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People | 09.11.2021

Dream-Team in Life & Business

Rita und Josef „Joe“ Polak haben eine steile Karriere hinter sich – und dabei nie ihre soziale Verantwortung vergessen. Mit uns sprechen sie über ihren Weg, die Steine und Hürden sowie über die Scheinwelt im Business.

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Rita und Joe Polak © Vanessa Hartmann

Wenn er heute in seiner Heimat Loipersbach im Nordburgenland zu Besuch ist, trifft man ihn meist am Sportplatz oder im Wirtshaus. Joe Polak ist auch mit 71 noch immer umtriebig und gesellig, auch wenn er bereits in Pension ist. Zu Spitzenzeiten führten Joe und seine Frau Rita acht Fast-Food-Filialen und beschäftigten über 400 Mitarbeiter. In ihrer Wahlheimat Tirol eröffneten sie die erste Filiale des Bundeslands und den ersten Drive-in Österreichs. Heute jettet das Paar zwischen ihren Wohnsitzen in Seefeld, Innsbruck, Wien, Mallorca und Loipersbach durch die Lande und genießt seine Freizeit ohne Arbeit.
Dabei war der Aufstieg nicht so spielerisch leicht, wie es heute in den Erzählungen scheinen mag. Der Start in Innsbruck Mitte der 80er-Jahre wurde ihnen durch die Stadtbürokratie ordentlich erschwert. Die ersten Monate waren alles andere als eine Erfolgsstory. Der Durchbruch kam mit einer Marketing-Idee nach der anderen, für die Joe Polak brannte wie kein anderer. Oberste Prämisse war dabei immer der persönliche Kontakt, die Loyalität und das Vertrauen. Zudem kommt, dass Joe selbst einer ist, der nie stillstehen kann, für den Visionen und Tatkraft nicht nur Schlagworte, sondern gelebter Alltag sind. Beim Interview im lauschigen Hof von Max Stiegl und seinem „Gut Purbach“ sitzt das Paar vor uns, genau an ihrem 45. Hochzeitstag! Stundenlang plauderten wir über Ereignisse, die erstaunlicherweise wirklich alle in ein einziges Leben passen.



Die Anfänge

Nach seiner Ausbildung in Wien zog es Polak beruflich nach Baden-Württemberg (Stuttgart). Dort lernte er seine Frau Rita kennen („Ganz klassisch in einer Disco!“). Gemeinsam machten sie sich selbstständig und waren die ersten Franchisenehmer eines namhaften Textilunternehmens in Deutschland. Durch einen Bekannten wechselten sie nach einigen Jahren die Branche. „Er fragte mich, was ich von McDonald’s halte“, erinnerte sich Polak. Damals war es noch nicht viel, was ihm dazu einfiel. Das sollte sich wenig später schlagartig ändern, als Joe Polak im Mai 1980 nach Österreich zurückkehrte und sich in Wien in die Welt des Konzerns einführen ließ. Nachdem er bei der Aufbauphase einiger Restaurants in Wien beteiligt war, bewarb sich der engagierte Unternehmer als erster Franchisenehmer für Tirol. Die Zusage erhielt er genau an dem Tag, als sein Sohn Florian geboren wurde, am 25. März 1981.

 

"Der Weg muss immer nach vorne gehen. Du darfst nicht an Kleinigkeiten zerbrechen.", Joe Polak, Unternehmer



„Reagan go home“

Dass die Wahl auf Tirol fallen würde, war für die Polaks immer schon klar. Die Liebe zum Sport und zu den Bergen führte sie dorthin. Und mit ihnen kamen 1981 auch Hamburger, Pommes & Co. in den Westen Österreichs. Die Anfänge kosteten das Unternehmer-Paar einiges an Nerven. „Damals haben mir alle vorhergesagt, dass McDonald’s in Tirol nicht funktionieren würde“, blickt der Exil-Burgenländer zurück. Die bürokratischen Hürden waren hoch, die Schreie aus Gastronomie und Wirtschaft laut. Doch die Polaks ließen sich nicht beirren. Sie säuberten ihre Fassade fast täglich von „Reagan go home“-Sprühschriften (Anm.: Ronald Reagan war damals US-Präsident und Fast Food stand für die „Amerikanisierung“ Europas). „Innerlich hat mich das nur stärker gemacht. Andere würden resignieren und aufgeben, aber ich nicht. Unser Sohn war da ein halbes Jahr alt. Ich habe fünf Millionen Schilling Cash investiert, wir waren hochverschuldet und konnten uns in der Anfangszeit nicht mal die Hipp-Glaserl leisten.“ Er setzte alles auf eine Karte. Einige Monate später begann der Erfolgskurs und die Gäste kamen, das Geschäft rentierte sich. Seine Frau Rita kümmerte sich um den Sohn und die Geschäfte im Hintergrund: Buchhaltung, Personalschulung etc. „Ohne Rita hätte das nicht funktioniert. Wir haben das alles zusammen gemacht.“


Essen ins Auto

Die nächste Neuerung kam 1985, als Polak den ersten Drive-in Österreichs installierte. „Alle sagten, jetzt spinnt er total. Wer fährt denn mit dem Auto zu einem Fenster und lässt sich Essen rausgeben? Und das im konservativen Tirol. Das war ein Aufschrei. Keiner hat das gekannt. Es war schon auch Neugier da. Aber bis die Leute das so richtig begriffen und angenommen haben, hat es gedauert. In Amerika gab es das schon 1932.“ Grund für die später hohe Akzeptanz waren auch die Marketing-Ideen von Polak. Damals war der Konzern noch weit von Marketing und PR entfernt. Deshalb überlegte sich das Paar immer wieder selbst Aktionen. Wie z. B. bei einem Eishockey-Spiel im Innsbrucker Stadion, wo Polak kurzerhand vom Sprecher durchsagen ließ, dass jeder Besucher nach dem Spiel einen Hamburger gratis im Drive-in bekommt.


Höhepunkte

Joe Polak sprühte nur so vor Ideen und war auch treibender Motor für viele Projekte, die später von anderen weitergeführt wurden. Das Zwergerl-Skirennen, dem Sportler-Größen wie Benni Raich, Mario Matt oder Bastian Schweinsteiger entwuchsen, wurde von ihm initiiert. Durch die Kontakte von Polak entstanden zahlreiche Kooperationen, z. B. mit Coca Cola, Champion, Raiffeisenbank und vielen mehr. „Etwas zu tun, heißt für mich nicht immer, zu verdienen. Ich habe ganz oft einfach gemacht und nicht drauf geschaut, was dabei für mich herausspringt.“ Nach dem Vorbild der USA hat die Familie Polak in Innsbruck die Initiative für die Errichtung eines Ronald-­McDonald-Hauses ergriffen. Eltern von schwerkranken Kindern wurde damit die Möglichkeit geboten, in unmittelbarer Nähe ihrer kleinen Patienten zu wohnen.
Ein weiteres Beispiel für Polaks Innovationen waren das Frühstück im Fast-Food-Restaurant sowie der Ankauf einer Espresso-Maschine. Für ihren Erfolg wurden Joe und Rita Polak im Jahr 2000 in Orlando in einer hochemotionalen Feier von 30.000 Franchisnehmer*innen zu den weltbesten „Franchisenehmern des Jahres 1999“ gekürt. „Das war einer der Höhepunkte unserer unternehmerischen Laufbahn.“


Rita & Joe
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Familie Polak 1985

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Rita und Joe bei der Golden-Award-­Verleihung in Orlando im Jahr 2000

Wie ist es, mit so einem „Macher“ verheiratet zu sein?

Rita Polak: Ruhe hast du keine (lacht). Es muss immer Action sein. Der Joe ist halt einer, der tut.

Joe Polak: In meinem Kopf funkt es immer. Es gab noch nie eine Zeit in meinem Leben, wo ich meine Energie und Kreativität nicht abrufen konnte. An die Kinder hab ich das teilweise weitergegeben. Florian und Julia sind heute auch sehr erfolgreich, aber lieber im Stillen und nicht so sehr in der Öffentlichkeit.

Eure Kinder hatten es sicher nicht immer einfach, da ihr und der Konzern oft in den Medien wart.

Joe: Ja, für die Familie war es nicht immer einfach. Unsere Kinder kamen einige Male völlig aufgelöst von der Schule heim. Der Biologie-Lehrer sagte einmal zu meiner Tochter: „Dein Papa verkauft diesen Scheißdreck.“ Unsere Kinder haben öfter die Schule gewechselt. Viele Leute reden von Sachen, von denen sie keine Ahnung haben. Ich habe immer den Diskurs gesucht, die Direktion und das Lehrpersonal in den Betrieb eingeladen, ich hätte ihnen alles gezeigt, aber sie sind nie gekommen.


Im Fast-Food-Konzern herrscht ein strenges Regiment, die Franchise­nehmer*innen müssen umsetzen, was der Konzern vorgibt. Das war sicher nicht immer einfach.

Joe: Es war hart, die ganzen Preis­aktionen umzusetzen. Der Konzern möchte nur Gäste, Gäste, Gäste – als Franchisenehmer musst du aber auch verdienen, damit du deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst. Wir waren immer am Investieren, das Wasser stand uns oft bis zur Unterlippe. Aber wir haben so viel gearbeitet, waren so viel unterwegs, sodass es sich für uns ausgezahlt hat.


Wie habt ihr die Vorwürfe und Skandale rund um den Konzern und seine Produkte abgefedert?

Joe: Diese Vorwürfe waren alle manipuliert. Bis sich herausgestellt hat, dass sie nicht stimmen, hat es aber keinen mehr interessiert. Es gab vor allem am Anfang viele, die gegen uns gearbeitet haben.

 

"Es gibt viel mehr Schein als Sein in diesem Business. Doch darauf haben wir uns nie eingelassen.", Rita Polak, Unternehmerin



Der Grat zwischen Scheinwelt und Ehrlichkeit im Business ist ein schmaler. Wie seid ihr damit umgegangen?

Rita: Es gibt viel mehr Schein als Sein in diesem Business. Doch darauf haben wir uns nie eingelassen. Ab einem gewissen Status kommt man auch mit gewissen Leuten zusammen. Du selbst bist bodenständig und musst dir ansehen, was andere so aufführen. Du kannst mit solchen Leuten zwar am Tisch sitzen, aber du musst wissen, dass du ihnen nichts beweisen musst. Diese Abgrenzung musst du schaffen.

Joe: Wir haben oft gesehen, was hinter den Kulissen dieser Scheinwelt abläuft. Heute machen wir nur noch das, was uns Spaß macht, und genießen unsere Freizeit.



Gesunde Ernährung und Fast Food – geht das zusammen?

Joe: Die Produkte sind qualitativ hochwertig. Wir wissen, welche Fleischqualität drin ist, wir kennen die Hy­gieneverordnungen. Wir wissen genau, welche Produkte wo eingekauft werden. Natürlich sind die Saucen kalorienhaltig und in den Brötchen ist Zucker. Aber es ist keine schlechte Qualität. Wir waren bei den Bauern, wo die Tiere gezüchtet werden – auch unangemeldet. Wir haben uns die Tierhaltung genau angesehen. Ich habe viele Kooperationen mit regionalen Bauern und Betrieben gemacht.

Rita: Je größer ein Betrieb ist, umso strenger wird er kontrolliert.



Welche Eigenschaften braucht es, um im Business erfolgreich zu sein?

Joe und Rita Polak: Visionen und sehr viel Mut. Zudem muss man sich selbst gut kennen und einschätzen können. Rückschläge passieren, aber du musst daraus lernen, es abhaken und weitermachen. Der Weg muss immer nach vorne gehen, du darfst nicht an Kleinigkeiten zerbrechen. Auch wenn es manchmal so scheint, als würde die Welt zusammenbrechen – sie tut es nicht. Es geht immer weiter.

 

© Vanessa Hartmann, privat