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People | 12.05.2022

Gemeinsam in BUSINESS und PRIVAT

Anna und Renate sind nicht nur privat ein Herz und eine Seele, sondern auch beruflich: die erfolgreiche Tochter als Chefin, die loyale Mama als Angestellte – Business zwischen Berlin und Burgenland.

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Gemeinsam vermarkten Anna und Renate die Influencer-­Tätigkeiten von Anna sowie ihr eigenes Mode-Label „The Slow Label“. © Vanessa Hartmann

Als Anna-Laura Kummer vor zehn Jahren mit ihrem YouTube-Kanal startete, ahnte niemand, welch ein Erfolg daraus entstehen würde. Oder doch? „Anna wusste schon von klein auf genau, was sie will. Sie ist stark und fokussiert. Ich wusste immer, dass sie entweder mal einen tollen Job haben oder selbstständig sein wird. Daher war ihr Erfolg für mich keine Überraschung“, erzählt Renate Uhlmann während unseres Gesprächs am großen Esstisch im Haus der Familie in Mörbisch, wo Anna über Ostern ihre Heimat besucht und die Familienzeit genossen hat.


An der Online-Welt mochte Anna immer schon, „dass man dort so sein kann, wie man ist, und nicht unbedingt ein Klischee erfüllen muss, um erfolgreich zu sein.“ Von Klischee-Vorstellungen war jedoch ihre Kindheit geprägt. Ihre Eltern trennten sich, als sie zwei Jahre alt war. Sie und ihre Mutter Renate wurden ein starkes Zweiergespann, das das Leben mit all seinen Hürden gemeinsam meisterte. „Wir schauten oft ‚Gilmore Girls‘ und genau so habe ich Mama und mich auch immer gesehen“, erinnert sich die heute 26-Jährige. Und doch schwebte in ihrer Kindheit immer die Traumvorstellung vom Klischee einer intakten, „normalen“ Familie mit Vater, Mutter, Geschwister mit. Heute leben Anna und Renate glücklich das Patchwork-Familienmodell mit Halb- und Stiefgeschwistern, die verlorenen Träume der Kindheit sind gegessen und verdaut. Geblieben ist die starke Bindung, die sie früher als Mutter-Tochter-Duo aufgebaut haben und die jetzt die Basis für ihren Erfolg darstellt.

 

"Mir wurde bewusst, welchen Impact ich auf Leute habe mit dem, was ich zeige.", Anna-Laura Amenta  © Vanessa Hartmann



Impact & Fußabdruck

Als aus Annas Influencer-Business vor einigen Jahren mehr als nur Taschengeld-­Dazuverdienen wurde, bat sie ihre Mutter um tatkräftige Unterstützung. Für diese war das ein Wink des Schicksals, wollte sie sich doch ohnehin beruflich verändern. Und so wurde aus der Tochter die Chefin und aus der Mutter die Angestellte. Und bis heute ist diese Verbindung von Erfolg gekrönt. Nur das Business hat sich geändert. Was mit Handyhüllen-Design begann, passte schnell nicht mehr zu der jungen Frau, zu der Anna im Laufe der Jahre herangewachsen war. „Ich habe vieles in meinem Leben umgestellt. Seit sechs Jahren lebe ich vegan und bin auch sonst auf vieles aufmerksam geworden, das einen großen Einfluss auf meinen ökologischen Fußabdruck hat. Mir wurde bewusst, welchen Impact ich auf Leute habe mit dem, was ich zeige. Der Klimawandel ist ein riesiges Thema für unsere Generation. Das wusste ich immer. Doch zwischen Wissen und Tun ist ein großer Unterschied. Ich habe mich dann für das Tun entschieden.“ Die junge Designerin entwickelte ein Fashion-Label mit nachhaltiger und fair produzierter Kleidung: „The Slow Label“. Mit nunmehr drei Angestellten schupfen Mutter und Tochter das Business und versuchen, bei Familientreffen die Arbeit außen vor zu lassen. „Anna ist eine sehr gute Chefin und Managerin. Sie sagt, was sie möchte, lässt Kritik zu und übt sie selbst auch sehr kon­struktiv. Die Balance zwischen Mutter und Angestellte sein – das habe ich am Anfang lernen müssen. Auch, dass wir nicht immer nur über die Arbeit reden. Das ist wie in einer Ehe, wo die Partner zusammen arbeiten“, lacht Renate und blickt liebevoll zu ihrer Tochter. Man hat das Gefühl, die beiden verstehen sich blind. Die Ähnlichkeiten sind sowohl äußerlich zu sehen, als auch in ihren Werten und Einstellungen. Anna überzeugte ihre Mutter vom Veganismus. Heute ist sie nicht mehr missionarisch unterwegs und will die Leute nicht mehr bekehren. Doch die Tatsache, andere zu inspirieren, bleibt. Auch ihre jüngere Halbschwester Mona möchte einmal so erfolgreich werden wie ihre ältere Schwester.

 

"Anna weiß, was sie tut und dass sie sich zu 100 Prozent auf mich verlassen kann.", Renate Uhlmann  © Vanessa Hartmann



Von Kummer zu Amenta

Privat kann Anna ebenfalls an ihre beruflichen Erfolge anknüpfen. 2017 lernte sie in Texas bei einer Marketing-Konferenz ihren jetzigen Ehemann kennen. Sie war dort als Influencerin, er als Repräsentant einer Modefirma. Als Paar suchten die beiden 2019 nach einer gemeinsamen Homebase und wählten dafür Berlin. „Die Stadt ist international und pulsierend. Dort haben wir unseren vorübergehenden Wohnort gefunden und sind sehr happy damit.“ 2021 hat das Paar geheiratet und aus Anna-Laura Kummer wurde Anna-Laura Amenta. Auf die Frage, wie es denn der Mutter damit gehe, dass die Tochter nun Hunderte Kilometer weit weg wohnt, reagiert diese gelassen: „Anna war schon immer viel weg. Nach der Oberstufe ging sie in die Modeschule nach Wien, dann für ein Highschool-Jahr nach Amerika. Nach der Matura wohnte sie in Wien und bereiste von dort die ganze Welt.“ Heute arbeitet Anna (und das gesamte Team von „The Slow Label“) „remote“ (Anm.: nicht an einen Ort gebunden), verteilt in Deutschland und Österreich vernetzt man sich täglich mit Online-Tools. Verkauft wird EU-weit via Online-Shop, die meisten Kundinnen kommen jedoch aus dem deutschsprachigen Raum. Wien steht bei den Städten an erster Stelle, daher wurde dort auch im letzten Winter erstmalig „Retail“ vertrieben, also via Einzelhandel, im Pop-up-Modell für zwei Monate. Eine baldige Fortsetzung davon folgt.

 

© Vanessa Hartmann



Werte & Bedürfnisse

Und weil auch Annas Tag nur 24 Stunden hat, muss sie diese zwischen ihren vielfältigen Tätigkeiten als Mode-Designerin, Influencerin und Bloggerin aufteilen. „Es ist derzeit sehr schwierig. Ich investiere fast 80 Prozent meiner Zeit in ‚The Slow Label‘. Daneben versuche ich, meinen Instagram- und YouTube-­Kanal nicht zu vernachlässigen. Ein Modelabel zu führen ist teuer, der Geldfluss ist unregelmäßig und man muss sehr viel in Vorleistung gehen. Zudem haben wir viel geringere Margen als so mancher Fast-Fashion-Produzent, weil unsere Produktionskosten viel höher sind. Aber diese Werte sind mir wichtig und daher stecke ich da jetzt am Anfang meine persönlichen Bedürfnisse zurück, bis das Unternehmen noch größer gewachsen ist.“ Und wenn das so wächst wie ihre Influencer-Kanäle, dann braucht Anna keine Bedenken zu haben. Davon ist auch Mama Renate überzeugt: „Sie weiß, was sie tut – und sie weiß, dass sie sich zu 100 Prozent auf mich verlassen kann. Ich bin ihr auch sehr dankbar, meine Lebensqualität hat sich seit unserer Zusammenarbeit immens verbessert. Anna inspiriert mich und ich bin sehr stolz auf das, was sie macht und wofür sie steht.“


Instagram: annalaurakummer, theslowlabel

Youtube: annalaurakummer

www.theslowlabel.com