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People | 26.11.2020

Am Boden geblieben

Die Sprecherin der größten Fluggesellschaft Österreichs ist eine Spezialistin in Sachen Kommunikation. Tanja Gruber liebt das Reisen sowie den Umgang mit Menschen und spricht mit uns über persönliche und berufliche Hürden.

Ihren Heimatort Steinberg im Mittelburgenland sieht Tanja Gruber aufgrund ihres Jobs und ihrer Reiselust nicht mehr so oft. Die Ereignisse der letzten Monate haben die 31-Jährige jedoch im wahrsten Sinne des Wortes sowohl auf den Boden geholt als auch viele Türen geöffnet: Reiseeinschränkungen auf der einen und Jobperspektiven auf der anderen Seite.


Du hast mit Oktober die interimistische Leitung der Kommunikations-­Abteilung der AUA übernommen und bist somit zusätzlich zu deiner Führungsrolle auch noch Unternehmenssprecherin. Wie empfindest du es, Sprachrohr eines großen Unternehmens zu sein?

Kein Tag ist wie der andere – ich setze mich immer wieder mit neuen Themen auseinander und mache mir Gedanken, wie ich sie kommunizieren kann. Eine neue Destination gehört publik gemacht, politische Unruhen finden in einem Land statt, das man anfliegt, oder eine weltweite Pandemie löst eine Krise aus – es gibt so viele Themen, die mich beruflich berühren. Und auch emotional. Das ist spannend und erfüllend zugleich.

Während des Lockdowns und danach gab es viel Kritik an den staatlichen Zuschüssen und Krediten für die AUA, die aufgrund der Krise eingefordert wurden. Deckte sich da deine private Meinung mit der, die du kommuniziert hast?

Ja, denn an der AUA hängen nicht nur die rund 7.000 direkten Arbeitsplätze, sondern auch sehr viele andere. Zudem würde es ohne AUA keine Fluggesellschaft geben, die von Wien aus ein derartiges Langstreckennetz aufbaut – das schafft ein Low-Coster nicht. Persönlich würde mich das genauso wie viele andere auch hart treffen, weil ich reisen liebe. Bei den staatlichen Unterstützungen ging es daher meiner Meinung nach nicht nur um das Unternehmen an sich, sondern um eine ganze Kette an Arbeitsplätzen und um Österreich als Tourismusland.


Wie gehst du persönlich mit Kritik um?

Ein weiser Mann hat einmal gesagt: „Wenn ich beliebt hätte werden wollen, wäre ich Rezeptionist geworden.“ Ich bin davon überzeugt, man muss sich in der Rolle als Pressesprecherin damit auseinandersetzen, dass man es nicht jedem recht machen kann. Das halte ich auch in meinem Privatleben so. Es prallt nicht jede Kritik an mir ab, aber ich werde es nie schaffen, alle ausnahmslos zufriedenzustellen. Mittlerweile habe ich das zu akzeptieren gelernt, es war nicht immer einfach.

 

 

Dienstreisen in ferne Länder vor Corona: hier in einer Volksschule in Südafrika



Kommunikation ist der Schlüssel für viele Probleme. Was bist du für ein Mensch, wie kommunizierst du?

Ich bin anderen gegenüber sehr offen, halte mit meiner Meinung jedoch nicht hinter dem Berg, manchmal vielleicht zu offen (lacht). Aber ich höre mir auch gerne die Meinungen der anderen an und kann guten Argumenten durchaus etwas abgewinnen. Wenn ich einen Plan habe, weiß ich diesen gut argumentativ aufzubauen und durchzubringen. Dazu bin ich sehr empathisch, merke schnell, wenn mein Gegenüber sich unwohl fühlt, und kann mich gut auf meine Gesprächspartner einstellen. Das hilft mir natürlich auch im Job. Privat sowie beruflich bringe ich gerne Leute zusammen. Zu Hause lade ich gerne viele Leute ein und koche – ich mag es, wenn viel los ist. Das fehlt mir in der jetzigen Zeit oft.

Wie wirken sich die Reisebeschränkungen deiner Meinung nach auf die Gesellschaft aus?

Die Gruppe der Geschäftsreisenden, die merken, dass es auch mit weniger Reisen geht, gibt es. Aber es gibt auch viele Leute, die einen Lebensdurst haben, die in die Welt hinaus wollen, Freunde und Familie rund um den Erdball besuchen möchten. Das werden wir dann stark spüren, wenn die Reisefreiheit wieder komplett hergestellt ist. Das kann aus zwei Gründen passieren: eine Impflösung wird gefunden oder wir haben gelernt, mit dem Virus zu leben. Einschätzungen zufolge wird das Reiseniveau erst 2023 oder 2024 annähernd dort sein, wo es vor Corona war. Derzeit gibt es eine Reihe von Antigen-Tests, die sich in der Testphase befinden – durch diese sollen innerhalb von 15 Minuten Ergebnisse vorliegen. Mit diesen Schnelltests könnte es möglich sein, alle Passagiere vor dem Flug zu testen, zusätzlich zu den weiteren Schutzmaßnahmen sowie den HEPA-­Filtern in den Flugzeugen, durch die die Luft im Flieger alle drei Minuten getauscht wird, wollen wir so bald wie möglich für die größtmögliche Sicherheit der Reisenden sorgen.


Ein Blick in die Zukunft. Was wird sich bei der AUA in den nächsten Jahren verändern?

Das kommende Jahr wird sicher entscheidend für die Luftfahrt, aber auch viele verwandte Branchen sein. Ein harter Winter 2020 ist wahrscheinlich noch zu überstehen, aber der Sommer 2021 muss einfach anziehen. In dieser unsicheren Zeit ist bei der AUA ein starker Zusammenhalt bei allen Mitarbeitern zu spüren. All diese zukünftigen Schritte gilt es gut kommunikativ zu begleiten. Auch wenn es aktuell nicht immer schöne Themen sind, so möchte ich dennoch gemeinsam mit meinem Team die Mitarbeiter*innen, aber natürlich auch die Öffentlichkeit über alle Schritte am Weg zurück in die „neue Normalität“ transparent und regelmäßig informieren. Das ist mein persönliches Ziel für die nächsten Jahre.

Wo warst du heuer privat im Urlaub?

Im Jänner vor der Krise war ich noch in Südafrika. Im Sommer dann eine Woche in Griechenland und eine Woche in Kroatien segeln. Das ist wesentlich weniger als im Vorjahr. Die Welt zu bereisen, den eigenen Horizont zu erweitern, andere Kulturen kennenzulernen, das ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Doch ich bin zuversichtlich, dass es bald wieder so weit ist.

 

Chefredakteurin Nicole Schlaffer mit Tanja Gruber über den Dächern Wiens.


Kurz-Vita Tanja Gruber

Während ihres Bachelor-Studiums an der FH Wien absolvierte sie ein Auslandssemester in Holland und machte nach Abschluss des Studiums den Master in Florida. Seit 2014 ist sie bei Aus­trian Airlines tätig – zunächst in der internen Kommunikation, ab 2018 in leitender Funktion als Head of Digital Communications & Media Relations, seit Oktober 2020 zusätzlich als Unternehmenssprecherin. Auslandserfahrung bedeutet für Gruber Weiterentwicklung und helfe in Sachen Selbstständigkeit. Jungen Menschen empfiehlt sie, so viel auszuprobieren wie möglich, „auch damit man weiß, was man nicht will“.