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People | 11.03.2022

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@malentschi hat mehr als 365.300 Follower auf TikTok, rund 41.000 auf Instagram. Mit 14 zieht Marlene von Illmitz nach Wien und wird zum Star. Wir treffen sie dort, wo sie trotzdem zu Hause ist.

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© Barbara Amon

Vorurteile sind keine schöne Sache, komplett frei davon ist aber niemand von uns. Umso schöner ist es, sie zu entlarven. Was wissen Sie so über Influencer*innen? Stammt Ihre Info aus erster Hand? Gehört man nicht klar zur Zielgruppe, also zur Generation Z, läuft man leicht Gefahr – die Autorin dieser Zeilen nimmt sich nicht heraus –, sich eine Meinung über ein Berufsbild oder noch schlimmer, über Menschen zu bilden, die man nicht kennt. Zugegeben, Marlene Loos alias @malentschi erfüllt ein paar Klischees. Auf den ersten Blick sind da spektakuläre Wimpern, perfektes Make-up und extravagante Nägel. Doch dann dürfen wir in einem Illmitzer Hof, wo Hendl und Hasen frei herumlaufen, eine junge Frau kennenlernen, die herzlich und offen ist und es mit dem Feminismus verdammt ernst meint. Sie war zwölf Jahre jung, als sie „musical.ly“, quasi den Vorgänger der Social-­Media-Plattform „TikTok“, kennenlernte. Videos drehen in Kombination mit Musik, das mochte sie auf Anhieb, erzählt sie in der elterlichen Küche, wo Mamas Bohnensuppe die Nase kitzelt; Papa bringt die Semmeln dazu. Was sie mit einem „CRO“-Song begann, ist heute ihr Beruf: Marlene Loos ist Influencerin, parallel dazu macht sie die Modeschule in der Wiener Herbststraße. Mit klaren Zielen: Sie will in die Model- und in die Modewelt. Vertieft man sich in ihre 18 Jahre junge Biografie, kommt man bald zur Erkenntnis: Die Älteste von drei Geschwistern zieht die Dinge durch, die sie sich vornimmt.

 


BURGENLÄNDERIN: Du bist mit 14 Jahren nach Wien gezogen. Wie ging das?

Marlene Loos: Ich hab’ mein Zeugnis genommen, meine Sachen gepackt und bin zu meiner Tante nach Wien (lacht).

Michaela Loos (Mama): Meine Schwester hat mich angerufen und mich gefragt: „Was glaubst du, wer bei mir ist?“ – Marlene hat sich einfach nach Wien bringen lassen, um in die Wohnung neben meiner Schwester einzuziehen.

Marlene: Man muss aber auch dazusagen, dass ich schon mit zwölf allein mit dem Zug nach Wien gefahren bin.

Michaela: Meine Kinder durften sehr frei aufwachsen.

Marlene: Mama hat mir da echt sehr vertraut. Wobei ich mir das mit Wien gar nicht so vorstellen kann, wo meine Schwester grad 14 Jahre alt ist (lacht).

Wie hast du Wien erlebt?

Marlene: Neue Stadt, neue Schule, neue Freund*innen, neuer Job – ich hab’ mich frei gefühlt. Hart war’s auch. Ich hab’ entschieden, wenn ich schon ausziehe, dann will ich auch für mich selbst sorgen. Ich habe das bewusst als Challenge für mich gesehen, dafür habe ich auch viele Minijobs gemacht.

 

Very supporting. So beschreibt Marlene ihre Eltern. Wenngleich sie anfangs nicht wussten, was die Tochter genau macht …

 

… und du hast schon neben der Schule auch als Influencerin Geld verdient?

Genau, anfangs waren das kleine Beträge, 10, 20 Euro pro Live-Stream, das wurde dann immer mehr.

Wie hast du das alles abgewickelt – mit einem Management?

Ich habe viele Leute kennengelernt, bald war der Großteil meines Freundeskreises aus der Influencer-Szene, ein Freund hat mir dann ein Management empfohlen. Das ist eine witzige Story: Dort habe ich dann einfach mit 14 angerufen und gesagt: Ich will Influencerin werden. – Und die so: „Okay, komm vorbei.“

Seither bist du Influencerin. Wie verdienst du konkret dein Geld?

Mal teste ich Produkte, stelle sie vor, mal werde ich zu Events eingeladen. Die Kooperationen sind sehr unterschiedlich. Es hat sich auch viel geändert; vieles würde ich heute nicht mehr machen. Ich lebe heute vegetarisch, möchte vegan werden und bin bemüht, möglichst nachhaltige Produkte vorzustellen. Ich manage mich seit Kurzem auch selbst.

Frau Loos, wie haben Sie diese ganze Entwicklung erlebt?

Michaela: Zu Beginn konnte ich nichts damit anfangen. Wenn mich Marlene gefragt hat: „Meinst, Mama, werde ich berühmt?“, habe ich immer gesagt: Sicher. Ich wollte ihr nicht die Illusion nehmen, geglaubt hab’ ich’s nicht (lacht).

Marlene: Gut zu wissen! (lacht)

Michaela: Ich bin hinter ihr gestanden und hab’ nicht gesagt: Tu das nicht.

Marlene: Sie war immer super, ist mit mir bei Minusgraden zum Neusiedler See, um Videos zu drehen.

 

… „sind wir immer hinter ihr gestanden“, sagt ihre Mama. Wenn sie mit dem ältesten ihrer drei Kids unterwegs ist, hat sie sich zumindest an zwei Dinge gewöhnt: viel zu filmen und oft erkannt zu werden.

 

Oh Gott, ich hab’ das Video gesehen: Baden im Winter. Sehr ehrgeizig! Konnten Sie sich vorstellen – bitte entschuldige, Marlene –, dass das ein Beruf sein soll?

Eine Freundin, die ausgebildete Schauspielerin und Tänzerin ist, hat einmal vor Jahren gesagt, dass sie das schlimm findet, dass Influencer nichts lernen, berühmt werden und viel verdienen, während viele ausgebildete Künstler am Hungertuch nagen. Aber heute sage ich: Die können was. Wenn sie nichts leisten würden, würde ihnen niemand folgen. Es ist nur eben etwas, womit unsere Generation weniger anfangen kann. Meine Eltern haben auch nicht verstanden, warum ich stundenlang vor Plattenspieler oder Radio gesessen bin.

Somit verfolgen Sie auch nicht penibel jeden neuen @malentschi-Beitrag?

Instagram schaue ich schon, das sind Fotos und kurze Videos. TikTok ist überhaupt nicht mehr meine Welt, da muss ich nicht rein. Mir wäre es auch furchtbar peinlich gewesen, wenn meine Eltern in die Disco mitgekommen wären (lacht).

Du bekommst viel positives Feedback von den Fans, aber von anderen auch mal negatives. Wie geht’s dir damit?

Marlene: Ich mache das seit sechs Jahren, man gewöhnt sich daran. Was ich nicht mag, ist, wenn andere mit reingezogen werden. Wenn es zum Beispiel heißt: „Wie kann dich deine Mutter so aus dem Haus gehen lassen?“ – Das greift meine Mama und ihre Erziehung an, das ist mir zu viel. Ich spreche oft über Feminismus, Gendern, LGBTQ-Themen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Anm.), Frauenkörper oder Veganismus, da kommen dann schon Kommentare oder persönliche Nachrichten, weil nicht alle meine Meinungen teilen, aber da bin ich sehr chillig geworden.

Siehst du dich als Feministin?

Auf jeden Fall, ich bin für die Gleichberechtigung. Es ist noch nicht mal lange her, dass Frauen wählen dürfen.

Du lenkst die Aufmerksamkeit auch aufs Thema sexuelle Belästigung, in einem Video erlebt man das quasi „live“ …

Vor Corona war ich viel in Wien auf Partys unterwegs und hab’ sehr viel erlebt; es ist einiges im Aufbruch, aber es ist noch immer schlimm, was Frauen, aber auch Männer erleben, wenn sie beispielsweise einfach die Straße entlanggehen, welche komischen Zurufe und Kommentare sie da hören. Bis heute macht es mich so sauer, dass ich nicht die Kraft hatte, weil ich eben ein 14-jähriges Mädchen war, mich vor „solche“ Männer hinzustellen und zu sagen: Ich bin stärker als du, lass mich in Ruhe. Sondern, dass ich weglaufen musste, weil ich keine andere Möglichkeit hatte.

***

Zu Schönem: Wie erlebst du es, wenn dich Fans auf der Straße ansprechen?

Marlene: Die sind unglaublich, die erkennen mich ungeschminkt und mit Maske, wenn nicht einmal ich mich selbst erkenne (lacht).

Michaela: Sie sagt auch, dass man sie immer für ein Selfie ansprechen kann, das ist ihr lieber, als ohne ihr Wissen fotografiert zu werden. Sie hat zum Glück keine Allüren.

Marlene: Wenn ich einen schlechten Tag hab’, sage ich das ehrlich, aber ich versuche, trotzdem freundlich zu sein. Meine Laune soll nicht die Laune von jemand anderem bestimmen, überhaupt wenn ich die Leute gar nicht kenne.

Du bist also richtig bodenständig geblieben, oder?

Marlene: Des tät i a moana (lacht).


1-Minute-Wordrap

Der schönste Tag … Sommertag!

Das bringt mich zum Lachen … lachende Menschen und gute Witze.

Das finde ich traurig … dass wir manche Dinge nicht so sehr schätzen und erst schätzen, wenn sie weg sind.

Das würde ich niemals tun … irgendjemanden schlagen und niemals mehr Fleisch essen, ohne es zu müssen.

Das wünsche ich mir für die Zukunft … glücklich sein.