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People | 04.04.2017

Frauenpower im Arbeitsleben

3 Unternehmen – 24 Frauen: geballte Frauenkraft in burgenländischen Unternehmen. Wir sprachen mit reinen Frauenbetrieben über den Weg in die Selbstständigkeit und das Zusammenarbeiten mit dem weiblichen Geschlecht.


Zahnarztpraxis Dr. Barbara Karner

Mannersdorf

Helga Schermann, Margarethe Rath, Kerstin Holnthoner, Barbara Karner, Christine Fazekas, Maria Tiefenthaller, Pauline Kalkbrenner (v. l.)

 

Empathisch, einfühlsam und verständnisvoll – diese Attribute gehören zum Job der Zahnärztlichen Assistentin dazu. Vielleicht ist dieser Beruf deswegen vorwiegend weiblich besetzt. Auch Barbara Karner bestätigt dies: „Auf 100 Auszubildende kommt vielleicht ein Bursch. Auch das Zahnmedizin-Studium ist frauendominiert.“ Wie kommt es dann, dass die meisten Zahnärzte im Land männlich sind? Es ist wie in so vielen anderen Branchen auch. Beim Studium überwiegt das weibliche Geschlecht, jedoch im Beruf sind Frauen dann unterrepräsentiert. „Das Rollenbild ist halt nach wie vor veraltet. Ich sehe es oft bei Kolleginnen mit Kindern. Die sind dann meist unselbstständig teilzeitbeschäftigt. Wenn es da kein Netzwerk zu Hause gibt, ist es nach wie vor leider wahnsinnig schwierig.“

Landkind in der Stadt

Karner konnte sich zum Glück auf ihr Netz-werk verlassen. Sie ließ sich als Zahnärztliche Assistentin ausbilden und kam dadurch auf den Geschmack, wollte mehr. Mit 20 wurde sie Mutter und sechs Jahre später absolvierte sie im zweiten Bildungsweg ihr Studium. Danach begann sie an der Uni-Zahnklinik zu arbeiten, wo sie bis heute tätig ist. Doch nicht nur das. Seit über einem Jahr führt sie in Mannersdorf/Rabnitz ihre eigene Zahnarztpraxis sowie auch eine Privatordination in Wien. „Eigentlich wollte ich nie nach Wien. Ich liebe das Burgenland. Als Landkind hat mich die Stadt nie gereizt“, erzählt die gebürtige Oberpullendorferin. Deswegen verbringt sie auch ihre gesamte Freizeit im Burgenland.

Frauenalltag

Die Praxis in Mannersdorf hat Karner von ihrem Vorgänger übernommen. Beim großen Umbau ist jedoch kein Stein auf dem anderen geblieben – außer beim Personal, das hat sie übernommen. Nun ist es ein 7-Frauen-Betrieb, in dem das Miteinander eine große Rolle spielt. „Frauen sind offener mit ihrem Gefühlsleben, das macht es manchmal nicht so einfach. Es steckt auch ein bisschen psychologische Arbeit dahinter. Wir machen oft Teamgespräche nach oder vor der Arbeit, weil viele Dinge zwischendurch nicht besprochen werden können. Mir ist Offenheit sehr wichtig und dass es allen gut geht. Ich mag es nicht, wenn etwas im Verborgenen brodelt.“ Die Zusammenarbeit mit Frauen ist für die Zahnärztin etwas Besonderes: „Frauen sind viel lösungsorientierter und flexibler als Männer.“ Und der Nachwuchs steht auch schon in den Startlöchern. Der Sohn der 42-Jährigen studiert ebenfalls Medizin.

"Frauen sind lösungsorientierter und flexibler als Männer."

Barbara Karner, Zahnärztin

 


Heinzelfrauen

Mattersburg

Das Stammpersonal der Heinzelfrauen: Astrid Faber, GF Doris Sebesta, Petra Rosner, Rosa Schäffer, Eva Hombauer, Sozialpädagogin Ulrike Zika (v. l.).

 

Das Team der Heinzelfrauen rund um Doris Sebesta hilft langzeitarbeitslosen Frauen dabei, wieder in den regulären Arbeitsmarkt einzusteigen. Und das wiederum kommt berufstätigen Frauen, die im wahrsten Sinne des Wortes mit Karriere, Heim und Familie alle Hände voll zu tun haben, zugute. Denn viele von ihnen wissen es zu schätzen, wenn die fleißigen Heinzelfrauen durch die Wohnung oder das Haus flitzen und den gesamten Haushalt auf Vorderfrau bringen.

Arbeit, Psychologie und Weiterbildung

Neben den sechs weiblichen Schlüsselkräften im Büro, also dem Stammpersonal, gilt es 13 Transitarbeitsplätze weiblich zu besetzen. Die Arbeitskräfte dafür werden dem sozialökonomischen Betrieb vom AMS zugewiesen. Das sind in der Regel Frauen, die entweder lange arbeitslos sind oder wieder in das Berufsleben einsteigen wollen, aber auch ältere Arbeitnehmerinnen, denen nur noch wenige Monate auf die Pension fehlen. Gearbeitet wird hauptsächlich im Reinigungsbereich (alltägliche Hausarbeiten, Bügeln der Wäsche). Doch Frauen finden bei den Heinzelfrauen nicht nur Arbeit, sondern auch psychologische Betreuung, Weiterbildungskurse und ein Netzwerk, das sie auffängt, wenn sie fallen. Nach maximal einem Jahr sollten sie den Übertritt ins reguläre Arbeitsleben geschafft haben.

Zuerst belächelt

Geschäftsführerin Doris Sebesta war bereits beim Aufbau des Projekts mit dabei. Sie erinnert sich noch gut: „Als wir vor 20 Jahren gestartet haben, wurde das Projekt anfangs belächelt. Da hat sich sehr viel geändert. Weil wir den Frauen auch einen Selbstwert mitgeben. Denn jede Arbeit ist wichtig.“ Auch das alte Rollenbild der Hausfrau, die vom Einkommen des Mannes lebt, muss manchmal erst aufgebrochen werden. „Früher sind viele davon ausgegangen, sie haben einen Ehemann, sie sind finanziell abgesichert. Heute sind viele geschieden, alleinerziehend und merken, dass es gut ist, sich finanziell auf eigene Beine zu stellen.“ Obwohl Sebesta es mit vielen harten Schicksalsschlägen zu tun hat, macht die 45-Jährige ihren Job mit Leidenschaft: „Das Schönste ist, wenn eine der Frauen einen Job bekommt und strahlend aus der Tür geht, sich bedankt und sagt, dass sie uns immer wieder gerne besuchen kommt. Dann weiß ich, dass sich unsere Arbeit auszahlt.“ Seit 1997 waren bereits über 600 Frauen bei den Heinzelfrauen tätig, heuer feiert der Betrieb 20-jähriges Jubiläum.

„Es gibt im Leben für alles einen Grund. Und immer einen Weg, etwas Positives daraus zu ziehen.“

GF Doris Sebesta über Schicksalsschläge


Schneiderei Sifkovits

Rudersdorf

Hinten: Elisabeth Weinhofer, Christine Gorditsch, Andrea Urschler, Andrea Sifkovits, Tina Korpitsch, Diana Sodl (v. l.).
Vorne: Margarete Krainer, Romana Diezl, Saskia Dokter, Josefa Krenn – nicht am Bild: Mihaela-Mirela Stallmajer (v. l.)

 

Sie bildet die einzigen Schneiderlehrlinge im Burgenland aus: Andrea Sifkovits aus Rudersdorf. In den letzten 18 Jahren hat die Schneiderei Sifkovits ein unglaubliches Wachstum hingelegt. Was 1999 mit zwei Angestellten und 60 m2 Fläche im südoststeirischen Unterlamm begann, ist heute ein 340-m2-Betrieb mit zehnMitarbeiterinnen im südburgenländischen Rudersdorf. Die Inhaberin hat die Schneiderei zu ihrem Lebensinhalt gemacht. Eine 60- bis 70-Stunden-Woche ist für Andrea Sifkovits keine Ausnahme, sondern eher die Regel. „Ich bin verheiratet, habe aber keine Kinder. Mir fehlt aber nichts, ich bin ausgelastet.“

Kaum Nähmaschinen zu Hause

Schon als Kind nähte sie gerne, danach hat die heute 48-Jährige vor ihrer Selbstständigkeit in großen Betrieben in ganz Österreich gearbeitet. Zwei von ihren zehn Angestellten sind Lehrlinge. Die Nachfrage nach Maßschneiderei schätzt Sifkovits höher ein als noch vor 20 Jahren, da kaum jemand mehr selbst nähen oder schneidern kann. Woran das liegt? „Es gibt kaum noch Nähmaschinen in privaten Haushalten. In der Schule wird hauptsächlich gebastelt, das Handarbeiten tritt leider immer mehr in den Hintergrund. Daher kommen die meisten Jugendlichen gar nicht mehr auf die Idee, dass es diesen Beruf gibt. Erst in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass das Interesse der Jugendlichen wieder größer wird.“ Seit es die Lehre mit Matura gibt, hat auch das Schneiderwesen wieder einen höheren Stellenwert inne.

Trend: 60er- und 70er-Jahre

Wer gerne kreativ ist und mit verschiedenen Materialien arbeitet, ist in dieser Branche deshalb gut aufgehoben – trotzdem erfordert der Beruf Geduld. „Ein Friseur hat gleich mal eine Frisur gemacht, eine Köchin gleich mal was gekocht – in der Schneiderei dauert es halt etwas länger, bis man ein Ergebnis sieht. Aber wenn man es einmal kann, dann kann man seine Kreativität voll ausleben. Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf.“ Auch bei Maßarbeiten geht man mit der Mode. Was heuer im Trend liegt, verrät uns die Schneidermeisterin ebenfalls: „Geradlinige, schlichte Schnitte und bunte Stoffe. Aber auch der 60er-/70er-Jahre-Stil kommt jetzt wieder stark.“ Doch das Hauptgeschäft von Sifkovits liegt im Bereich Vereinsbekleidung und historische Uniformen.

"Groder Michl"

Als Frau setzt die Chefin andere Prioritäten, als es ihre männlichen Pendants oft tun: „Mir ist die Nähe zum Kunden äußerst wichtig. Das ganze Geld, das ich verdiene, fließt wieder in die Firma. Ein teures Dienstauto oder andere Statussymbole sind mir nicht wichtig, da investiere ich lieber in Neuerungen in der Firma.“ Zickenkrieg kennt Sifkovits nicht: „Ich bin ein ‚groder Michl‘ und sage, wenn mir etwas nicht passt. In einer Führungsposition muss man Dinge einfach ansprechen. Kritik muss konstruktiv sein und darf nicht immer persönlich genommen werden.“ Deshalb planen die elf Frauen auch oft außerhalb der Arbeit gemeinsame Aktivitäten, die sie als Team zusammenschweißen.

"Der Stoff ist ein lebendes Elixier."

Andrea Sifkovits, Bekleidungsgestalterin