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People | 07.05.2021

Organisation ist Trumpf

Beim Ultraschallbild stockte ihr kurz der Atem: Melanie Oliver wurde Drillingsmama. Wie die Familie das Leben mit dem Trio schupfte und warum sie zwölf Jahre später ein wenig wehmütig wird.

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You have your hands full. Das hörte Melanie Oliver meistens, wenn sie mit ihrem Trio unterwegs war. © privat

Spazieren gehen war ihr „Leo“ und ihr tägliches Highlight; dass sie mit ihren Babys rauskommt, bedurfte minutiöser Planung. „Erst kürzlich hat mir eine Freundin gesagt, dass ich beim Spazieren ganz schön unkommunikativ war“, lacht Melanie Oliver, die alles andere als eine unfreundliche Person ist. „Aber wenn du mit einem Drillingswagen unterwegs bist, bist du eine Sensation. Die meisten Leute sind sehr nett, aber wenn das meine einzige Zeit zum Durchatmen ist, kann ich nicht 20 Mal stehen bleiben und plaudern. Ich bin konzentriert marschiert.“ Die frohe Botschaft barg im Vorfeld nicht nur schöne Erfahrungen. „Um das Risiko zu minimieren, wurde uns angeboten, medizinisch zu reduzieren. Das war ein großer Schock“, sagt sie. Den Gedanken wischten sie und ihr Mann schnell vom Tisch, „wir waren mit praktischen Dingen befasst, wie: Wo werden die Kinder schlafen? Welches Auto ist geeignet?“

Begegnung auf Zypern.

Die Pöttschingerin und ihr Mann lernten einander während eines Urlaubs auf Zypern kennen. Sie studierte in Wien Geschichte und Pädagogik, bereitete bereits ihre Dissertation vor. „Das hat mich sehr interessiert: Ich habe mich mit Unterricht im Jugendstrafvollzug beschäftigt“, erzählt Melanie Oliver. Amor kümmerte das wenig, er zog alle Register: Nur wenige Monate später wanderte sie nach England aus, ein Jahr nach der ersten Begegnung heiratete das Paar. Für ihre Abschlussprüfung flog sie nach Wien; in England hängte sie noch eine weitere Ausbildung dran und begann später an der Middle School zu unterrichten. Mama wurde Melanie 2009, „nach einer ziemlich unproblematischen Schwangerschaft. Ich konnte relativ lang alles machen, was ich wollte. Ich hab’ damals sogar noch ein Pferd gehabt.“ Die Geburt selbst war surreal, sagt sie. „Da waren zwölf Ärzte im Kreißsaal, eine Drillingsgeburt wollten alle sehen.“ Grace wog 1,5 Kilogramm und kam zunächst auf die Baby-Intensivstation. Hannah und William konnten mit je zwei Kilo bei ihrer Mama bleiben. Drei Wochen war Melanie mit ihrem Trio im Spital, „ich wurde dort super unterstützt, aber ich hab’ versucht, so viel wie möglich selbst zu machen; ich wusste, dass ich auch daheim klarkommen muss“. Ihre Mama flog nach England, um ihr den Start ins neue Leben zu erleichtern, „aber meine Familie lebt nun einmal in Österreich“.

 

"Was wirklich zählt, ist, dass die Kinder wissen, dass sie geliebt werden.", Melanie Oliver, Drillingsmama


„Die ersten Monate erlebte ich wie in Trance“, schmunzelt sie. „Ich bin ein strukturierter und organisierter Mensch, das half.“ Füttern, Bäuerchen, Windeln wechseln – alle drei, vier Stunden wiederholte sich das dreifache Procedere. „Kaum war ich mit dem dritten Kind fertig, ging es wieder von vorne los.“ Daheim wurde alles kindersicher gemacht, überall, wo es notwendig war, wurden Gitter angebracht. „Wenn ich schnell aufs Klo musste, konnte ich ja nicht drei Kinder mitnehmen.“ Hilfreich war für sie besonders der Austausch mit Drillingsmüttern; sie gehörte quasi zu den Gründungsmitgliedern einer Facebook-Gruppe, die heute einige Hundert Mitglieder zählt. Als Grace, Hannah und William ein Jahr alt waren, unterstützte eine Tagesmutter die Familie; später kamen die Drillinge in die Krippe. „Ich bin nach einem Jahr arbeiten gegangen, aber ich musste schnell einsehen, dass ich mich entscheiden muss: entweder bin ich die Mutter, die ich sein will, oder die Lehrerin, die ich sein will.“ Sie wird – wie zu Beginn ihrer Laufbahn – Assistant Teacher. „Das hat gut gepasst; ich war daheim, wenn die Kinder von der Schule kamen.“
Im Bemühen, alles gut unter einen Hut zu kriegen, blieb vermutlich die Paarbeziehung etwas auf der Strecke, reflektiert Melanie heute. „Man macht sich zu viel Stress wegen der Kinder, aber was zählt, ist, dass sie gut versorgt sind und immer wissen, dass sie geliebt werden.“ Nach zwölf Jahren kommt es zur Trennung, „wir waren beide enttäuscht und verletzt, aber haben uns versprochen, dass wir uns um eine freundschaftliche Beziehung bemühen. Wir haben viel geredet und ich bin dankbar, dass das heute gut klappt. Ich habe einen neuen Partner und wir können alle gemeinsam beim Christmas Dinner sitzen und plaudern.“


Ein Herzenstipp an werdende Mütter? „Man kann sich Ratschläge einholen, aber letztendlich hört man am besten aufs Bauchgefühl. Man darf sich weder von anderen Leuten oder Medien, noch von den eigenen Kindern verrückt machen lassen“, sagt Melanie Oliver. Im April wurden ihre Drillinge zwölf; da schwingt schon Wehmut mit, wenn sie sagt: „Bei mir sind sie irgendwann gleichzeitig groß und ,aus dem Haus‘.“

Die Drillinge
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Große Liebe.

Grace, William und Hannah sind heute zwölf Jahre alt.