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People | 16.05.2022

Ganz schön viele offene Türen

Instrumentalunterricht, Fußball, Reiten: Susanne Schmid wollte den Kids möglichst viele Wünsche erfüllen. Florentin ist heute Musiker und Produzent, Johannes lebt als Singer-Songwriter in Deutschland.

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Strahlendes Trio. Susanne mit Flo und Johannes in Kindertagen. © privat

Wozu mit der Pointe warten, wir schicken sie gleich einmal vo­raus: „Ich wollte eigentlich nie Kinder“, lacht Susanne Schmid im Gespräch. Dieses Geständnis ist umso witziger, wenn man die Mutter zweier Söhne ein bisschen näher kennenlernt.Das Energiebündel aus Schattendorf geht heute nämlich förmlich über vor lauter Glück als Mutter und vor lauter Stolz über ihre Söhne. Vor wenigen Jahren ließ sie mit sehr echten Tränen ein Millionenpublikum daran teilhaben, als Johannes, der Ältere, bei der Pro7/Sat1-Castingshow „The Voice of Germany“ triumphierte (empfehlenswert zum Nachsehen und -hören, einfach „Johannes Pinter, Voice of Germany“ googeln).

 

Motiviert. Susanne erweitert laufend „ihr Portfolio“: Kürzlich begann sie mit Flo mit dem Bogenschießen (Location: www.bogen-und-pfeil.at).

 


Der 24-jährige Singer-Songwriter lebt mittlerweile seit Jahren in Mannheim und studiert an der Popakademie. Parallel dazu tritt er unter anderem regelmäßig als Sänger in „Sounds of Holly­wood“ mit der Vogtland Philharmonie auf und arbeitet ehrgeizig an seiner Solo­karriere. Dank einer Förderung will er im September eine EP herausbringen, erst Ende April erschien eine weitere neue Single: „Heartbreak Stock Ex­change“. Jedes Mal, wenn Lockdowns seinen Konzertkalender leerfegten, legte er den Fokus darauf, an seinem neuen Stil zu arbeiten: „Meine Musik ist ein bisschen melancholischer, reifer geworden“, beschreibt der Mann mit dem sängerischen Können, über den Mark Forster bei „The Voice“ sagte, er hätte den bis dahin stärksten Auftritt überhaupt geliefert. Musik macht auch sein jüngerer Bruder Florentin, 20. Und zwar auf mehreren Schienen. Er spielt verschiedene Instrumente, das Schlagzeug rückte schließlich in den Mittelpunkt. Seine Formation „Up ­Close“ gewann 2021 den „Headliner“, den Bandwettbewerb des Radiosenders 88,6. Ebenfalls Ende April kam der neue Song  „Boom“ heraus. Florentin zieht gerade mit Gleichgesinnten ein neues Studio in Wiener Neustadt auf, das sozusagen als All-inclusive-Kreativzentrum fungieren soll, bei dem man Künstler*innen ein Gesamtpaket bieten will, die Neues veröffentlichen möchten. Außerdem entwickelte er mit seinem langjährigen Musikerfreund David Tristan und jungen Software-Spezialisten aus Deutschland die App „ilioamusic“ für gebührenfreie Hintergrundmusik für Gastronomie, Hotellerie und Co. „Wir arbeiten seit gut drei, vier Jahren daran und haben selbst die Musik dafür produziert. Unsere Kund*innen können zwischen zig Playlists mit unterschiedlicher Atmosphäre wählen“, beschreibt er.

 

Pinter-Brüder
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Johannes arbeitet an seiner Solo-Karriere alias Aron Pinter.

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"Unsere Mutter ist immer offen für neue Ideen und überlegt sofort, wie man sie umsetzt."

Florentin ist Schlagzeuger bei „Up Close“.

Fotos Busy Shutters, Manuela Hall, Matthias Schultner

High nach der Geburt

Susanne Schmid strahlt, als sie beim Interview ihren Söhnen lauscht. Dass sie keine Mutter werden wollte, stand für sie lange fest; einen Partner habe sie in jungen Jahren sogar vor allem deswegen verlassen, weil ihr seine Familienpläne zu bunt wurden. Dann traf sie den Musiker Jonny Pinter und die Karten wurden neu gemischt. „Mit 37 bekam ich Johannes, als Flo kam, war ich schon 40“, erzählt sie. Susanne Schmid hatte im Vorfeld große Angst vor der Geburt, doch kaum waren die Entbindungen überstanden, „war ich jedes Mal wie high“, sagt sie. Das vielfach prognostizierte Tief kam nie, sie war einfach glücklich. Sie machte zuvor Weinmarketing; neben Jonnys unregelmäßigen Arbeitszeiten empfand sie es als Erleichterung, zunächst bei den Kids bleiben zu können. Schritt für Schritt wuchs sie parallel in seine Projekte hinein; er initiierte eine Reihe von Vokalakademien, die sie mit vereinten Kräften aufbauten. Dazu zählt ­unter anderem die bis heute erfolgreiche Vokalsommerakademie Eisenstadt (heuer von 21. bis 30. Juli). Sie zeichnet für Organisation und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und wirkt auch als aktive Teilnehmerin immer wieder mit. Schließlich hatte die klassisch gebildete Sängerin in jungen Jahren selbst von einer Bühnenkarriere geträumt. Während ihr aber Steine in den Weg gelegt wurden, wollte sie ihren Söhnen mit den schönsten Steinen den Weg zu ihren Visionen pflastern. „Wir haben die ersten Jahre in Wien gelebt, ich bin mit den beiden zu allen möglichen Kursen gepilgert.“ Sie öffnete ihnen damit viele Türen, das neu Entdeckte und später Erlernte konnten sie gemeinsam mit ihrem Vater professionalisieren, beschreibt sie. Die Burschen wurden auf vielen Ebenen gefördert: Sie lernten teilweise mehrere Instrumente parallel, ehe sich ihre Schwerpunkte herauskristallisierten. Zu kurz sollten auch die Outdoor-­Tätigkeiten nicht kommen; während Susanne Florentin fleißig bei Fußball-­Matches anfeuerte, ging Johannes beim Reiten auf. „Manchmal war ich auch überfordert, es braucht eben wirklich ein ganzes Dorf, um Kinder großzuziehen“, erinnert sie sich. Später zieht die Familie nach Schattendorf, in Jonnys Heimatregion. „Wir konnten viel draußen, auch mit Tieren aufwachsen; super war auch, dass wir unsere Großeltern und Cousins in der Nähe hatten“, erzählt Flo. „Dieses Leben am Land gab mir insgesamt mehr Bodenständigkeit, es machte mich irgendwie cooler“, lacht Johannes.


Reflektiert

Auf die Coolness müssten sich aber beide ab und an bewusst besinnen, reflektieren die Brüder ehrlich. Manchmal stünden ihnen Selbstzweifel im Weg. „Vielleicht weil ich als sogenannte Spätgebärende ängstlicher war“, grübelt Susanne Schmid.
Hingegen war sie stets für jeden Spaß  zu haben. Sie machte mit den Burschen Lagerfeuer, ging mit ihnen angeln und mit Flo lernte sie erst kürzlich Bogenschießen. „Man kann immer mit einer neuen Idee bei ihr ankommen, das taugt ihr“, erzählt Flo. „Sie motiviert sofort, die nächsten Schritte zu gehen.“ „Mir war immer wichtig, dass meine Kinder viel ausprobieren können“, sagt Susanne Schmid. Dabei pfiff sie auf gesellschaftliche Konventionen, niemals hätte sie den Söhnen davon abgeraten, musikalische Karrieren einzuschlagen. Dass die Jungs nun ausschwirren, Johannes gleich nach Deutschland, damit käme sie gut klar. „Ich hab’s mir schlimmer vorgestellt, aber ich bin auch froh, dass Flo noch hier ist“, schmunzelt sie.