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People | 23.06.2015

Unser Cover-Model im Juni

Madrid meets Güssing, Talent meets Mut zur Veränderung: Die österreichische Ausnahmemusikerin Clara Blume (30) im Interview über ihr aktuelles Album, den notwendigen Aufbruch in neue Zeiten und ihre Liebe zum Südburgenland.

Sie verbrachte einige Jahre in Madrid, lebt derzeit in Wien und nutzt jede freie Minute im Südburgenland. Multikulturell im Mikrokosmos, weite Welt und kleines Stück vom Paradies – die perfekte Synthese für Clara Blume. Die Tochter einer Spanierin sowie eines holländisch-indonesischen Vaters liebt Abwechslung und Gegensätze. Wenn die Singer-Songwriterin nicht gerade auf der Bühne steht oder sich für Musikerkollegen ihrer selbst gegründeten Plattform, dem „Singer Songwriter Circus“, einsetzt, dann genießt sie Idyll und Muße auf dem Bauernhof ihrer Eltern nahe Güssing. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde die schöne Sängerin im Frühjahr durch ihre Teilnahme an der ORF-Ausscheidung für den österreichischen Song-Contest-Beitrag. Mitte Mai erschien nun ihr erstes Album „Here Comes Everything“.

Sie haben gerade Ihr erstes Album „Here Comes Everything“ veröffentlicht. Das klingt nicht gerade bescheiden – eher wie ein großes Versprechen. Ist es das?

Ja, klar – mit leichtem Augenzwinkern natürlich. „Here Comes Everything“ bezieht sich auf ein Zitat im großen James Joyce-Roman „Finnegans Wake“, zudem habe ich das vor Jahren auf meinen Unterarm tätowieren lassen. „Everything“ meint die große Bandbreite an Klängen auf dem Album – es bietet tatsächlich alles, von intimen, leisen Songs bis zu bombastisch orchestrierten Nummern. Auch thematisch decken wir ein breites Spektrum ab: Schließlich drücken sich darin zehn Jahre künstlerisches Schaffen aus, unzählige Gespräche und Lebensgeschichten – allesamt in musikalische Form gepresst. Das Versprechen ist also, dass sich jeder bzw. jede irgendwo in den Songs wiederfindet.

Der bekannteste Song darauf heißt „Love and Starve“. Muss man tatsächlich hungern, wenn man tut, was man liebt?

Nein, aber der Song ist ein Plädoyer dafür, den Mut zu haben, das zu tun, was man liebt. Gerade für ein Künstler-Dasein die extremste Aufforderung. Schließlich grenzt fast jede künstlerische Arbeit an Selbstaufgabe. Nur wenn man liebt, was man tut, kann man es hinnehmen, oftmals nur am Existenzminimum dahinzugrundeln. Auch bei mir gibt es Monate, wo man gerade mal so über die Runden kommt und sich durchwurschtelt. Ich lebe frei nach dem Motto: Do what you love even if it kills you. Ich habe alles, was ich habe, investiert – in mich und mein künstlerisches Produkt. Ich falle gewissermaßen unter die Kategorie Start-up. (lacht) Es ist eine tägliche Entscheidung für seine Leidenschaft. Ich habe früher im Bereich PR und Marketing für ein Modelabel gearbeitet. 50 bis 60 Stunden pro Woche. Musik lief da nur als Hobby. Es fehlte der existenzielle Druck – und damit auch das Feuer.

Die moderne Arbeitswelt zwischen Pragmatismus und Leidenschaft – die große Herausforderung für eine ganze Generation?

Auf jeden Fall. Der Druck in der sogenannten Leistungsgesellschaft ist enorm. Es ist eine Gesellschaft, die immer mehr in Gewinner und Verlierer unterteilt. Dass die Zahl der Psychosen immer weiter ansteigt, verwundert nicht. Umso wichtiger ist es, dass Menschen eine Tätigkeit finden, die sie erfüllt, und dies nicht nur am monetären Erfolg messen. In meinem Vollzeitjob habe ich zwar gut verdient, aber darin keine Erfüllung gefunden. Jetzt lebe ich lieber meine Leidenschaft, ohne dabei in Geld zu schwimmen, aber sie ist sinnstiftend für mich.

Sie bezeichnen Ihre Musik als Avantgarde Pop. Was kann man darunter verstehen?

Kurz gesagt: Pop mit Anspruch. Pop ist ein extrem breit gefächerter Begriff, er bezeichnet ein Song-Format, eine massentaugliche Songformel. Auch wir machen Pop, bemühen uns aber um einen innovativen, experimentierfreudigen Zugang. Wir stellen uns bewusst gegen die schematische Formelkunst, wie man sie von kommerziellen Radio­sendern kennt. Deshalb passen wir da nicht wirklich rein. Auf der anderen Seite sind wir auch keine Underground/Indie-Produktion und damit wiederum keine „klassische FM4-Musik“. Das heißt, unsere Musik fällt exakt in eine Grauzone, für die sich niemand in Österreich verantwortlich fühlt. Und das ist sehr schade.

Das gesamte Interview findet ihr in der Juni-Ausgabe der BURGENLÄNDERIN.

So vielfältig ist Clara Blume

Steckbrief von Clara Blume,
Singer- und Songwriterin

 

  • Geboren in Wien, aufge­wachsen in Madrid und Wien
  • Musikerin, Sängerin, Singer-Songwriterin, Vertreterin des „Avantgarde Pop“ (Popmusik mit Anspruch)
  • Gründerin des „Singer Songwriter Circus“ in Wien, einer Auftritts- und Promotionplattform für junge Musiker
  • Verbringt ihre Freizeit am liebsten auf dem elterlichen Bauernhof nahe Güssing
  • Im Mai erschien ihr erstes Album „Here Comes Everything“. Produzent des Albums ist Bruder Georg Blume.
  • www.clarablume.com