Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 12.12.2016

Noras Welt

Ihr Leben ist voller Wendepunkte: Kaum selbst Mama geworden, verliert ihre Mutter den Kampf gegen Krebs. Gerade das Haus frisch renoviert, passiert ein Brandunfall …

„Ich brauche keinen Sonntag. Aber ich brauche jede Woche einen Tag mit meiner Familie."

Nora Schleich, Moderatorin, Mama & Lehrerin

Ein Tag zum Verstecken. Grafenschachen hat eine beharrliche Wolke für sich gepachtet. Unbe-eindruckt vom tristen Wetter empfängt uns Nora Schleich. „Ich fühle mich echt geehrt“, strahlt sie. Schon bei der Interviewanfrage war sie skeptisch, warum die Wahl auf sie fiel. Die junge Frau ist TV- und Event-Moderatorin, Patchwork-Mama, Lehrerin an der HBLA Oberwart – und by the way auch noch so schön, dass wir sie glatt in edle Modelle von Bellezza Fashion stecken „mussten“. Für uns Gründe genug! Dass sie mit ihrem Lebensgefährten Mark auch noch ein Händchen für erlesene Möbelstücke hat, die sie teilweise vor der Fahrt zum Bauhof retten, ist das Sahnehäubchen für unsere Foto-strecke mit dem charmanten Energiebündel.

Apropos Energie.

Während unsereiner nach Stunden des Fotografierens, Haare- und Make-up-Auffrischens sich müde am Teppichboden für die Schlussbesprechung einfindet, lässt Frau Schleich völlig gelassen ihre Kleinen auf ihr herumturnen. „Das Interview dann lieber telefonisch?“, frage ich. „Nein, wieso? Können wir gleich machen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern – und wir verschwinden auf die Terrasse, wo eine Belohnungszigarette nach den anstrengenden Stunden sein darf. Nur eben nicht vor den Kids. „Eigentlich eh blöd, dass ich’s nicht sein lasse, diese wenigen Zigaretten“, grübelt sie. Anschließend folgt draußen ein so ehrliches wie berührendes Gespräch, dass ich nur an den klammen Fingern am Kugelschreiber merke, dass wohl viel Zeit vergangen sein muss …

Die LehrerInnen-Familie.

Nora Schleich wuchs in Grafenschachen auf – als die ältere von zwei Schwestern, „gut behütet und dazu erzogen, höflich zu sein“, schmunzelt die 33-jährige Tochter und Enkelin aus einer großen LehrerInnen-Familie. Die große Revolte blieb aus, „ich bin kaum fortgegangen und hab lieber Sport gemacht; ich war eine Spätzünderin.“ Der Nachholbedarf wurde in Wien beim Studium – Lehramt Englisch und Französisch – gestillt, die Rückkehr fiel schwer. Doch das wichtige Probejahr sollte quasi in den Fußstapfen der Mama absolviert werden. Nora Schleich begann an der HBLA Oberwart zu unterrichten – und blieb der Schule bis heute treu. Ein Foto aus Kindertagen lässt schon früh eine weitere Passion erahnen: Mit einem Glasstoppel als Mikro macht sie ihre ersten Gehversuche als Moderatorin. Parallel zum Unterrichten absolviert sie die Medienakademie in Eisenstadt, ihr erstes Praktikum führt sie in die KURIER-Redaktion Oberwart. „Das Schreiben habe ich immer geliebt; das Fernsehen hätte ich mir zuvor nie zugetraut“, schildert sie. Die Verantwortlichen beim Burgenländischen Kabelfernsehen (BKF; heute Schau TV) hingegen schon. Sie holten Nora Schleich, damals erst Anfang 20, prompt ins Studio. „Ich bekam eine eigene Jugendsendung“, erzählt sie. „Es war unglaublich: Gleich die Probeaufnahme von ,Noras Welt‘ ging sofort auf Sendung!“ Ihre Geschichten – etwa Bandporträts und Reisereportagen, das Redaktions- und Kamerateam waren ihr sofort ans Herz gewachsen. „Das war keine Arbeit, das war reiner Spaß! Heute, als Mama, hat sich das geändert: Ich arbeite nach wie vor sehr gerne, aber es ist mir auch bewusst, dass ich arbeite, um Geld zu verdienen“, erklärt sie. Nach „Noras Welt“ machte sie beim heimischen Fernsehsender auch Nachrichten, Society, Ortsreportagen sowie ein Kinomagazin.

 

Nora Schleich privat

Das Leben im Umbruch.

Als ihr geliebter Opa stirbt, vermacht er ihr sein Haus direkt neben den Eltern in Grafenschachen. Sie und ihr Mark, selbst auch Lehrer, sind erst seit Kurzem ein Paar; ihre Beziehung hat von Beginn an eine besondere Tiefe. „Wir zwei?! Da gab es einfach keinen Weg daran vorbei“, beschreibt sie. Gemeinsam renovieren sie das alte Haus, reißen Wände um, hüten achtsam einzelne Möbelstücke. Als Nora Schleich Veränderungen an ihrem Körper wahrnimmt, eilen die beiden ins Spital. Ihre Oma hatte Brustkrebs, ihre Mama Eierstockkrebs. Strahlend, wenn auch überrascht, dürfen sie das Krankenhaus verlassen und wenige Monate später Sohnemann Viktor – er bekommt Großvaters Namen – in die Arme schließen.

Nur kurze Zeit darauf verliert die frischgebackene Oma, Noras Mama, ihren Kampf gegen den Krebs. „Ich wünschte heute so oft, ich könnte sie um Rat fragen, wenn beispielsweise die Kinder krank sind. Diese Zeit, ihren Tod, habe ich bis heute nicht verarbeitet“, gibt sie zu und bremst sich selbst sofort ein: „Viele müssen mit schlimmen Verlusten leben“. Noch im selben Sommer kommt Charlotte, Marks neunjährige Tochter aus Berlin, zu ihnen ins Südburgenland. „So ehrlich muss man sein: Eine Patchwork-Familie ist eine besondere Herausforderung“, erklärt Nora Schleich. „Aber: Meine Kinder haben heute eine große Schwester; Charlotte ist eine Bereicherung für unsere Familie!“

Friedlicher Alltag will aber im Hause Schleich-Wagner einfach nicht einkehren. Kaum sind die letzten Fliesen gelegt, die letzten Wände gestrichen, löst vermutlich ein technischer Defekt ein Feuer am Dach aus. Das ganze Obergeschoß muss abgetragen werden, unten entsteht Wasserschaden. „Manche im Dorf haben uns mit Tränen in den Augen gefragt, wie es uns geht“, erinnert sich Nora Schleich. „Gut, haben wir dann gesagt. Wir waren einfach dankbar, dass uns nichts passiert ist.“ Knapp ein Dreivierteljahr lebt die Familie zur Überbrückung bei Noras Vater, um alles erneut zu renovieren.

Mütterliche Akrobatik.

„Keine Highlights mehr“, wurde zur schwarzhumorigen Devise. Eleonore sah das anders und bescherte der Familie mit ihrer Geburt im Sommer 2015 allerdings einen strahlenden Höhepunkt.

Das Mama-, Moderatorin- und Lehrerindasein bringt freilich ganz schön viele Akrobatikbälle ins Spiel, mit denen die Südburgenländerin aber zu jonglieren gelernt hat. „Ich bin nicht die taffe Karrierefrau, für die nur der Job zählt; mir ist die Zeit mit meinen Kindern sehr wichtig. Gleichzeitig will ich auch nicht meine Ziele und Wünsche aufgeben.“ So findet sie nichts dabei, auch mal an Wochenenden zu arbeiten, sei es doch da am einfachsten, die Kids gut durch den Papa betreut zu wissen. „Ich brauche keinen Sonntag, aber ich brauche jede Woche einen Tag mit meiner Familie.“