Grad kaltes Eisbad. „So wie du im Eisbad mit Stress umgehst, so gehst du auch im Leben mit Stress um. Ich kann dort lernen, mit meiner Mind ruhig zu bleiben und ins Vertrauen zu gehen – das kann ich dann auch im Alltag umsetzen.“ Die im Eisbad Sitzenden können auch nicht lügen ob ihrer Befindlichkeiten. „Ich sehe den Leuten genau an, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Viele wollen das mit Willenskraft aushalten, die wollen dann auch im Leben meist mit dem Kopf durch die Wand. Doch das ist nicht Sinn der Sache.“ Sondern der Sinn sei, in sich hineinzugehen, sich selbst zu beobachten, Vertrauen zum Körper aufzubauen. Wer das schafft, kann sich im Eisbad sogar richtig entspannen. „Unser Körper hält es aus, wir sind einfach verweichlicht. Wir wurden von Kindheit an ständig eingepackt, der Körper hat verlernt, mit Hitze und Kälte umzugehen.“ Wer nach dem Eisbad auch noch die Instruktionen für zu Hause beachtet, kann sein Immunsystem wesentlich stärken und ist viel weniger für Erkältungen anfällig, ist Sonja überzeugt. Und weil sie zu ihren Überzeugungen steht, hat sie diese auch in zwei Büchern verewigt. Im ersten Buch, „Glücklich für immer? So a Schaß!“, gewährt sie Einblicke in ihr bisheriges Leben. Die Leser*innen können sich mit den Geschichten und Erlebnissen identifizieren und kommen dadurch schneller ins Tun. Im zweiten Buch, „Die Kraft von Mindmanagement & Kälte“, schreibt Sonja, wie Mindmanagement und Kälte zusammenhängen und welch geniale Lehrerin die Kälte ist. „Die meisten Menschen haben genau zwei Ziele: gesund und glücklich zu sein. Aber: Sie sind nicht entschlossen genug, diese Ziele umzusetzen. Warum? Weil sie zwei ganz wichtige Dinge nicht tun: Entscheidungen treffen und vertrauen. Die meisten denken zu viel und vertrauen zu wenig.“ Und das möchte sie ihren Workshopteilnehmer*innen beibringen, sowohl den Firmengruppen als auch den Privatpersonen. Getreu nach ihrem eigenen Leitspruch: „Glückliche Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand.“


Siegerinnen in der Kategorie Genuss & Landwirtschaft

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Sandra & Katrin Wilfling – Betreiberinnen der „il sapore – FeinkostBar“ und Erfinderinnen der Feinkostlinie „il sapore pur“

Sandra & Katrin Wilfling

Betreiberinnen der „il sapore – FeinkostBar“ und Erfinderinnen der Feinkostlinie „il sapore pur“

Das ist Poesie: Crostini mit Artischockencreme und Ricotta, Wolfsbarschtartar auf Fenchelcarpaccio, Espresso-Creme mit Brombeeren und Amaretti … Kaum zu glauben, dass die Dichterin dieser Gerichte hauptberuflich nach Wien ins Office pendelt. Sandra Wilfling arbeitet im Sozialministerium, und zwar mit Leidenschaft. Wenngleich sie das Kochen auf hohem Niveau betreibt – mit genannten Kompositionen verwöhnte sie kürzlich im Oberwarter „Kochtheater“ –, spielt es also, salopp gesagt, die zweite Geige in ihrem Leben. Ganz fair ist die Formulierung auch nicht, läuft sie doch mit ihrer Schwester seit der Eröffnung ihrer „FeinkostBar“ in Oberwart zur Höchstform auf. Auch Katrin hängt sich die Schürze erst abends um, tagsüber ist sie Eingliederungshilfe an einer öffentlichen Schule – eine Mission, für die sie brennt. „il sapore“ – zu Deutsch: der Geschmack – heißt der 32 Quadratmeter kleine Afterwork-Laden, in dem an drei Abenden die Woche Antipasti, kalte Köstlichkeiten aus der eigenen Küche und edle Tropfen kredenzt werden. Seit Kurzem lässt man sich dort auch selbstgemachten „Gino“ schmecken, „nicht destilliert, sondern mit mediterranen Kräutern angesetzt“, beschreibt Sandra Wilfling. Samstagvormittags kitzeln frischgebackene Kuchen, Tartes und italienischer Kaffee die Nase, angestoßen wird mit Prosecco. Die Gastronomie begleitete ihrer beider Leben schon lange; Sandra ließ sich von einem befreundeten Sarden, der in Güssing den Kochlöffel schwang, jahrelang in die Geheimnisse italienischer Küche einweihen. Katrin gründete bereits 2004 eine Weinbar namens „il sapore“; sie florierte und kostete schließlich zu viel (Schlafens-)Zeit. Irgendwann waren sich beide einig, dass sie kein Lokal (mehr) hauptberuflich betreiben möchten. 2014 überschrieben ihnen die Eltern einen kleinen Weingarten am Hannersberg – Nuss-, Kirsch-, Zwetschkenbäume, Himbeersträucher und Co. inklusive. Sandra und Katrin begannen zu pflücken und – sie mögen den Ausdruck verzeihen – zu experimentieren. Marmeladen, Chutneys, Sugo und mehr wurden gezaubert und ihnen alsbald aus den Händen gerissen. Das war der Beginn ihrer Feinkostlinie „il sapore pur“ und so war auch der Grundstein für die Bar gelegt, auf die die Oberwarter*innen nicht mehr verzichten wollen. „Die sind bös’, wenn wir auf Urlaub sind“, lachen die Schwestern. Auch die Nachfrage nach den Produkten steigt laufend, sie starten demnächst einen Onlineshop. Kein Spaziergang, wo sie jedes Glas selbst befüllen „und händisch etikettieren!“, ergänzt Sandra Wilfling. „Früher sind die Frauen beim Federnschleißen zusammengesessen, wir bekleben unsere Glaserln.“ Ein Geheimnis dürfen wir ausplaudern: Für den Sommer 2021 planen die Wilflings einen Buschenschank, „il sapore poppt dann am Hannersberg auf“.


Siegerin in der Kategorie Technik & Innovation

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Raphaela Reinfeld – Leiterin Innovation und Produktentwicklung der Energie Burgenland, Vorstandsmitglied und Obfrau der Forschungsinitiative Green Energy Lab

Raphaela Reinfeld

Leiterin Innovation und Produktentwicklung der Energie Burgenland, Vorstandsmitglied und Obfrau der Forschungsinitiative Green Energy Lab

Perfektionistisch, rasche Auffassungsgabe, flexibel und ein Organisationstalent – so beschreibt sich Raphaela Reinfeld selbst. Als Leiterin der Abteilung Innovation und Produktentwicklung hat Raphaela mit Bereichen zu tun, die komplex und fordernd sind. Anfang September spricht die 34-Jährige beim Forum Alpbach über Energy Communities – also wie der regional erzeugte Strom auch regional verwendet werden kann, durch Gemeinschaften, die sich aus diesem Zweck zusammenschließen. Doch die Aufgabe, die danach auf sie zukommt, wird wohl die herausforderndste ihrer bisherigen Karriere. „Wenn es hart auf hart kommt, helfen Hardfacts und Wissen nicht weiter. Noch mehr als im Job braucht es Emotionen und Intuition.“ Raphaela bekommt im Dezember ihr erstes Kind. Seit sie schwanger ist, habe sie einen gänzlich neuen Zugang zu ihrer eigenen Weiblichkeit bekommen,  die in männerdominierten Branchen sonst oft nachteilig sei. Mit Frauen tauscht sich die werdende Mama nun anders aus. Im Business hat sie die Schwangerschaft bisher nicht negativ beeinflusst. „Natürlich habe ich viel überlegt, wie es sein wird, wenn ich in Mutterschutz daheim bin und wann ich wieder anfangen werde zu arbeiten – das lasse ich jetzt mal auf mich zukommen. Mein Umfeld hat es jedenfalls zum Großteil positiv aufgenommen, Zweifler gab es nur sehr wenige.“ Denn jeder, der sie kennt, weiß, dass Raphaela eine Kämpferin ist. Nicht umsonst steht sie bei verantwortungsvollen Positionen hoch im Kurs. Als Sprecherin und Vorstandsmitglied der bundesweiten Forschungsinitiative Green Energy Lab zum Beispiel, auch da wird sie ihre Funktion nur so lange wie notwendig ruhend stellen, also während des Mutterschutzes. Ihre Zukunftsgedanken sind dabei durchwegs positiv. Die Coronavirus-Krise hat ihr vieles gezeigt: „Der Aufbau nach Corona muss unbedingt grün und nachhaltig sein. Wir wollen innovative Lösungen stärken.“ Beim Status und der Gleichstellung von Müttern, die im Berufsleben stehen, sieht sie noch viel Aufholbedarf. „Trotz aller Toleranz kommt trotzdem irgendwann immer die bewertende Frage: ‚Willst du mit 40 Stunden zurückkommen, ist das notwendig?‘“ Glücklich ist sie über das Engagement und wachsene Bewusstsein der Väter. Das Papamonat oder ein paar Monate Karenz ist für viele bereits selbstverständlich, auch für Raphaelas Partner. „Frauen müssen lernen, einzufordern. Ihre Position, ihren Job. Diese exotische Anmutung von Frauen in Führungspositionen soll sich endlich in Selbstverständlichkeit verwandeln. Und wir müssen auch lernen, Hilfe anzunehmen, uns eingestehen, nicht alles alleine machen zu müssen – Haushalt, Kinderbetreuung. Und dabei keine falschen Schuldgefühle haben.“ Ihr Sohn kann bereits im Mutterleib stolz auf seine starke Mama sein, die genau weiß, was sie will, und auch dazu steht.


Fotos Kurt Strametz, Wolfgang Hirt Photography, CARITAS/Julia Widlhofer, Paul Feuersänger, Birgit Machtinger, beigestellt, Shutterstock