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People | 24.02.2021

Nie nur eins

Vielseitigkeit ist sein zweiter Vorname: Mundart-Pop-Musiker, Tontechniker bei Stermann & Grissemann und Handwerker. Wir sprachen mit Christian De Lellis über seine Musik, seine Leidenschaft, Trennungsschmerz und warum er im Garten die Regentonne besteigt.

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Diese Haare, diese Brille – „Alpen-John Lennon“ wird Christian De Lellis oft genannt. Andererseits trifft der Name auch aufgrund seiner Texte und Stimme zu.

Er liebt das Adrenalin bevor und während er auf der Bühne steht. Das erste Mal, als er sich so richtig auf „die Hinterbeine“ gestellt hat, war, als sein Vater ihm mit 15 sagte, wenn er so weitermache (spätnachts von Gigs nach Hause kommen, und das nicht immer nüchtern), müsse er mit der Musik aufhören. „‚Das lasse ich mir von dir nicht sagen!‘, habe ich ihm entgegnet“, erinnert sich Christian De Lellis und lacht dabei schelmisch. „Insgeheim waren meine Eltern eh immer stolz darauf, dass ich den künstlerischen Weg eingeschlagen habe. Meinem Vater hat es getaugt, auch wenn er es nicht immer offen gezeigt hat.“ Als Bassist in diversen Bandformationen (darunter viele Jahre bei KIXX) setzte er jedoch seiner Karriere mit der Solo-Schiene ab 2010 die Krone auf. Von da an machte er als Halbitaliener (sein Vater stammt aus Kampanien, seine Mutter aus dem Südburgenland) Mundart-Pop von der feinsinnigen Sorte.


„Bettel’ nicht dauernd!"

Das zweite Album von Christian De Lellis, „La Dolce Vita“, drückt im Sinne von nomen est omen genau das aus. Den Facettenreichtum des Lebens besingt der gebürtige Pinkafelder – das lockere, leichte Leben, das aber auch manchmal dunkle Wolken am Horizont erblicken lässt. In seinem neuesten Video zum Song „Garten Eden“ thematisiert De Lellis die Konversation zwischen Menschen und einer höheren Macht. „Es geht speziell darum, dass der Mensch sich ständig etwas erwartet, aber Gott sagt: ‚Du hast eh schon alles, also bettel’ nicht dauernd. Gib dich mit dem zufrieden, was du hast.‘“ Als Dragqueen geschminkt möchte der Musiker zeigen, dass jeder zwei Geschlechter in sich vereint. „Der Mensch ist alles in einem – und wir sollten selbst entscheiden können, was wir sein wollen. Aber diese Differenzierung sollte nicht so streng erfolgen. Es geht um Akzeptanz, nicht um Aggressivität.“

 



In „Garten Eden“ geht es um die Konversation zwischen Mensch und einer höheren Macht. Das neue Video dazu gibt es auf youtube.com/delellismusic

Eigens für das Video verwandelte sich der Musiker in eine Dragqueen: „Wir alle vereinen beide Geschlechter in uns.“

 



Mit Stermann & Grissemann on tour

Neben seiner Musik steht er für andere Musiker im Tonstudio. Doch nicht nur das: Als Tontechniker und Tourneebegleiter ist Christian seit mittlerweile 15 Jahren in Nicht-Corona-Zeiten rund 150 Tage im Jahr mit dem Satiriker-Duo Dirk Stermann & Christoph Grissemann bei deren Live-Touren unterwegs. In all den Jahren haben die drei viel mitei­nander erlebt. Und nach einem besonderen Erlebnis gefragt, weiß De Lellis gar nicht, wo er anfangen soll. „Vieles davon sollte auch nicht in einem seriösen Magazin gedruckt werden“, lacht der 47-Jährige. Menschlich seien ihm die beiden TV-Stars sehr ans Herz gewachsen. Und er hofft auf noch viele folgende Jahre, in denen Live-Auftritte wieder möglich sein werden.

 

 



On tour mit Stermann & Grissemann. Als Tourneebegleiter ist De Lellis seit 15 Jahren eng mit dem Duo befreundet.


Gefragter Handwerker

Im außergewöhnlichen Jahr 2020 hat der Musiker die Zeit genutzt, um sich seiner zweiten Leidenschaft hinzugeben: dem Handwerk. Als gelernter Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur möchte er ein Statement setzen. Nicht nur als junger Geselle war er in allen Bundesländern ein gefragter Mann. „Die Burgenländer waren überall besonders beliebt und für ihren Fleiß und ihr Talent bekannt. Die Nachfrage nach guten Handwerkern ist immens, es besteht ein großer Mangel, Arbeit gibt es zuhauf.“ Und deshalb strebt De Lellis 2021 die Meisterprüfung an, um sich später selbstständig machen zu können. Warum ihm das Handwerk besonders am Herzen liegt, erklärt er so: „Als Handwerker kommst du zu Kunden nach Hause, reparierst etwas, nach drei Stunden gehst du wieder hinaus und lässt absolut glückliche Menschen zurück, hast ein super Gefühl und wirst auch noch gut dafür bezahlt. Das hast du sonst in fast keinem Beruf. Dieses Unmittelbare und der sinnvolle Nutzen eines Handwerks sollten den jungen Menschen, die vor der Berufswahl stehen, wieder mehr vermittelt werden. Wegen uns können Menschen wieder essenzielle Dinge machen wie zum Beispiel duschen, ihre Spüle benutzen oder aufs Klo gehen.“


Trennungen & die Regentonne

Nicht zu reparieren war die Ex-Beziehung des Musikers. Seine 6-jährige Tochter lebt bei ihrer Mutter in Deutschland. Seit drei Jahren ist das Elternpaar getrennt, De Lellis sieht seine Tochter sieben Wochen im Jahr – und das dann sehr intensiv. „Ich vermisse sie irrsinnig. Ich darf nicht daran denken, sonst tut es weh. Wir hatten so ein starkes Naheverhältnis. Wenn du den Alltag deines Kindes nicht mehr miterleben kannst, ist das schlimm. Aber ich muss es akzeptieren.“Eine der Techniken, durch die Christian gelernt hat, mit schwierigen Situationen im Leben umzugehen, ist das Kaltwasserbaden. Mit den Atemtechniken von „Iceman“ Wim Hof hat er sich antrainiert, fokussierter zu sein. „Du entleerst deine Lungen mit einer speziellen Atmung komplett von Luft, wenn dein Körper sich dann wieder mit Sauerstoff füllt, fühlt es sich an, als wenn du high wärst. Das ist wie Meditation. Dadurch trainierst du deine mentale Stärke.“ Seit er das praktiziert, sei ihm nie wieder kalt gewesen. „Ich kann im Winter im T-Shirt und ohne Socken auf der eiskalten Terrasse eine halbe Stunde stehen und mir wird nicht kalt. Und ich werde auch nicht krank.“ In eiskaltem Wasser baden gehört auch zu diesen Techniken. Dafür hat er eigens in Pinkafeld in seinem elterlichen Garten eine blaue Regentonne stehen. „Im Winter breche ich das Eis auf und steige rein. Die Mutter schämt sich immer. ‚Mach das hier nicht schon wieder – wenn dich die Nachbarn sehen!‘“, erzählt Christian mit einem schallenden Lachen. „Wenn du ins eiskalte Wasser steigst, brennt es am Anfang, aber du kannst dir sagen, du hältst das aus, und du hältst es aus. Dann steigt ein Gefühl von Wärme in dir auf. Das ist extrem spannend, weil es auf alle Lebenslagen umsetzbar ist.“ Spannend war für ihn auch, dass er sich nach jeder Trennung stark weiterentwickelt hat. „Ja, Trennungen sind beschissen, aber das, was danach kam, war immer gut. In der Selbstfindungsphase habe ich für mich selber Felder aufgemacht, die ich zuvor nicht kannte.“ Und wir sind gespannt, welche Felder und Tore der Musiker in Zukunft noch öffnen wird, in petto hat er einiges.


www.youtube.com/delellismusic

www.delellis.at

 

Fotos Vanessa Hartmann, Daniel Schaler, Udo Leitner Make-up (Dragqueen) Kim Roznyak


Wordrap

mit Christian DeLellis

Sex, Drugs oder Rock ’n’ Roll – du musst dich für eines entscheiden!

Rock ’n’ Roll – alles andere kommt dadurch von alleine.

Worüber kannst du dich maßlos ärgern?

Wenn von mir Pünktlichkeit erwartet wird.

Wie stellst du dir die Welt deiner Enkel vor?

Automatisiert, aber gut.

Wie tanzt du?

Paartanz schlecht, alleine geil.

Welchen klugen Rat über Frauen würdest du deinem jüngeren Ich geben?

Bemühe dich nicht, sie zu verstehen. Bemühe dich, sie bedingungslos zu lieben.