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People | 08.05.2021

„Ich bin eine Löwenmama"

Aline Schwarzbier ist eine leidenschaftliche Fünffach-Mama, die ihre Grenzen kennt, wie sie sagt. Dass alle mit anpacken, ist für die Kinderkrankenschwester selbstverständlich.

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Happy Mama. Aline Schwarzbier © Vanessa Hartmann

Aline Schwarzbier und Robert Vucer haben sich gesucht und gefunden: „Ich wollte zehn Kinder, er keines“, schmunzelt die 51-Jährige. Fünf sind es geworden: Clemens, 25, Paul, 22, Hannah, 20, Emma, 13, und Mathea, 12. „Aber Robert liebt und genießt die Großfamilie heute sehr“, ergänzt Aline. Seit 25 Jahren sind die beiden ein Paar; geheiratet haben sie erst 2007 – und zwar ganz romantisch auf Burg Lockenhaus in mittelalterlichem Gewand. Vor 15 Jahren war die Familie aus Wien nach Oberpullendorf gezogen; motiviert hat sie dazu die Sehnsucht nach viel Natur. „Ein Jahr lang haben wir fast jedes Wochenende Häuser angeschaut, bis wir das richtige gefunden haben.“ Aline ist Kinderkrankenschwester, Robert war zunächst Computerfachmann, machte dann eine Ausbildung zum Psychotherapeuten und später auch zum Psychoanalytiker. „Er ist jeden Tag nach Wien gependelt, als die Mädchen klein waren; das war schon eine taffe Zeit“, erinnert sich Aline zurück.


Dem Wunsch gefolgt. Fünffache Mama zu sein, ist für Aline aber prinzipiell keine große Sache. „Ich habe keine Opfer gebracht, im Gegenteil: Ich bin meinem persönlichen Wunsch gefolgt“, beschreibt sie. Sie genoss die Schwangerschaften, selbst die Geburten seien wunderschön gewesen. Viele schöne Momente, als ihre Kinder Babys waren, bleiben unvergessen. „Das vergeht viel zu schnell, am liebsten hätte ich die Zeit angehalten.“ Ein Job, der sie erfüllt, und der Austausch mit Erwachsenen waren ihr aber parallel ebenso wichtig. Zunächst war sie bei einem Kinderarzt im Burgenland angestellt, später wechselte sie ans Krankenhaus Mödling, wo sie nach fünf Jahren an der Kinder-Palliativstation heute bei den Frühgeborenen ist. „Da fühle ich mich angekommen, ich mag die Arbeit mit Säuglingen sehr gern.“
Aline ist in Teilzeit angestellt, derzeit mit 25 Wochenstunden. Wenn sie Dienst hat, läutet ihr Wecker um 4.20, sie fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Mödling. Dafür holt sie abends ihr Mann persönlich mit dem Auto ab. „An meinen Arbeitstagen bin ich 16 Stunden weg“, schildert sie. Dass in dieser Zeit Robert daheim den Laden schupft, die noch zu Hause lebenden Jüngsten etwa in der Schule unterstützt, ist für die Familie selbstverständlich.

 

 

 

Big family. Paul, Mama Aline, Emma, Hannah, Mathea, Clemens und Papa Robert aus Oberpullendorf © Vanessa Hartmann


Wenn Aline frei hat, schläft sie sich auch gerne mal aus. „Da kann es sein, dass ich erst um 9 oder um 10 Uhr aufstehe. Manchmal koche ich etwas, das sich die Familie wünscht, manchmal lassen wir uns etwas kommen. Ich habe da keine festen Rituale; den Wunsch nach Perfektion habe ich von Kind zu Kind ein Stück mehr abgelegt“, lacht sie. Mittlerweile sind die Kinder – die drei Großen sind schon weitgehend aus dem Haus – so selbstständig, dass auch alle mit anpacken können. Eine Mutter darf auch müde und ausgepowert sein, betont Aline. Sie habe im Laufe der Jahre gut gelernt, Grenzen setzen zu können, wenn es ihr zu viel wird. „Dann bin ich auch mal nicht verfügbar, weil ich beispielsweise ein Bad nehme, lese oder in der Natur bin; da sind alle recht verständnisvoll.“


Kein Glucke. Sie selbst sieht sich als „Löwenmama“. „Für meine Kinder kämpfe ich bis aufs Letzte für Gerechtigkeit und scheue auch keine Konfrontationen, selbst wenn es um die Schule geht.“ Umgekehrt sei sie auch keine Glucke; auch der Gedanke an die Zeit, wenn alle ausgezogen sind, bereitet ihr kein Unbehagen. Ihr Credo: „Jeder soll sein Leben leben.“ Sie freut sich auf die Zeit mit ihrem Mann und außerdem will sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen für Ballett wieder beleben. „Ich werde mich immer freuen, wenn meine Kinder zu mir kommen, aber sie müssen nicht; ich bin einfach kein einengender Mensch“, beschreibt Aline. Sie erwartet sich auch keine Dankbarkeit, denn sie findet prinzipiell: Jeder gibt das, was er bereit ist zu geben. Sie wünscht sich ausschließlich, dass ihre Kinder glücklich werden und es ihnen gut geht.
Was sie frischgebackenen Müttern gern ans Herz legt? „Im Krankenhaus kommen immer wieder Frauen mit Stillproblemen zu mir“, erzählt sie. „Ich sage ihnen immer: Ziehen Sie sich für mindestens 24 Stunden mit Ihrem Kind zurück, lassen Sie sich vom Mann, von der Mama oder der Oma alles ans Bett bringen, schauen Sie nur auf sich und vertrösten Sie Besucher*innen, dann wird es klappen.“