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People | 21.09.2021

Kühn umgesattelt

69 Länder und Interviews mit Stars. Dann ein Cut. Aus dem Bauch heraus. Die Journalistin wird erfolgreiche Buchautorin. „Zuagroast“ ist Martina Parker, aber nicht zugeflogen.

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Ganz schön viel Energie. Martina Parker gartelt, kocht, macht Apfelsaft, versorgt Pferde – und schreibt. Mittlerweile sogar das dritte Buch. © #viewitlikejenni

Am Tag nach dem Interview sitze ich in einem Restaurant im Landessüden, Martina Parkers „Zua­groast“ liegt vor mir auf dem Tisch. „Oh, Sie sind schon bei der Hälfte. Ich fang’ jetzt auch an“, freut sich der charmante Ober. An die Martina kann er sich noch gut erinnern, wie sie als kleines Mädchen stolz auf dem Pferd saß, erzählt er. Blitzartig tauchen Bilder vorm geistigen Auge auf; die Neo-Bestseller-Autorin haben wir wenige Stunden zuvor in einer ähnlichen Szenerie an ihrem Hof in Sulzriegel kennengelernt: strahlend, mit einem frechen Pony („Die Haare sind neu!“), wie sie in einem fancy Minikleid (schon klar, das war fürs Foto) das Heu machte. Herzlich, offen, wie ein Wirbelwind – und noch immer pferdeverliebt.
Im Haus steht ein duftender Zwetschkenfleck auf dem Tisch, Ehemann Alan serviert den Kaffee. Der Rollentausch, den Martina Parker mit ihrem Roman einläutete, läuft; Jahrzehnte hindurch interviewte sie Menschen in abgezählten 69 Ländern – jetzt fragen wir und sie antwortet völlig entspannt.



BURGENLÄNDERIN: Du warst gute 20 Jahre bei der „Wienerin“. Wieso ein Neuanfang?

Die Leute waren super, ich hatte lässige Ressorts (Beauty und Essen und Trinken, Anm.), aber plötzlich fühlte es sich wie vier Uhr in der Früh bei einer Party an. Es war Zeit weiterzuziehen.

Da hast du ratzfatz beschlossen, einen Roman mit 507 Seiten zu schreiben?

Ich hab’ meine Entscheidung wegzugehen ausgesprochen und wenig später sind wir alle Klopapier kaufen gegangen: Am Montag darauf war Lockdown, das Land hat zugesperrt. Alle haben nur über Corona gejammert. Irgendwann wollte ich das nimmer hören und hab’ gesagt: Ich hab’ jetzt keine Zeit mehr, ich muss ein Buch schreiben.

So bist du der Pandemie entflohen?

Ich musste mich in irgendeine Welt beamen, wo es kein Corona gab.

Eine intuitive Lebensentscheidung also. Bist du generell ein Bauchmensch?

Ja, ich bin meinem Mann so begegnet. Ich bin spontan mit einer Freundin für eine Nacht nach London geflogen und hab’ gesagt: Heute lerne ich jemanden kennen. Dann läuten wir dort bei einer Freundin an … Willst du jetzt echt meine Lebensgeschichte hören?

Sicher, gerne.

Gut. Jedenfalls läuten wir dort an – und Alan macht die Tür auf. Das war 1999. Wir haben zwei Jahre lang eine Fernbeziehung geführt, dann ist er mit dem Motorrad hergekommen.

Alan ist aus der Eventbranche, du bist für deine Interviews kreuz und quer durch die Welt gereist. Wie habt ihr das mit eurem Sohn gemanagt?

Wir haben zu Beginn in Wien noch eine irrsinnig lässige Tagesmutter gehabt und du hast eh grad gemerkt: Alan ist kein Macho-Typ, wir haben immer gemeinsam Termine jongliert und uns alles am Anfang des Monats mit unseren Kalendern aufgeteilt.

 

"Ich mag Geschichten, die haarscharf an der Wahrheit vorbeischrammen."
Martina Parker, Bestseller-Autorin


Jack ist 17, wie bist du als Mama?

Entspannt. Jede Mama hat so eine Grundmessage, meine war die, die mir meine Mutter mitgegeben hat: Du kannst das, du schaffst das. Eine behütende Gluckenmutter war ich nie. Wenn Jack mit drei im Sapore (Lokal in Oberwart, Anm.) etwas trinken wollte, hab ich gesagt: Geh zur Sandra und sag, du willst bitte einen Apfelsaft.

Impressionen
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Kein Zufall

Blumen, Nacktschnecken und Co. inspirierten sie zum Gartenkrimi.

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Startalk

Martina Parker mit Susan Sarandon

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Martina Parker mit Zoë Kravitz

Deine Eltern hatten in Bad Tatzmannsdorf ein Hotel. Wie bist du auf die Idee gekommen, Journalistin zu werden?

So wie Grisu, der kleine Drache, Feuerwehrmann werden wollte, wollte ich Journalistin werden. Ich hab’ die Vorstellung gehabt, dass ich an der Schreibmaschine sitze, alle rauchen und wir lösen nebenbei Fälle. Der Papa wollte das gar nicht. Er hat gesagt, die Journalisten sind die größten Schnorrer, die futtern nur das ganze Buffet leer (lacht).


Hm, dein Kuchen ist echt köstlich.

Er hat das nur von der Wirtseite gekannt. Aber ich hab’ mich durchgesetzt; der Kompromiss war die Gast- und Hotelgewerbezeitung, ein Fachmedium, später dann die Parfümerie-Zeitung.


… und irgendwann wurdest du von der Wienerin abgeworben. Wie hast du die vielzitierten Starinterviews erlebt?

Es hat mir geholfen, dass ich mit Alan verheiratet war; da war mein Englisch auf einem ganz anderen Niveau und ich konnte Schmähs machen. Ich hab’ viele tolle Leute getroffen wie Susan Sarandon oder Cate Blanchett. Eine meiner Lieblingsanekdoten ist die mit Hugh Laurie von „Dr. House“. Ich wollte ihm unbedingt einen burgenländischen Wein mitnehmen. Mein Mann hat mir abgeraten, weil doch Stars nichts trinken, was ein Fan bringt. Aber ich hab’ gesagt, ich bin Journalistin, das ist was anderes. Also präsentiere ich dann Hugh Laurie den Wein und erkläre ihm, dass ich weiß, dass man das sonst nicht tut, aber dass dieser Wein sicher nicht vergiftet ist, weil ich ja nicht verrückt bin und einen Wein kann man gar nicht vergiften. Aber ich hab’ leider weitergeredet (lacht): Eigentlich könnte man ja mit einer Spritze in den Kork rein, aber ich bin ja nicht verrückt … Hugh Laurie hat sich alles angehört und ganz lässig gesagt: „Maybe we should drink this wine together.“


Vermisst du solche Momente?

Nein, ich hab’ alle getroffen (lacht).

Wie kam es zu deinem Gartenkrimi „Zuagroast“?

Ich hab’ immer schon Kurzgeschichten und Kolumnen geschrieben, auch Preise gewonnen. Ich mag Geschichten, die haarscharf an der Wahrheit vorbeischrammen. Da höre ich einen Satz, bausch’ ihn auf, hau’ ihn drei Mal durch den Mixer und dann kommt was raus. Beim Buch habe ich zunächst die Figuren erfunden, anfangs waren sie mir neu, nach fünf Kapiteln war es so, als hätte ich sie schon fünf Mal getroffen; sie haben irgendwann das Buch übernommen. Ich hab’ bis zum Schluss nicht gewusst, wer der Mörder ist.

Die Story entstand beim Schreiben?

Ich hatte einen ungefähren Plot und ich wollte unbedingt die häusliche Gewalt hinter perfekten Fassaden drinnenhaben und das Gartenthema. Ich hab’ ja selbst eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin gemacht und einen Lehrgang zu Arche-Noah-Sortenraritäten. Da musste ich übrigens ein Werkstück machen: Leider wurde es dann nur ein Zweier, weil ich mich verrechnet hab’ und der Pastinaken-Wein über 40 Prozent Alkoholgehalt hatte (lacht).

Bemerkenswert am Entstehungsprozess: Du hast deine Facebook-Community involviert …

Ich hab’ mir gedacht, allein schreiben ist öd. Also hab’ ich ein Foto vom Philipp Hochmair hochgeladen – der soll im Film den Paul spielen – und druntergeschrieben, dass er ein Weiberer ist (die Romanfigur, Anm.), aber Schwachstellen hat. Die Leute konnten sich aussuchen, ob er ein Ordnungsfanatiker ist, einen Handwaschzwang oder eine Katzenphobie hat. So habe ich jeden Montag eine Frage gestellt, man konnte sich für eine Variante entscheiden und wenn’s gut begründet war, kam es ins Buch.

Es kommt also fix ein Film?

(lacht) Ich hab’ noch keinen unterschriebenen Vertrag, keine Produktionsfirma und keine Geldgeber, aber in meinem Kopf ist es fix.


***


Die Frage nach einer Fortsetzung erübrigt sich, als ein Paket geliefert wird und Martina Parker es vor uns öffnet: das Manuskript zu „Hamdraht“. Erhältlich ab Frühjahr 2022.

Live-Highlight: Martina Parker und Susanne Kristek („Nur die Liege zählt“) lesen am 11. September in Bildein quasi als Vorgruppe von Ursula Strauss’ und Ernst Moldens „wüdnis“.

Weitere Termine: martinaparker.com

 

Buchtipp

© Lena Zotti

Packend, authentisch, phänomenale Dialoge:

„Zuagroast“ von Martina Parker, Gmeiner Verlag, € 17,–.