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People | 09.03.2022

In den Mund gelegt

Robert Stachel und Peter Hörmanseder sagen das, was zwischen den Zeilen steht. Als maschek drehen sie wöchentlich den Ton ab, reden selbst und lassen uns in die Seelen der Politik eintauchen.

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Peter Hörmanseder & Robert Stachel © Vanessa Hartmann

In einem Wiener Lokal treffen wir uns mit dem Duo – wobei Robert überpünktlich zum Interview erscheint, während Peter auf sich warten lässt, um noch einiges für einen Beitrag aufzuarbeiten. „So ist es bei uns“, lacht Robert. „Peter übernimmt zumeist den kreativen Part, sein Kopf ist 24/7 mit den maschek-Beiträgen beschäftigt.“ Für die „Willkommen Österreich“-Aufzeichnung am Montagabend steht meist ein Konzept, manchmal aber auch nicht. Die Erfahrung und ihr Improvisationstalent haben maschek aber bisher nicht scheitern lassen. So viele Vorbereitungen in einem vierminütigen Video auch drinstecken, bei der Aufzeichnung gibt es weder Skript noch Untertitel. Die verschiedenen Figuren haben die beiden so sehr intus, dass sie quasi aus ihnen heraussprudeln. Und damit gehen sie jede Woche sowohl via YouTube viral als auch jeden Dienstag als fixer Bestandteil der ORF-Sendung „Willkommen Österreich“ in die TV-Haushalte. Bei ihren Bühnen-Auftritten werden die Beiträge weiterentwickelt, machen sich oft selbstständig, weshalb ein Beitrag am Ende einer Tournee oft nicht wiederzuerkennen ist.


BURGENLÄNDERIN: Der Name maschek kommt ja von Maschekseite, was so viel bedeutet wie die andere, nach hinten zugewandte Seite – oder bei uns im Burgenland ist damit auch oft etwas Hinterlistiges gemeint.

Peter: Grundsätzlich ist von der Maschekseite zu kommen zwischenmenschlich nichts Erstrebenswertes – z. B. wenn ein Mann nicht die Eier hat, für etwas geradezustehen. Bei uns aber steht der Begriff für: von innen nach außen gerichtet.

Robert: Als Kind stellte ich mir immer vor, dass in der Fernsehkiste kleine Maxl drin sind wie in einem Puppentheater. Das ist maschek – wir schlüpfen in die Figuren, ziehen sie uns an. Das ist ein Unterschied zu politischer Satire im konventionellen Sinn, wo versucht wird, die Politik von außen zu betrachten. Das kommt mir oft zu moralisch und besserwisserisch vor. Wir gehen in die Figuren hinein. Wenn du einen Strache oder Kurz sprichst, bist du natürlich nicht immer der Meinung dieses Politikers. Es geht aber eh nicht darum, den Leuten unsere Meinung näherzubringen, sondern darum, den Politiker*innen zu unterstellen, was sie denken. Wir stellen sie bloß, stellen dar, wie sie wären, wenn sie nicht die trainierte Sprechweise, Maske und Präsentationstechnik der Politik erlernt hätten.


Hat eure kabarettistische Seite auch eine Grenze? Wen oder was würdet ihr zum Beispiel nie durch den Kakao ziehen?

Peter: Burgenländer! Die Armen wurden eh jahrzehntelang durch den Kakao gezogen. Das wäre wie Perlen vor die Säue werfen (lacht). Nein, was bei uns nicht vorkommt, ist das Treten nach unten. Leute, die nicht in der Öffentlichkeit stehen. Und Kinder.

Robert: Das Burgenland kennen wir leider viel zu wenig, aber das wird sich jetzt mit unseren Auftritten im März ändern. Da ich mit burgenländischen Mitschüler*innen aufgewachsen bin, höre ich zwar an der Aussprache, dass jemand aus dem Burgenland kommt, aber ich kann den Dialekt nicht nachmachen. Aber ich würde definitiv Witze über das Burgenland machen, so wie auch über alle anderen Bundesländer.


Weil gute Witze immer passen, egal wen sie betreffen …

Robert: Genau darum geht es. Das ist das Entscheidende bei der Debatte, worüber man noch Witze machen darf. Man darf über alles Witze machen, es muss sich nur lohnen. Und ein Witz lohnt sich, wenn er gut, erhellend ist. Das muss jeder für sich entscheiden. Du kannst auch einen blöden Witz machen, der nicht gut ist, dann musst du halt mit den Konsequenzen leben. Es ist auch nicht verboten, rassistische Witze zu machen, die will nur keiner hören. Es ist ein Unterschied, ob ich sage, du bist ein Trottel, weil du einen rassistischen Witz machst, oder ob ich sage, du darfst ihn nicht machen.


Wie geht ihr mit Kritik um? Nehmt ihr euch Kommentare und Feedback zu Herzen?

Peter: Unterschiedlich.

Robert: Wir zwei gehen unterschiedlich damit um. Peter schämt sich (lacht).

Peter: Was? Nein. Okay, wenn es eine aus unserer Sicht berechtigte Kritik ist, kann man die teilweise schon beschämt annehmen. Wir überprüfen aber gemeinsam vorab sehr genau, wo wir uns bewegen – auch wenn wir improvisieren, aber das haben wir im Lauf der Jahrzehnte gelernt. Wir sprechen bewusst. Die unreflektierten Kritiken auf Social Media sind nicht ernst zu nehmen. Die Leute posten vor sich hin, egal ob im Guten oder im Schlechten.

Robert: Alfred Dorfer sagte uns mal väterlich: Schaut euch nie die Foren an. Wir löschen auch alles unter unseren Beiträgen, das nichts mit den Beiträgen zu tun hat, wo sich die Leute einfach nur auskotzen wollen, weil sie wissen, da gibt es eine Community.

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"Bei maschek geht es darum, den Politiker*innen zu unterstellen, was sie denken."

Robert Stachel

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"Auch wenn wir mal zwei Stunden vor der Aufzeichnung noch nichts haben, am Ende schaffen wir es immer."

Peter Hörmanseder

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Weil Social Media zum Alltag gehören:
das obligatorische Selfie

Gab es schon mal richtig Probleme, auch rechtlicher Natur, mit einem der unfreiwilligen Protagonisten nach der Ausstrahlung einer eurer Neuvertonungen?

Peter: 2019 legte ich einem Reporter, der Strache vorgestellt hat, in den Mund: „Vom Neonazi zum Sportminister, eine typisch österreichische Karriere.“ Und das wurde auch so gesendet. Kurz darauf wurde der Clip vom ORF gesperrt, weil sie befürchtet hatten, dass er klagbar ist. Ich habe mich natürlich vorher erkundigt und ja, es ist total sagbar. Strache hat deswegen auch nie geklagt. Er rühmte sich dann sogar damit, dass es gelöscht wurde, obwohl er nicht insistiert hatte. Das war ärgerlich, weil wir uns vorher natürlich eh schlau gemacht hatten.


Jetzt, wo Strache, Kurz und Blümel weg sind, ist es fast ein bissl langweilig geworden in der österreichischen Innenpolitik. Aber Van der Bellen, Kogler, Nehammer und Rendi-Wagner sind ja noch da. Wer ist und war eure Lieblingsfigur?

Robert: Meine Lieblingsfigur ist Van der Bellen. Er ist mein Dauerbrenner seit über 20 Jahren und macht mir großen Spaß. Ansonsten mag ich Figuren, die Profil haben. Es gibt das maschek-Profil und das öffentliche Politiker-Profil. Und es ist schön, wenn wir merken, die Leute nehmen das maschek-Profil teilweise als öffentliche Entsprechung an.

Peter: Ich bin ein bissl der Todes­engel. Die Figuren, die ich übernehme, sind dann oft schnell politisch tot. Meine alten Lieblingsfiguren sind: Fischer und Strache, aber ich mochte auch Niki Lauda sehr. Ich mag Figuren, über die ich nicht so viel nachdenken muss, die aus mir heraussprechen ohne Wenn und Aber. Die Figur, die ich schon am längsten mache und die sich wohl nie vertschüssen wird, ist Putin. (Wir bekommen eine kleine Kostprobe.)

Ihr habt euch während eures Publizistik-Studiums kennengelernt und begonnen, Satire zu machen. Wolltet ihr andere unterhalten oder war es anfangs nur für euch gedacht?

Peter: Tatsächlich nur für uns. Es war ein Transportmittel, um unseren politischen Unmut über die Wahlen 1999 zu äußern. Es lief ein Bild, es gab Mikros. Dann haben wir gesagt, Ton weg, jetzt reden wir. Wir fanden es damals schon sofort lustig.


Wie hat sich Satire in den letzten 20 Jahren verändert?

Robert: Es ist wieder politischer geworden. Als wir begonnen haben, war gerade die Hochblüte des Alltagskabaretts – politische Satire galt eher als altbacken oder kam oberlehrerhaft daher. Da hat sich seither viel getan, mit Stephen Colbert, John Oliver oder Jan Böhmermann haben sich die Grenzen zwischen Journalismus und Satire aufgelöst. Das ist jedenfalls besser, als wenn Politiker lustig sein wollen.

Peter: Derzeit wird im österreichischen Kabarett, vor allem im Fernsehen, das Jetzt meiner Meinung nach viel zu sehr ausgeblendet. Soziale Medien zum Beispiel sind Teil unseres Alltags und doch werden sie – wenn überhaupt – nur als etwas Absurdes eingebaut und dargestellt. Es wird zu oft Befindlichkeitskabarett gemacht, bei dem das Jetzt zu wenig vorkommt.

Auch ihr habt euch in den letzten 20 Jahren verändert – von der Subkultur zum Mainstream. Robert, du hast mal gesagt: Man kann nicht ein Leben lang als Pirat durch die Welt segeln. Peter, du sagst aber, ihr haltet die Punk-Einstellung nach wie vor hoch. Ist es auch jetzt noch immer so, dass euch niemand dreinredet oder euch künstlerisch einschränkt?

Robert: Wir würden es längst nicht mehr machen und hätten wahrscheinlich nie damit begonnen, wenn nicht von Anfang an klar gewesen wäre, dass wir frei wählen und gestalten können.

Peter: Und alle wissen, dass sie sich auf uns verlassen können. Auch wenn wir mal zwei Stunden vor der Aufzeichnung noch nichts haben, bis zur Aufzeichnung haben wir es immer noch geschafft. Wir sind Punks und trotzdem total verlässlich.


Die nächsten Auftritte von maschek in der Nähe

• 17. März, 19.30 Uhr, Kulturzentrum Oberschützen

• 18. März, 19.30 Uhr, Kulturzentrum Eisenstadt

• 19. März, 20 Uhr, Wien, Rabenhof Theater

• 22. April, 20 Uhr, Wien, Rabenhof Theater

• 28. April, 20 Uhr, Wien, Rabenhof Theater

• 29. April, 20 Uhr, Wien, Rabenhof Theater

Alle weiteren Termine unter www.maschek.org


WORDRAP mit maschek

 

 

Unser Magazin wird überwiegend von Frauen gelesen. Habt ihr eine Botschaft an unsere weiblichen Leserinnen?

Peter: Lasst euch von Männern nicht die Welt erklären.

Robert: Lasst euch nichts gefallen von den Männern.


Worüber könnt ihr am meisten lachen?

Peter: Über Unerwartetes.

Robert: Wenn ich in einer Aufzeichnung ernst bleiben muss.


Worüber könnt ihr euch maßlos ärgern?

Robert: Über blede Leit’.

Peter: Über Menschen, die nicht Verantwortung für das übernehmen, was sie verantworten sollten.

Robert: Also blede Leit’.


Mit welchen drei Wörtern würdet ihr euch selbst beschreiben?

Peter: Jung, sexy, wohlriechend

Robert: Rede über alles


Was konntet ihr bisher über die Menschen lernen?

Peter: Dass es gute und schlechte gibt.

Robert: Kennst du den Witz: Treffen sich zwei Planeten, sagt der eine: „Wie geht’s?“ Sagt der andere: „Nicht so gut, ich hab Menschen.“ Sagt der eine: „Das hatte ich auch, das geht vorbei.“ Ich bin eher pessimistisch und versuche, das zu genießen, was ich selbst bestimmen kann. Ich habe wenig Vertrauen in die Menschheit als Ganzes. Oje, ein bitteres Schlusswort.