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People | 11.09.2017

YouTuber Michael Buchinger

Er hasst Rücksichtslosigkeit, liebt die Golden Girls und möchte ein Angebot für Dancing Stars, nur um es dann abzulehnen. Wir sprachen mit YouTube-„Urgestein“ Michael Buchinger über sein Leben, seine Karriere und sein neues Buch.

Er stammt aus Müllendorf im Burgenland und seine Kindheit wurde geprägt von einer übervorsichtigen Mama, die er über alles liebt, jedoch ständig belügt – und von der Tatsache, ein Außenseiter gewesen zu sein.

Heute hat er rund 150.000 YouTube-Abonnenten und eine Community, die ihn als Star feiert. Rund 65 Prozent seiner Follower sind Deutsche, 35 Österreicher – 80 Prozent sind weiblich.

Michael „Michi“ Buchinger ist 24 und zählt damit schon zu den „Urgesteinen“ in der professionellen YouTube-Szene. Als er vor acht Jahren damit begonnen hat, Videos von sich auf das Online-Portal zu stellen, tat das kaum jemand (zumal es YouTube ja überhaupt erst seit zwölf Jahren gibt). Heute macht er es ein bis drei Mal in der Woche und verdient damit seinen Lebensunterhalt – vor allem durch Werbekooperationen und Produktplatzierungen. Auch durch Kooperationen mit Print-Magazinen und Fernsehstationen peppt er sein YouTuber-Dasein auf.

 

Legendäre Hass-Liste

Mit seiner ersten Buchveröffentlichung geht er nun einen Schritt weiter: „Ich hab schon immer gerne Geschichten geschrieben, in meiner Kindheit waren die halt langweilig, weil sie davon handelten, dass ich mit meiner Mama im Supermarkt Joghurt gekauft habe. Jetzt sind die schon um einiges spannender. Das Schreiben ist eine gute Abwechslung zu diesem YouTube-Ding. Man muss nicht immer sein Gesicht zeigen.“ Dabei wurde dieses Gesicht schon in unzähligen Videos auf seinem YouTube-Kanal bewundert und geklickt. Das preisgekrönte Format „Michaels Hass-Liste“ (enthält jene Dinge, die ihm zuletzt am meisten auf den Geist gingen; er erhielt dafür 2015 den Deutschen Werbevideopreis in der Kategorie Lifestyle) ist bereits legendär und entstand als Gegenstück zu den unzähligen Favoriten-des-Monats-Videos diverser Lifestyle-Blogger.

Seinen Ausflug in die Schauspielerei im Film „Das kleine Vergnügen“, Schauplatz ist unter anderem auch Eisenstadt, nennt Michi „interessant, aber nicht weiter zu verfolgen“ (was wir jedoch zum Trotz tun werden!). Früher verfolgte er gerne jede Serie der „Golden Girls“ und schlich sich dafür nachts ins Wohnzimmer zum Fernseher. Sein Kindheitstraum war jedoch schon immer, ein Buch zu schreiben. Das hat er nun getan: „Der Letzte macht den Mund zu“ wird, wie seine Videos, gerne in die Kategorie „Humor“ gesteckt.

 

YouTube-„Urgestein“ Michael Buchinger

Selektive Ehrlichkeit

Michi schreibt im Buch über Geschichten aus seinem Leben, die vor lingualer Kreativität und Selbstironie nur so triefen. Auch sein Blog liest sich wie geschmiert mit einer Extraportion Sarkasmus und herrlich erfrischender Eloquenz – als Leser findet man sich oft darin wieder, was wir auch im persönlichen Gespräch bemerken: „Ich lüge gerne und viel. Am liebsten belüge ich meine Mutter. Der Grund ist einfach, weil ich will, dass sich die Leute gut fühlen. Meine Mutter wäre sehr verängstigt, wenn ich ihr sagen würde, dass ich sieben Stunden mit meinem Freund einen Roadtrip mit dem Auto nach Kroatien mache. Also sage ich ihr, dass wir mit dem Zug fahren. Wenn wir im Auto sitzen und sie ruft an, zwinge ich meinen Freund, mich mit verstellter Stimme nach meiner Fahrkarte zu fragen.“ In seinem Buch widmet er ein ganzes Kapitel seiner Vorliebe für „selektive Ehrlichkeit“.

 

„Der Fluch des YouTubers ist, bei allem nur daran zu denken, wie du daraus ein Video machst.“, Michael Buchinger

 

Outing am Land

Es gibt aber auch ein Thema, dessen Aufmerksamkeitspotenzial Michis Meinung nach erschöpft sein sollte: „Ich bin genauso gern schwul, wie ich rechtshändig bin. Ja, klar, manchmal nervt es mich, wenn ich wiedermal ein Klischee erfülle, aber früher hat mich das mehr gestört. Jetzt ist es mir egal, ich stehe zu dem, was ich bin.“

Genauso unaufgeregt sieht Michi das Thema Outing. „Ich war 15. Und ich habe mich nur ein Mal in meinem Leben geoutet, meiner Mutter gegenüber. Das war auch notwendig, denn ich komme aus einer ländlichen Region, in der die Leute maximal mit Homosexualität konfrontiert werden, wenn sie beim Durchzappen im TV zufällig bei ‚Shopping Queen‘ hängen bleiben und sehen, wie Guido Maria Kretschmer wieder irgendetwas Gemeines sagt. Als Teil einer großen Familie, in der sich Neuigkeiten schneller verbreiten als auf Twitter, hatten sich weitere Outings schnell erübrigt.“

Und genau diese Familie und diese ländliche Region sind es heute, die der 24-Jährige zu schätzen weiß. „Ich bin immer wieder gerne im Burgenland, vor allem am See, in Rust oder Mörbisch. Und in Eisenstadt in der Fußgängerzone oder im Einkaufszentrum. In Wien sind so viele Leute, hier im Burgenland ist alles ruhiger, mehr Natur, mehr Weite. Ich glaub, ich wär ein besserer Mensch, wenn ich im Burgenland leben würde. Aber ich hätte weniger Stoff für meine Hass-Liste.“

Ansonsten trifft man den YouTuber in Alt-Wiener-Cafés oder im Fitnessstudio am Laufband. Beim Tanzen eher nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden: „Ich würde gerne für die 20. Staffel von Dancing Stars angefragt werden. Ich würde natürlich ablehnen, aber ich möchte gefragt werden. Auf der anderen Seite … ich bin überhaupt kein Tänzer, vielleicht könnte ich dort was lernen.“