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People | 09.02.2022

Hasst du sie noch alle?!

Sein latenter Hass wurde zu seinem Markenzeichen. Dazu eroberte der Social-Media-Star in den letzten Jahren auch Bühnen und Bücherregale. Michi Buchinger in Bestform – nur eins fehlt noch …

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"Ich werde nicht gezielt über Motocross und Grillfleisch sprechen, nur um mehr Hetero-Männer zu erreichen.", Michael Buchinger Entertainer. © Vanessa Hartmann

Das Fernsehen! Das große Ziel des nordburgenländischen Social-­Media-Stars ist es, die TV-Welt zu erobern. Auch wenn seine Mama es ihm nicht zutraut. Die hätte sich ja auch nicht gedacht, dass ihr Sohn auf der Bühne funktionieren kann. Doch er tut es. Wie so vieles mehr noch. Von Büchern bis hin zu Wein, Grabkerzen, T-Shirts, Postkarten und Tassen – Buchingers Kreativität kennt keine Grenzen. Und es scheint, als wäre er optisch keinen Tag älter als vor knapp fünf Jahren, als wir uns das letzte Mal zum Interview trafen. Doch an Erfahrung scheint er um Jahrzehnte gealtert zu sein: Drei Bücher, zwei Kabarettprogramme und Podcasts sowie einen beeindruckenden Instagram-Kanal später steht Michael Buchinger kurz vor der Annexion der TV-Sender, wenngleich er etwas Angst vor dem Altern hat.


BURGENLÄNDERIN: Heuer wirst du 30! Wie geht es dir damit?

Michael Buchinger: Grundsätzlich weiß ich, dass Älterwerden ein Privileg ist. Aber ich bin im Showbusiness. Mein Gesicht ist mein Kapital, das muss ich halten können. Nun bin ich endlich meine Erwachsenen-Akne losgeworden. Die Medikamente hatten viele Nebenwirkungen, aber die Akne wurde im Keim erstickt. Nun klappere ich gerade alle Hautärzt*innen ab, um zu erfahren, wie ich für mein optisches Kapital am besten präventiv vorsorge. Meine Zähne werden derzeit von einer transparenten Schiene wieder ins richtige Licht gerückt. Meinen Körper habe ich mittlerweile gelernt anzunehmen. Früher habe ich meine starken Oberschenkel gehasst. Heute werde ich von Profi-Radlern gefragt, was mein Geheimnis ist.


Entertainer, Comedian, YouTuber, Influencer, Buchautor – bei so viel Allroundtalent kommt Hass nur schwer auf. Doch genau dieser nährt seit Beginn deiner Karriere deine Inhalte.

Natürlich – niemand sieht sich einen Kabarettisten auf der Bühne an, der da­rüber redet, was er alles super findet. Man regt sich viel auf im Comedy-Bereich. Und ich beschwer mich halt gern. Das Wort Hass polarisiert. Das gefällt mir. Ich begegne nicht Menschen mit Hass, sondern Dingen oder Eigenschaften, die Menschen besitzen. Zum Beispiel unhöflich sein oder schmatzen.

 

Chefredakteurin Nicole Schlaffer plauderte mit Michi Buchinger im Neufeldersee Hotel & Restaurant. © Vanessa Hartmann

 

Wie war für dich die Umstellung vom YouTube-Kanal auf die Bühne – inklusive direktem Feedback von deinem Publikum?

Es war eine irrsinnige Überwindung. Vor meinem ersten Kabarettauftritt 2017 war ich sehr nervös. Doch es hat auf Anhieb super funktioniert. Ich habe zu meiner Beruhigung festgestellt, dass du – wenn du auf der Bühne stehst – nur die erste Reihe siehst, die anderen Leute nicht. Inhaltlich habe ich viel experimentiert und ausprobiert. Das jetzige Programm sitzt und ich weiß, wann die Lacher kommen. Ich time es jetzt immer so, dass ich vor einem Hammer-Gag schon zum Wasserglas gehe. Also, wenn du mein Programm siehst und ich gehe Richtung Wasserglas …


… dann sollte ich sehr lange lachen.

(lacht) Ja, bitte! Ich habe festgestellt, dass es von Mal zu Mal leichter wird. Die Energie im Saal ist immer toll, ich bekomme ganz viel zurück.


Wie gehst du mit Kritik um?

Als ich Max Stiegl im Podcast interviewte, gab es von der Community kontroverse Rückmeldungen. Dabei ist es ja nicht so, als hätte ich gesagt, alle müssen jetzt Hühnerdärme essen. Beim Thema Ernährung sind die Leute sehr heikel. Ich esse alles. Doch ich hab das Gefühl, wenn ich ein Wiener Schnitzel poste, kommen die Leute mit erhobenem Zeigefinger und sagen: Wie kannst du nur, du solltest ein Vorbild sein …


Siehst du dich als Vorbild?

Doch, schon. Aber ich muss nicht perfekt sein. Ich esse ja auch nicht jeden Tag ein Schnitzel. Seit Corona versuche ich, meine Vorbildwirkung ernster zu nehmen. Seit Beginn an weise ich auf die Wichtigkeit der Maske und der Impfung hin, was natürlich auch nicht jedem passt. 1 Prozent aller Menschen, die mir folgen, haben gemeckert. Da dachte ich mir, na gut, ist halt so. Ich war auch beim Promi-Impfen im Austria Center dabei, wo die Leute nach der Impfung ein lustiges Foto mit mir machen konnten. Dort habe ich erfahren, dass viele angefragte Promis abgesagt haben, weil sie sich nicht positionieren wollten. Ich bin nicht aggressiv und versuche jemanden umzustimmen. Ich zeige einfach, was ich mache und wie es mir damit geht. Meine Hoffnung ist, dass mich vielleicht jemand zum Vorbild nimmt. Aber auf die Schlammschlacht in den Sozialen Medien lasse ich mich nicht ein.


Wie gehst du mit negativen Kommentaren um?

Die ignoriere ich. Ich kenne meine Community, die regelt das (lacht).

 

 


Deine Community ist überwiegend weiblich, wie kommt’s?

Ja, sogar zu 80 Prozent, aber darüber beschwer ich mich nicht. Es werden auch immer mehr Männer, weil ich in letzter Zeit auf Instagram ziemlich freizügig bin (lacht). Ich hole die schwule Community immer mehr ab. Darüber gab es einen bissigen Kommentar im Standard: „Seine Zielgruppe im Stadtsaal bestand hauptsächlich aus Frauen und schwulen Männern.“ So what? Ich werde nicht gezielt über Motocross und Grillfleisch sprechen, nur um mehr Hetero-Männer zu erreichen. Ich spreche über das, was mich interessiert, und freue mich über jeden, der sich dadurch abgeholt fühlt.


Wie hat es deine Familie aufgenommen, dass du jetzt zusätzlich noch auf der Bühne stehst?

Meine ängstliche und behütende Mutter meinte sofort: Nein, nein, das kannst du nicht. Sie will mich immer vor dem Scheitern schützen. Ich habe gelernt, ein gewisses Maß an Vorsicht von ihr ist gut. Sie schreibt mir regelmäßig bei Schneefall, dass ich beim Autofahren aufpassen soll. Meine Eltern und Geschwister bzw. deren Kinder müssen aber auch immer als Material für meine Programme und Podcasts herhalten.


Apropos Kinder. Du bist jetzt seit acht Jahren mit deinem Partner zusammen. Sind Kinder für euch ein Thema?

Ja, schon. Aber wir wissen nicht, wie wir es anstellen sollen (lacht). Unlängst schrieb mir ein Typ sein Problem mit einer Leihmutter in Amerika, an die er 170.000 Euro gezahlt hat. Das ist halt sehr umstritten. Freunde von uns haben ein Pflegekind, das hat gut geklappt, aber die Angst, dass das Kind irgendwann zu den leiblichen Eltern zurückmuss, ist auch groß. Ich habe auch schon ein Angebot von einer Frau bekommen, mit ihr ein Kind zu zeugen, das wir dann zu dritt aufziehen. Aber das will ich nicht. Adop­tieren wäre auch eine Option, aber das dauert so lange. Ich bin ja nicht Angelina Jolie. Also, ja, ich bin dem Nachwuchs nicht abgeneigt, denn ich denke, was will ich hinterlassen auf dieser Welt? Außerdem möchte ich, dass mich jemand mit 90 im Rollstuhl auf die Bühne schiebt. Doch zuerst brauche ich mal ein schönes Haus am Land, das ist der Plan. Viel Glas sehe ich bei unserem Haus, sehr kindersicher also.


Wie stehst du zum Thema Liebe? Der Valentinstag steht ja bald an.

Ich bin ein Mensch, der sehr gerne liebt, sosehr ich auch manchmal hasse. Zu einem guten Leben gehört beides. Ich habe viel Liebe zu geben. Hinter verschlossenen Türen bin ich relativ lieb, aber nicht sonderlich romantisch. Wir schenken uns z. B. nix zum Valentinstag. Das mache ich lieber unterm Jahr.

 

Was wäre das größte Geschenk, das das Showbusiness dir machen könnte?

Eine eigene TV-Show. Das ist eine ganz andere Form der Bekanntheit, wenn du den Leuten einfach vorgesetzt wirst. So wie Silvia Schneider, die eine eigene Kochsendung hat, um die niemand explizit gebeten hat. Jetzt gibt’s die und die Leute schauen’s. Ich bin selbstbewusst und weiß um meinen Bekanntheitsstatus. Aber beim Fernsehen dauert’s. Manchmal glaube ich, für YouTube oder TikTok bin ich schon fast zu alt und fürs Fernsehen noch zu jung. Doch es sind sehr viele Projekte in der Pipeline. Ich habe einige Pilotfolgen gedreht, mich mit einem deutschen Drehbuchautor getroffen, weil wir daran denken, meinen Podcast in eine Serie zu verpacken. Ob ORF, Privat-TV oder Streaming-Dienst – ich bin offen für alles und habe viele Eisen im Feuer, jetzt muss nur eins zu brennen beginnen.


Kabarett-Termin im Burgenland:

25. März 2022, Vinatrium Deutschkreutz, 19.30 Uhr.

Weitere Termine: www.michaelbuchinger.at


WORDRAP


© Vanessa Hartmann

 

Was bringt dich IMMER zum Lachen?

Lustige Katzenvideos.


Wem wärst du am liebsten nie begegnet?

Ich hatte mal eine Stalkerin, auf die hätte ich gut verzichten können.


Wann und wie fluchst du?

Meist, wenn mir was runterfällt. Dann gerne ganz klassisch „Scheiße!“ oder „Jesus!“ (englisch ausgesprochen).


Wie tanzt du?

Ich tanze ein bisschen peinlich und beiße mir dabei auf die Unterlippe.


Corona, Klimakrise, Politskandale – wie kann die Welt noch gerettet werden?

Alle müssen jeden Morgen fünf Minuten tanzen, dann gibt es wegen der guten Laune sicher weniger Konflikte.


 

Nach unserem Interview Ende Dezember wagte Michi ein Haar-Experiment. © privat

Michael Buchinger

  • Geboren am 21. Oktober 1992, aufgewachsen in Müllendorf

  • Outing mit 15 („Ich musste mich nur ein Mal in meinem Leben outen, meiner Mutter gegenüber. In einer großen Familie auf dem Land verbreiten sich Neuigkeiten schneller als auf Twitter, somit hatten sich weitere Outings erübrigt.“)

  • Matura am Gymnasium der Diözese Eisenstadt Wolfgarten

  • Umzug nach Wien, wo er zunächst Theater-, Film- und Medienwissenschaft, dann English and American Studies studierte (zwischenzeitlich lebte er in einer WG in Berlin mit anderen YouTubern zusammen) und mit dem Bachelor abschloss

  • Buchinger lebt seit acht Jahren in einer festen Beziehung mit Grafikdesigner Dominik Pichler, welcher mittlerweile auch regelmäßig in seinen Videos zu sehen ist



Beruflich ist er vielseitig:

  • 3 veröffentlichte Bücher („Der Letzte macht den Mund zu“, 2017; „Lange Beine, kurze Lügen“, 2018; „Hasst du noch alle?!“, 2021), das vierte folgt Ende 2022

  • Derzeit spielt er sein zweites Kabarettprogramm: „Ein bisschen Hass muss sein“

  • 2 Podcasts: „Buchingers Tagebuch“ und „Drei wollen Durchblick“ (mit Thomas Brezina)

  • Diverse Film-, TV- und Serien­produktionen als Schauspieler, Synchronsprecher, Reporter

  • Hauptverantwortlich für Buchingers Bekanntheit ist sein YouTube-Kanal Michael Buchinger, auf dem er seit 2009 Videos veröffentlicht und mit über 155.000 Abonnent*innen und über 44 Millionen Aufrufen zu den erfolgreichsten YouTuber*innen Österreichs zählt; auf Instagram (michibuchinger) ist er erfolgreich mit über 85.000 Abonnent*innen unterwegs