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People | 12.05.2021

Isi on the GREEN

Sie ist schüchtern, aber nicht unsicher. Social Media ist ihre Leidenschaft, aber ihre Liebe gilt dem Golfsport: Die Südburgenländerin Isabella „Isi“ Holpfer lebt ihren Traum in den USA.

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Das Augusta National Women‘s Amateur war eine der herausragendsten Erlebnisse für die 20-Jährige. © Holpfer

Mit vier Jahren besaß sie das erste Mal eigene Golfschläger, mit fünf absolvierte sie die Platzreife in Österreich. Mit zarten acht Jahren spielte sie das erste Turnier in Österreich, ein Jahr später wurde es beim U.S. Kids Golf World Championship bereits international. Klingt nach Fokus, oder? Isabella Holpfer entstammt zwar keiner Profi-Golffamilie, doch war der Golfsport in ihrem Leben immer präsent. Ihre Mutter stammt aus Minnesota, wo Isabellas Großeltern bei Besuchen sie schon als Baby mit zum Golfplatz nahmen. Die Holpfers empfanden die Ballsportart immer als Hobby, für Isi wurde sie zum Lebens­inhalt, der all ihre Interessen miteinander verbindet: „Ich liebe das Reisen, das die Turniere mit sich bringen, und ich liebe es, in der Natur zu sein. Die Abwechslung und Möglichkeiten der verschiedenen Trainings zeigen mir, wie viel es noch gibt, das ich lernen möchte.“

 

 

Mit einem Handicap von +4,1 spielt Isi in der Top-Liga der Amateure.



Handicap und Hindernisse

Die 20-Jährige bezeichnet sich selbst als schüchtern. Golf ist kein Mannschaftssport und erfordert viel Selbstdisziplin. „Ich kann gut mit mir alleine, ich bin ein Einzelkind und Golf ist ein Einzelsport.“ In ihren Entscheidungen agiert Isabella Holpfer alles andere als scheu – sie weiß genau, was sie will. Deshalb wechselte sie nach der Unterstufe vom Privat-Gymnasium Sacré Coeur in Wien in die Golf-HAK nach Stegersbach. Dort war das Verständnis für die Abwesenheit durch die Golfturniere selbstverständlich, deshalb zog Isabella mit ihren Eltern damals zu ihren Groß­eltern nach Olbendorf. Von dort aus eroberte sie die Golfwelt und kann bereits auf viele unvergessliche Erlebnisse zurückblicken, die nicht immer ohne Hindernisse auskamen. Sei es ein liegen gebliebenes Auto mitten auf dem Weg von Paris ins Südburgenland oder ein wegen Corona abgebrochenes Turnier auf Teneriffa. Ein Höhepunkt für die junge ÖGV-Nationalteamspielerin war in jedem Fall das „Augusta National Women’s Amateur“-Turnier, bei dem Holpfer Anfang April 2021 teilnehmen durfte. „Es war eine herausragende Erfahrung, auf einem der bekanntesten Golfplätze der Welt zu spielen. Auch das Dinner im Founders Room des Augusta-National-­Golfplatzes war sehr cool.“ Und mit einem Handicap von +4,1 (Erklärung siehe Infobox auf S. 11) braucht sie sich vor den Topspielerinnen, die dort normalerweise golfen, nicht zu verstecken, sondern kann weiter an ihrem Traum, Profi-­Golferin zu werden, arbeiten.


Impressionen
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Als ÖGV-Nationalspielerin vertritt Holpfer Österreich im internationalen Golfsport.

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In ihrer Freizeit verbringt die Südburgenländerin so viel Zeit wie
möglich bei American-Football-Spielen.

Student Athlete

Zweifel an ihrer Golf-Passion gab es nie. Tennis und Reiten buhlten eine Zeit lang auch um Isabellas Aufmerksamkeit, doch Golf setzte sich durch. Heute spricht sie über die verschiedenen Rasenarten wie andere über Pferderassen. Ihr klares Ziel: Profi-Golf-Karriere in den USA. Deshalb wagte sie letztes Jahr im August den Sprung nach Übersee und studiert dank eines Sportstipendiums in Athens (US-Bundesstaat Georgia) an der UGA (University of Georgia), eine der ältesten Unis in Amerika. Als „Student Athlete“ genießt sie viele Vorteile, aber auch einen stressigen Alltag: montags, mittwochs und freitags um 6 Uhr morgens Team-Workouts, danach Golftraining und am Samstag Qualifikationsrunden. Dazwischen gilt es die Schulbank zu drücken (und beispielsweise am Sonntag einen Zoom-Interview-Termin mit der BURGENLÄNDERIN einzuschieben). Isabella studiert Public Relations und überlegt, ihre Leidenschaft für Social Media irgendwann im Berufsleben als Plan B einzusetzen, sollte es zum Golfprofi nicht reichen.

 

"Ich habe schon immer gewusst, ich kann es schaffen. Viel trainieren, hart arbeiten.", Isabella Holpfer


Amerika ist anders

Die Karriere ist auf Schiene – und die Erfahrungen, die Isabella bisher gemacht hat, kann ihr keiner mehr nehmen. Pro Jahr spielt sie rund 13 Turniere. Ihre Eltern haben die 20-Jährige dabei immer unterstützt. Den Traum, einmal in den USA als Student Athlete zu leben, hatte sie bereits mit zwölf. „Ich habe schon immer gewusst, ich kann es schaffen. Viel trainieren, hart arbeiten.“ Ganz alleine und ohne Familie in Georgia, weiß Isabella ihre Team-Kolleginnen, mit denen sie in eigenen Athleten-Appartements am Campus wohnt, zu schätzen. Zeit, über Heimweh zu grübeln, hat die Sportbegeisterte nicht. In ihrer wenigen Freizeit liebt sie es, American-­Football-Spiele zu besuchen. Was auch in Corona-Zeiten möglich ist, denn: „Von Corona spüren wir hier nicht viel. Es müssen zwar Masken getragen werden, aber es hat alles offen. Veranstaltungen und Sport­events haben zwar weniger Kapazitäten, aber sie finden zumindest statt.“ Und trotzdem freut sie sich auf die Sommerferien, die sie von Ende Mai bis August in ihrer Heimat in Olbendorf verbringen möchte. Dass der Golfsport in den USA viel populärer ist als hierzulande, hat laut Holpfer auch mit Größen wie Tiger Woods zu tun. Die Golfplätze in den USA (auch jener der University of Georgia) werden sehr gerne und intensiv (auch von Privatpersonen) genutzt, darunter viele junge Spieler*innen. Hier hat Österreich noch einiges aufzuholen, doch ist bereits erkennbar, dass das Burgenland auch hier als Vorreiter gilt. 


Golfsprache oder „Warum Golfer gerne einen Vogel haben“:

Platzreife

Mit der Platzreife, einer standardisierten Prüfung, wird der Interessent zum Golfspieler. Die Platzreife kann in jedem Golfclub gemacht werden.

Par

Beschreibt die Anzahl von Schlägen auf einer Golfbahn, die ein Golfer mit dem Handicap 0 benötigen würde, um den Ball ins Loch zu befördern.

Handicap

Kennzahl, die die Spielstärke eines Amateur-Golfers anzeigt. Vereinfacht dargestellt: Braucht ein Golfer auf einem Platz, der ein Par von 72 hat (also auf dem man idealerweise 72 Schläge für alle Löcher braucht), genau jene 72 Schläge, hat er ein Handicap von 0. Braucht er zehn Schläge mehr, hat er ein Handicap von -10. Profi-Golfer fallen aus dieser Wertung, sie haben kein Handicap.

Birdie

Wird das Ergebnis an einem Loch genannt, wenn
der Spieler einen Schlag weniger benötigt, als die Bahnvorgabe (Par) vorgibt, also „1 unter Par“.

Eagle

Hier gelingt dem Golfer „2 unter Par“.

Albatros oder Double Eagle

3 Schläge unter Par (kommt selbst im Profi-Sport sehr selten vor).

Isabella „Isi“ Holpfer

  • Geb. am 6. Jänner 2001 in Wien, mit 13 Jahren nach Olbendorf (Südburgenland) zu ihren Großeltern gezogen
  • Platzerlaubnis im zarten Alter von fünf
  • Jüngste Matchplay-Nationalmeisterin Österreichs
  • Zusammen mit vielen anderen nationalen Titeln hat Isi die 2015 Irish Women’s Stroke Play Championship, 2018 Slovenian Amateur und 2018 English Women’s Amateur mit einem Rekordvorsprung von 13 Schlägen gewonnen
  • Bei ihrem ersten Pro-Event, der Vorqualifikation für die 2018 Ricoh Women’s British Open, belegte sie den 1. Platz mit einer Punktzahl von 5 unter Par, wo ihre beste Runde 7 unter Par war, inkl. zwei Eagles und vier Birdies
  • Handicap: +4,1