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People | 07.12.2021

Geniale Worte

Nicht nur auf der Bühne kennt man Klaus Eckel als Pointenschleuder. Mit rasanter Sprechgeschwindigkeit packt er Themen mit feinem Sinn für Philosophie und Humor in reizvolle Programme, bei denen man vor Staunen nur so lacht.

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"Leute, die wirklich Selbstbewusstsein haben, hinterfragen sich ständig.", Klaus Eckel, Kabarettist © Ernesto Gelles

Steckbrief Klaus Eckel

Klaus Eckel wurde 1974 in Wien geboren, seine Mutter stammt aus dem burgenländischen Breitenbrunn, wo heute auch noch fast seine gesamte Verwandtschaft lebt. Er arbeitete zunächst als Logistiker, bevor er Kabarettist wurde. Seit 2001 steht er auf der Bühne und spielte bisher neun Soloprogramme. Für sein aktuelles Programm „Ich werde das Gefühl nicht los“ erhielt der 47-Jährige den Österreichischen Kabarettpreis. 2016 veröffentlichte Eckel „Après Ski: Ruhe da oben!“. In seinem neuen Buch „AllerDings“ nimmt sich der Autor des Gedankens an: Was würden unsere Gegenstände erzählen, wenn sie sprechen könnten – kurzweilig und mit spitzer Zunge regt uns Eckel damit zum Nachdenken an.

www.klauseckel.at


© Heribert Corn

 

Etwas außer Atem und fast 30 Minuten zu spät kommt er an einem Montagabend in die Garderobe des Wiener Kult(ur)-Hauses Orpheum zum Interview. Er schiebt sein Fahrrad durch den schmalen Gang, legt die beheizten Handschuhe ab und entschuldigt sich herzlich für die Verspätung. Da ihm das Licht am Fahrrad auf dem Weg von Klosterneuburg hierher in den 22. Bezirk ausgefallen sei, habe er sich leider verspätet. Normalerweise schaffe er es in einer Stunde, jetzt brauchte er eine halbe mehr. So einer charmanten Entschuldigung kann die Autorin dieser Zeilen viel abgewinnen. Und da Klaus Eckel seine Fassung selbst bei feuchtkaltem Wetter auf dem Fahrrad durch das nächtliche Wien nicht verlor, starten wir sogleich mit dem Interview:

BURGENLÄNDERIN: Du bist seit 20 Jahren Kabarettist. Warst du von Anfang an so lustig? Wie siehst du deine Entwicklung bis heute?

Klaus Eckel: Früher war ich langsamer. Ich wollte auch mehr missionieren als heute – es war definitiv weniger lustig. Jetzt hab ich einen ziemlichen Zug zur Pointe, ich habe viel dazugelernt. Jeder Kabarettist sollte etwas haben, an dem jeder sofort merkt, dass er das ist. Bei mir ist es das Tempo, die Skurrilität, die ich aus dem Alltag ziehe, und eine hemmungslose selbstironische Komponente, die ich zweifellos habe. Ich finde, wir sollten weniger poussieren, wie toll wir alle sind. Wir sind nicht immer eine Instagram-Story, wo alles perfekt ist, sondern viel öfter sollten wir zeigen, dass wir das Gegenteil sind. Wir haben die Erwartungshaltung und die Realität. Das dazwischen ist das, womit wir Kabarettisten arbeiten. „Wenn ich die Wahl hätte zwischen Freiheit und Sicherheit, gewinnt meist die Freiheit“, sagt der fiktive Klaus in deinem neuen Buch „AllerDings“ – Impfgegner würden sich diesen Satz sofort einverleiben. Was möchtest du dem hinzufügen? Wir müssen wieder mehr vertrauen. 95 % der Menschen können bis heute nicht ein Virus von einem Bakterium unterscheiden, geschweige denn wissen sie genau, wie ein Impfstoff funktioniert. Was bleibt also übrig? Vertrauen. Mein Gefühl sagt mir, ich vertraue Ärzten und Wissenschaftlern, die sich seit Jahren damit auseinandersetzen, und deren Rat folge ich. Es gibt den gescheiten Satz von Richard David Precht: „Wir haben auch eine Pflicht gegenüber dem Staat.“ Wir sind nicht nur Kunde. Wir sitzen da und alles wird gemacht, Straßen werden gebaut, Schulen und Spitäler errichtet. Dann beschweren wir uns auch noch ständig darüber. Der Staat hat aber auch das Recht, etwas von uns zu fordern. Wir sind dazu verpflichtet, Probleme gemeinsam zu lösen. Und dazu gehört auch Corona. Daher vertraue ich auf Experten und die Impfung.

Wenn es um Vertrauen geht, spielen auch Emotionen wie Mut, Angst und Sicherheit mit …

Stimmt. Ich bin ein Mensch, der grundsätzlich lieber die Planbarkeit mag und auch Ängste hat. Aber in den letzten Jahren habe ich ein Grundvertrauen entwickelt und gelernt, wenn man positive Energie reinsteckt, gehen Sachen gut aus, auch wenn dies im ersten Moment nicht so wirkt. Wir sollten uns viel öfter aus der Vogelperspektive betrachten, Selbstreflexion ist etwas so Wichtiges. Leute, die wirklich Selbstbewusstsein haben, hinterfragen sich ständig. Leute, die unsicher sind, pochen auf ihre Meinung, weil sie Angst vor dem eigenen Irrtum haben. Ich finde es toll, wenn ich mich irre, denn dann habe ich etwas gelernt.

Im Buch geht es auch um die Konsumgesellschaft – du sagst „Minimalisten sind die neuen Vegetarier“. Schaffst du es, dem Marketing, der Langeweile und dem Über-Konsum standzuhalten?

Es gibt den Wünsch-Klaus und den Ist-Klaus. Der Wünsch-Klaus braucht viel weniger als der Ist-Klaus. Aber Fakt ist, ich brauche mittlerweile weniger als früher. Ich habe gemerkt, dass sich Glück nicht langfristig durch Konsum erzeugen lässt. Mich heben Sachen wie Zeit mit Menschen, die ich mag, schöne Momente am Klavier oder wenn ich eine Wanderung mache oder einen guten Film schaue. Das macht mich innerlich voll. Das kann ein Konsumgut nicht – wenn es eines könnte, würd ich’s warscheinlich kaufen (lacht).

Wie ist es mit dem Gefühl der Beachtung, der Aufmerksamkeit?

Wir Kabarettisten kriegen von fremden Menschen Applaus, Gelächter – das ist Liebe und Zuneigung. Früher bin ich auch deswegen auf der Bühne gestanden. Heute bin ich nicht mehr so getrieben, habe kein Problem damit, wenn mich jemand nicht mag. Aber ich vermeide auch soziale Medien, gehe nur noch selektiv ins Fernsehen, bin keine Rampensau mehr, weil mir diese Welt suspekt ist. Ich bin schon jemand, der verletzlich ist, mich beschäftigen Kommentare und Bewertungen lang.

(Klaus bestellt etwas zu essen, in 40 Minuten beginnt sein Auftritt im ausverkauften Orpheum. Er bestellt Linsen mit Knödel, „aber weißt eh, ohne Speck!“.)


Klaus Eckel
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Am Klavier „zu klimpern“ liebt Klaus Eckel – sowohl auf der Bühne als auch privat.

 

© Ernesto Gelles

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Allerdings

Er leistet Beihilfe zum Selbstmord eines Kühlschranks, bringt ein Konfetti zum Weinen und wurde von einer Neonröhre erpresst. Der fiktive Klaus Eckel arbeitet als arbeitsloser Kabarettist in Corona-Zeiten in einem Storage und führt kurzweilige, humorige und feinsinnige Gespräche mit Alltags­gegenständen. Lesenswert!

  • Verlag: Schultz & Schirm
  • Taschenbuch, 232 Seiten
  • ISBN: 978-3950390759
  • Preis: € 22,–

© Verlag


Bist Vegetarier?

Ja, seit zwei Jahren. Aber ein Mal im Jahr ess ich Paprikahendl, das ist der Geschmack aus meiner Kindheit. Aber sonst brauch ich kein Fleisch. Ich bin da bei Paul McCartney, der gesagt hat: „Wenn Schlachthäuser aus Glas wären, wären wir alle Vegetarier.“

Der fiktive Klaus im Buch sagt, diese drei Eigenschaften schaden den Menschen am meisten: Neid, Gefallsucht und Erwartungen.

Ja, so sehe ich das. Diese drei Sachen sind die Anleitung zum Unglück. Neid kannst du haben, aber nicht auf andere, sondern auf das, was du bist, und auf das, was deine Möglichkeiten wären. Sich mit anderen zu vergleichen bringt gar nichts. Bei Gefallsucht ist die Gefahr, sich selbst komplett zu verlieren. Und Erwartungen sind ganz schlimm. Die besten Partys sind immer die, die zufällig entstehen, weil da null Erwartungen waren. Wir sollten viel mehr die Dinge auf uns zukommen lassen, da haben die Buddhisten total recht. Akzeptanz und Gelassenheit. Dazu passt der schöne Satz von Karl Valentin: „Ich freu mich, wenn’s regnet, weil wenn ich mich nicht freu, regnet’s auch.“

Wie bist du privat? Der Pointenbringer am Tisch oder der aufmerksame Zuhörer?

Zu zweit führe ich gerne nachdenkliche, humorige Gespräche, philosophiere gerne über die Welt und die Menschen – so wie jetzt. Ab dem Moment, wo 5 bis 6 Leute am Tisch sitzen, werde ich zur Pointenschleuder. In einer gewissen Konstellation geht’s nur mehr um den Schmäh, und das taugt mir auch.

Du bist aus Wien, lebst in Klosterneuburg, welchen Bezug hast du zum Burgenland?

Meine Mutter stammt aus Breitenbrunn, ich war früher sehr viel dort. Fast meine ganze Verwandtschaft lebt heute noch in der Region, daher fühle ich mich immer noch ein bisschen burgenländisch. Auch wenn die Gegend rund um den See nicht mehr die selbe ist wie früher, da wurde touristisch sehr viel zerstört und nicht alles hat sich zum Positiven gewandelt, aber das Gefühl ist immer noch ein schönes.

Du bist das ganze Jahr über viel in Österreich unterwegs – wie bringst du Familie und Beruf unter einen Hut?

Indem ich Prioritäten setze. Meine Kinder (Anm.: 7 und 11 Jahre) sind mir extrem wichtig. Ich spiele zwar 110 Mal im Jahr, aber ich verbringe trotzdem sehr viel Zeit mit meinen Kindern. Den Vorwurf eines Vaters, der nie da ist, würden mir die Kinder nicht machen. Nicht weil ich so ein toller Vater sein will, sondern weil ich es einfach liebe, mit ihnen Zeit zu verbringen. Ich bin ja selber auch gerne Kind. Kinder holen dich aus deiner Welt in ihre. Aber natürlich ist die Aufteilung der Kindererziehung und Hausarbeit bei uns trotzdem zwei Drittel zu einem Drittel. Aber wenn wir nicht drüber verhandeln, rutschen wir ganz schnell in alte Rollenbilder. Deswegen ist das offensive Ansprechen von Unstimmigkeiten auch wichtig. Es geht in Wahrheit nur um das Gefühl, nicht so sehr um die prozentuelle Aufteilung. Jeder will wertgeschätzt werden für das, was er tut, und nicht der „Teschek“ sein. Ich hab einen befreundeten Paartherapeuten mal gefragt, was der beste Rat ist, den er Paaren geben kann in einem Satz. Seine Antwort: „Machen Sie den anderen groß.“ Das ist banal, aber es sagt alles aus. Wenn das beide als Leitschnur nehmen, haben’s gewonnen.


Wordrap mit Klaus Eckel

Jogginghosen sind für mich …

… Heimat.

Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, nehme ich …

… pah! Sex und dabei Rock-Musik hören!

Zum Lachen bringt mich …

… vieles, vor allem Kinder!

Ich bin total untalentiert, wenn es ums …

… Gärtnern geht.

Nervös machen mich …

… Fernsehkameras.

Der wichtigste Gegenstand bei mir zu Hause ist für mich …

… mein Bett!


Kabarett-Termine

im Dezember und Jänner in Burgenland-Nähe

Programm: „Ich werde das Gefühl nicht los“

• MO, 13.12., Wien, Stadtsaal

• DI, 14.12., Wien, Stadtsaal

• MI, 15.12., Wien, Globe

• MI, 29.12., Wien, Globe

• FR, 31.12., Wien, Globe

• FR, 14.01., NÖ, Oberwaltersdorf, Bettfedernfabrik

• SA, 15.01., NÖ, Oberwaltersdorf, Bettfedernfabrik

• SA, 16.01., Wien, Stadtsaal

• FR, 21.01., BGLD, Deutschkreutz, Vinatrium

• SO, 30.01., Wien, Stadtsaal

 

Fotos Johannes Zinner, Ernesto Gelles, Verlag