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People | 20.04.2021

In zwei Welten zu Hause

Ganz schön viel Leben für 21 Jahre: Samara Sánchez Pöll ist Küchenchefin im „FreuRaum“, engagiert sich für ein Hilfsprojekt in Mexiko, studiert und macht Musik.

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© Shutterstock

Bohnensterz-Bowl mit Gurkensalat. Das ist ein Gericht, in dem sich viel Samara Sánchez Pöll widerspiegelt. Das ist fresh und regional, das ist vegetarisch und ein kultureller Mix. 21 Jahre jung ist die Küchenchefin im Eisenstädter „FreuRaum“, doch in diesen zwei Jahrzehnten steckt überdurchschnittlich viel Leben. Geboren wurde sie in San Cristóbal de las Casas als Tochter einer Burgenländerin und eines Mexikaners; ihre Mama hatte sich als Studentin während einer Reise in das Land und ihren Papa verliebt.  Sie wuchs nicht nur zweisprachig auf, ihre Eltern achteten darauf, ihr das Pendeln zwischen den Welten so weit zu ermöglichen, dass sie sich in beiden zu Hause fühlte. Davon zeugt ihre traumhaft farbenprächtige Bluse beim Interview nicht allein. Seit ihrer Erstkommunion engagiert sie sich für ein Hilfsprojekt für die indigene Bevölkerung in ihrer Heimat, das ihre Eltern ins Leben gerufen hatten. „Wir Erstkommunionskinder haben damals mexikanische Armbänder vor der Kirche verkauft – und konnten damit die Toiletten für eine Schule in San Cristóbal finanzieren“, erzählt Samara. Bei einer anderen Aktion wurden für die Familien Lebensmittelpakete gekauft. Im vergangenen Winter organisierte die junge Küchenchefin im „FreuRaum“ einen Benefizbrunch. 1.000 Euro kamen zusammen; als Samara über Silvester zu ihrem Papa, ihrer dortigen Familie und Freund*innen flog, konnte sie vor Ort zig Pyjamas und Decken für die teilweise seit den politischen Unruhen in den 1990ern in Bergdörfern lebende Bevölkerung kaufen. „Viele leben dort auf mehr als 2.000 Metern Höhe in Hütten mit Erdboden; die Nächte sind sehr kalt, es friert auch“, beschreibt sie. „Es war unglaublich schön zu sehen, wie sehr sich Kinder über Pyjamas freuen, wie dankbar sie sind.“


Samara Sánchez Pöll
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"Wenn man etwas ändern will: anfangen, mutig sein, ausprobieren und positiv bleiben.", Samara Sánchez Pöll

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Freude zum Jahreswechsel. Samara kaufte den Menschen in ihrer zweiten Heimat Decken mit Spendengeldern.

Vegan

Samara verbrachte ihre ersten Lebensjahre in San Cristóbal, die ersten beiden Volksschulklassen besuchte sie in Oslip. Die Fortsetzung in Mexiko vereitelte die Schweinegrippe. „Ich kenne das: mit Masken unterwegs sein, geschlossene Schulen. Als ein Mädchen starb, nahmen mich meine Eltern aus der Schule“, erinnert sie sich. Schließlich zieht ihre Mutter mit ihr nach Oslip. Sie besucht zunächst die Musikmittelschule Rosental, später das Pannoneum in Neusiedl am See. Mit zwölf beschließt sie, auf Fleisch zu verzichten. „Ich habe realisiert, dass wenn ich das Tier nicht essen würde, es noch leben könnte; das habe ich nicht für notwendig gehalten“, erklärt sie. Heute lebt die 21-Jährige vegan.Für die Gastronomie pocht ihr Herz seit der Jugend. „Meine halbe Familie hat in der Cselley Mühle gearbeitet, ich bin dort groß geworden.“ Als sie nach ihrem Schulabschluss überlegt, sich mit einem eigenen Lokal selbstständig zu machen, entdeckt sie die freie Stelle bei „FreuRaum“ – und sie bekommt sie. Im vergangenen Sommer, nach nur einem Jahr, kommt Obfrau Anja Haider-Wallner auf sie zu und bietet ihr die Position der Küchenchefin an. „Ich hab’ mich unglaublich gefreut.“ Zugegeben, mit etwas Herzklopfen habe sie die ersten Menüpläne erstellt, sich aber schnell im verantwortungsvollen Job eingelebt. Das Prozedere erklärt sie so: „Ich bekomme wöchentlich die Info, was in der Region gerade erhältlich bzw. erntefrisch ist, und erstelle daraus den Plan für die Woche. Wir kochen vegetarisch, oft auch vegan und teilweise glutenfrei. Es macht viel Spaß, immer wieder Neues auszuprobieren – und ich freue mich, wenn es sofort klappt“, lacht sie. Experimente wie Reisflockenlaberl oder eben die eingangs erwähnte Bohnensterz-Bowl stehen bei ihr an der Tagesordnung. Gutes Zeitmanagement ist auch nach Dienstschluss gefragt: Sie studiert auf einer Fernuni Tourismusmanagement, sie ist glücklich liiert, engagiert sich bei der Grünen Jugend und singt und spielt Gitarre leidenschaftlich gerne. Ihr Credo: „Nicht ärgern, sondern Dinge, die nicht zu ändern sind, akzeptieren“, sagt Samara Sánchez Pöll. „Wenn man etwas ändern will: anfangen, mutig sein, ausprobieren und positiv bleiben.“