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People | 26.05.2022

Die Designwinzerin

Sie vereint Leidenschaft und Emotion mit Design und Natur. Sonja Frischmann ist Winzerin mit einer außergewöhnlichen Liebe zur Natur und zu alten Traditionen. Im Gespräch verrät sie uns das Geheimnis ihres fröhlichen Naturells und ihres besonderen Weins.

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© van der Werf

Schon als kleines Kind stand sie mit ihren Eltern und Groß­eltern im Weingarten – damals hat es nicht immer Spaß gemacht. Bei Wind und Wetter im Weingarten mitzuhelfen, zählt nicht unbedingt zu den Lieblingsbeschäftigungen eines Kindes. Aber was sie schon damals fasziniert hat und was sie bis heute nicht vergessen hat, sind all die Geschichten, die früher im Weingarten von ihren Familienmitgliedern erzählt wurden. Wie früher mit dem im Wasser eingeweichten Stroh die Reben gebunden wurden und der Wein im Keller heranreifen durfte. Als sie ihren Mann kennenlernte, entdeckte sie durch und mit ihm auch wieder die Liebe zum Handwerk und zur Natur. Ohne viel Technik und Chichi bewirtschaften sie heute biologisch gemeinsam rund drei Hektar Weingärten. Von ihrem Brotjob im öffentlichen Dienst hat sich Sonja nun vor Kurzem eine Auszeit genommen, um sich voll und ganz auf ihre Leidenschaft zu konzentrieren: Wein machen und Leute kulinarisch verwöhnen und glücklich machen. Das Konzept dafür ist ein gutes und ungewöhnliches. Noch dazu steht Sonjas berufliches Leben auf mehreren Standbeinen – keines davon sieht sie als Arbeit. Sie machte einfach ihre Hobbys und Interessen zu ihrem Beruf. Ihre Liebe zur Natur und zu altem Handwerk und Traditionen vereint sich in ihrem Tagesablauf. Einerseits schöpft sie viel im Weingarten und Weinkeller, andererseits bewirtet sie ihre Gäste beim einmaligen Weinschaukeln oder verwöhnt ihre Kund*innen mit selbstgemachten Produkten oder gibt ihr Wissen als Kräuterpädagogin weiter. Künftig wird sie auch Paare in ihrer „Winzerie“ in einer Ferienwohnung beherbergen, die sich eine Auszeit vom Alltag nehmen wollen, um die inneren Akkus wieder aufzuladen.

 

"Wenn ein Naturprodukt immer gleich schmeckt, ist es kein Naturprodukt.", Sonja Frischmann, Winzerin © van der Werf

 


Im Gespräch mit Sonja gibt es keine überladenen Fachbegriffe von Abgang, Tannine und Säuregehalt. Ihre Weine gedeihen jedes Jahr mit der Natur und dem Klima und schmecken daher auch jedes Jahr anders. Sie arbeitet biologisch und nach den Mondphasen – sie lässt jedem Wein viel Zeit, um zu reifen, bis er in die Flasche kommt. „Wenn ein Naturprodukt immer gleich schmeckt, ist es kein Naturprodukt. Bei meinen Weinen schmeckst du natürlich die Rebsorte, aber trotzdem empfinde ich und auch meine Kund*innen den Wein jedes Jahr anders. Man schmeckt, wenn ein Jahr mehr Sonnenstunden oder mehr Regen hatte. Ich liebe es, die Menschen jedes Jahr aufs Neue mit meinen Weinen zu überraschen.“ Überrascht sein werden ihre Gäste auch, wenn sie ab Mai die Ferienwohnung (drei weitere sollen im nächsten Jahr folgen) beziehen können. Der über 100 Jahre alte Streckhof wird schrittweise liebevoll renoviert, das alte Baumaterial wiederverwendet und neu aufgebaut. „Menschen zu verwöhnen und sie glücklich zu machen, ist mein Herzenswunsch. Das Weinschaukeln und ein Aufenthalt in unserer Ferienwohnung und Winzerie erdet meine Gäste und macht sie wieder ausgeglichen und fröhlich. Aufgrund der vielen Rückmeldungen weiß ich, dass ich hier den richtigen Weg gefunden habe.“ Und das Fröhlichsein scheint Sonja gepachtet zu haben. Ihr sonniges Gemüt kommt nicht von ungefähr. Sie fühlt sich angekommen in ihrem Leben, tut das, was sie liebt, und das zaubert ihr jeden Tag ein Lächeln auf ihr Gesicht. „Ich begegne jedem Menschen mit Frohsinn. Wenn jemand grantelt, denke ich mir immer, der hat einen Grund dazu, der wahrscheinlich nichts mit mir zu tun hat. Und wenn ich ihm helfen kann, seinen Dampf abzulassen, dann ist es halt so. Ich bekomme bei jeder Begegnung mit Leuten so viel zurück und lerne immer dazu. All das erdet mich und diese Erdung will ich auch an meine Gäste und Kund*innen weitergeben.“ Ein Auge für Design ist ihr dabei besonders wichtig. Sosehr sie die Verschönerung beim Weinmachen weglässt, so sehr fügt sie sie rundherum hinzu: beim Design der Flaschen und Etiketten, beim Ausstatten der Weinschaukeln-Termine und der Ferienwohnung. Die Liebe zu Design begleitet sie durch all ihre Tätigkeiten.

 

© van der Werf

 


Beim von ihr kreierten Weinschaukeln will Sonja zeigen, wie viele Lebensmittel es gibt, die die Natur einfach so herschenkt und die sowohl überraschen als auch bezaubern können. Als Kräuterpädagogin verarbeitet sie sämtliche Wildkräuter aus ihren biologisch bewirtschafteten Weingärten und macht aus ihnen Pestos, Öle, Chutneys, Salz, Weine und vieles mehr. Auf einer eigens dafür angefertigten Schaukel mitten in den Weinbergen können ihre Gäste den Alltag hinter sich und sich kulinarisch verwöhnen lassen. Dass auch ihre Weine von Hand gelesen werden, versteht sich von selbst, ebenso die Abfüllung und die Etiketten werden in Handarbeit gemacht. Das Ergebnis sind Weine, die überraschen. „Heutzutage werden viele Weine einfach nur mehr auf ‚kundenfreundlich‘ getrimmt. Dabei geht oft der Charakter des Weins verloren. Ich liebe es, Leute geschmacklich positiv zu überraschen und zu erstaunen.“

 

© van der Werf

 


Ihre drei Kinder sind schon aus dem Gröbsten raus (20, 17 und 13 Jahre) und unterstützen ihre Mama, wo sie nur können. „Nach all den Jahren kann ich mich nun endlich auch um meine Bedürfnisse und meinen Herzenswunsch kümmern: mit Menschen zu arbeiten, ihnen Wissen zu vermitteln und sie rundum zu versorgen, sowohl kulinarisch als auch mit guten Gesprächen und ganz viel Feingefühl. Meine Kinder sind dabei eine große Stütze und es erfüllt mich jedes Mal mit Stolz, wenn ich ihnen dabei zusehe, wie sie sowohl ihr Leben meistern, als auch meines bereichern.“

www.designwinzerin.at