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People | 24.04.2021

Zwei Stile vereint in einem Label

Jennifer Windisch und Sophie Hutterer verwirklichen mit „Ebenbild by Anma“ ihren Traum: Sie designen und nähen Dessous und Loungewear aus ressourcenschonenden Materialien.

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Zauberhaft und zielstrebig. Die Modedesignerinnen und Label-Gründerinnen Jennifer Windisch und Sophie Hutterer, beide 26 © Maximilian Salzer/www.maximiliansalzer.com, Michael Vorstandlechner

Vorarlberger Spitze würde man kaum unter der Adresse einer Spenglerei vermuten. Doch eben das und andere feine Stoffe findet man im Dachgeschoß des Familienunternehmens in der Wiener Pezzlgasse, wo sich Tochter Sophie Hutterer mit Geschäftspartnerin Jennifer Windisch einmietete. Ebendort werden wir von den beiden erwartet, die erst vor wenigen Monaten ihr Label „Ebenbild by Anma“ aus der Taufe hoben. Sie designen und nähen Dessous und Loungewear; ihr Stil vereint Jennys Sympathie für nordische, schlichte Eleganz und Sophies Liebe für verspielte Details.
Ästhetik ist aber längst nicht das einzige Kriterium, das ihnen am Herzen liegt; groß­geschrieben wird der Tragekomfort. „Wir gehen weg von Bügeln, haben breite Bündchen und verwenden bei einigen BH-Modellen statt Verschlüssen angenehm dehnbare Gummis“, zählt Jenny Windisch auf. Wichtig ist ihnen ebenso der Aspekt der Nachhaltigkeit: Die jungen Geschäftsfrauen beziehen ihr Material weitgehend aus Österreich, verwenden Restbestände oder recycelte Spitze sowie Bundgummis aus Naturkautschuk und jedes einzelne Stück wird in ihrer Werkstatt bzw. in jener ihrer Wiener Strickerin handgefertigt. Außerdem wollen sie die Menschheit animieren, die Vielfalt der Weiblichkeit zu feiern. Erst kürzlich fand das Shooting für ihre zweite Kollektion statt; wie schon beim ersten Mal – da stand Gründerin Jenny Windisch auch selbst vor der Kamera – engagierten die beiden auch diesmal bewusst keine „klassischen“ Models. „Wir wollen weg von vorherrschenden Idealen; wir sagen: Jede Frau ist schön, wie sie ist“, erklärt Jenny Windisch. „Je mehr sich das Auge an natürliche Bilder gewöhnt, desto glaubwürdiger wird das“, ergänzt Sophie Hutterer.


"Oft sitzen wir bis drei Uhr morgens an der Nähmaschine, aber es fällt uns gar nicht auf.", Jenny Windisch und Sophie Hutterer, Gründerinnen „Ebenbild by Anma“

 

Die Unterwäsche
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Es gibt kein alt

Auch nachhaltig: Modelle der ersten Kollektion bleiben bzw. wechseln temporär, die brandneue Linie beinhaltet etwa raffinierte Shorts aus Tencel und Leinen.

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Dass selbst Models nicht perfekt sind, weiß Jenny aus erster Hand. Die in Krensdorf aufgewachsene 26-Jährige hatte nach der Matura eine Ausbildung zur Make-up-Artistin in Deutschland absolviert, ehe sie entschied, in die Fußstapfen der Oma, einer gelernten Schneiderin, zu treten. Sie meldete sich am Modekolleg an der Wiener „Herbststraße“ an, dort lernte sie Sophie kennen. „Ich hab’ schon als Kind gern meine Kostüme selbst genäht“, erzählt die gebürtige Wienerin, ebenfalls 26. Die beiden absolvieren auch gemeinsam die Meisterklasse, arbeiten dann in Maßschneidereien. Dabei inhalieren sie nicht nur das Handwerk in all seinen Facetten, „wir haben erlebt, welchen besonderen Bezug die Kundinnen, manche schon über 70, zu ihrer Kleidung hatten“, schildert Jenny. „Sie haben sie über viele Jahre gepflegt und kamen, um sie ändern und reparieren zu lassen“, ergänzt Sophie. Seit gut fünf Jahren leben die beiden in einer WG, ihre Kleiderschränke bestücken sie bewusst: Gekauft wird vorrangig nachhaltig Produziertes bzw. in Secondhand-Läden.


Außerdem teilten Jenny und Sophie den Traum vom gemeinsamen Label. Zuvor wollten sie noch für eine längere Zeit nach London. Doch dann kam Corona. Sie verloren zum Großteil ihre sonstigen Einkünfte – Sophie arbeitete etwa als Ankleiderin in der Volksoper – und waren plötzlich viel daheim. „Wir hatten schon den Namen ,Ebenbild‘ und sogar das Logo“, sagt Jenny. „Plötzlich verselbstständigte sich die Idee“, lacht Sophie. Sie investieren jeden Cent, den sie hatten, renovieren mit Unterstützung ihrer Familien die Dachgeschoßräumlichkeiten, besorgen sich via Willhaben Möbel und arbeiten praktisch rund um die Uhr an ihrer ersten Kollektion. „Mitte September zogen wir ein und launchten unseren Online-Shop“, beschreibt Sophie stolz. „Zwei Tage später ging die erste Bestellung ein, wir haben uns so gefreut.“
Nun heißt es Daumendrücken: „Man sagt: In der Mode dauert es drei Jahre, bis man davon leben kann“, weiß Jenny. Bis dahin bedürfe es immer wieder zusätzlicher Jobs. „Um etwas aufzubauen, braucht es Durchhaltevermögen, aber wir wissen ja, wofür“, sagt Sophie. „Oft sitzen wir bis drei Uhr morgens an der Nähmaschine, aber es fällt uns gar nicht auf“, lacht Jenny.


www.ebenbild-by-anma.com

 

 

Fotos Maximilian Salzer/www.maximiliansalzer.com, Michael Vorstandlechner