Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 03.06.2022

Ein Gespür für die Menschen haben

Der Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner und seine Frau Andrea sind das Dream-Team an der Spitze der kleinsten Großstadt der Welt. Wir trafen sie zu einem persönlichen Interview und stellten neugierige Fragen.

Bild _2206_B_steiner-3.jpg
Im Gleichschritt durchs Leben: Bgm. Thomas Steiner und seine Frau Andrea © Vanessa Hartmann

Sie wirken fast wie ein Pärchen aus einem romantischen Liebesfilm. Und doch wird einem beim Gegenübersitzen bewusst: Bei diesem Paar ist nichts gespielt. Sie lächeln sich an, als hätten sie sich erst gestern ineinander verliebt, lachen und scherzen gemeinsam und stehen fest Seite an Seite im Leben – mit viel Vertrauen, Unterstützung und Hingabe.


BURGENLÄNDERIN: Ihr wirkt immer noch wie frisch verliebt. Wie habt ihr euch kennen und lieben gelernt?

Andrea Steiner: Ich bin aus Stotzing, Thomas ist aus Loretto, durch diese Nähe haben wir uns schon gekannt, bevor wir ein Paar wurden. Bei uns in Stotzing gab es damals eine tolle und weit über die Ortsgrenzen beliebte Disco, zu Silvester 1986 haben wir uns dort ineinander verliebt und sind zusammengekommen.

Thomas: Geheiratet haben wir dann am 30. Mai 1992 – ich bin schon gespannt, was ich heuer zum 30. Hochzeitstag bekomme (lacht).

Andrea: Zum Hochzeitstag bekommt die Frau Geschenke, also darf ich schon gespannt sein!

Thomas: Ich dachte, ab dem 30. ist das dann umgekehrt (beide lachen).

War Thomas da schon Politiker?

Andrea: Nein, er hat noch studiert.

Thomas: Ich war bereits in der Jungen ÖVP, aber nicht an vorderster Front. Mein ursprünglicher Plan war, Anwalt zu werden. Dann hat es sich nach dem Studium ergeben, dass der ÖVP Landtagsklub einen Juristen gesucht hat, so kam ich näher zur Politik. 1992 sind Andrea und ich nach Eisenstadt in die Wohnung gezogen, in der wir auch heute noch leben. 2007 habe ich dann bei der Gemeinderatswahl kandidiert und wurde in den Gemeinderat gewählt. Als Bürgermeisterin Andrea Fraunschiel 2011 zurücktrat, war die Frage, wer das Amt übernimmt. Ich wurde daraufhin vom Gemeinderat gewählt. 2012 folgte die erste Volkswahl, bei der ich bestätigt wurde.


Bei Veranstaltungen seid ihr oft gemeinsam anzutreffen. Andrea, war es für dich nie ein Problem, derart in der Öffentlichkeit zu stehen?

Andrea: Im Gegenteil – ich begleite Thomas sehr gerne zu Veranstaltungen, liebe es, unter Menschen zu sein und neue Leute kennenzulernen. Vor allem seit unser Sohn erwachsen ist, mag ich die Abwechslung sehr gerne sowie auch meinen 30-Stunden-Job als Angestellte bei einem Versicherungsmakler.


Bleibt bei eurem vollen Termin­kalender noch Zeit für gemeinsame Hob­bys?

Thomas: Wir haben gemeinsame Hobbys, üben sie aber meist getrennt aus (beide lachen). Beim Laufen zum Beispiel kommen wir meist mit der Zeit nicht zusammen.

Andrea: Und er ist mir meist zu schnell. Aber sonst schauen wir schon, dass wir die private Zeit gemeinsam verbringen: Kultur, Konzerte, Freunde treffen, im Wald spazieren gehen.

Thomas: Geselligkeit, Natur und Sporteln sind unsere gemeinsamen Leidenschaften. Zu unseren fixen Reisen zählen jedes Jahr Rovinj und das Tenniscamp in Rabac (Anm: beides in Kroatien).


Thomas muss im Job viele Entscheidungen treffen, die Führung übernehmen. Wie haltet ihr das privat zu Hause?

Andrea: Um den privaten Kleinkram kümmere ich mich meist. Wenn größere Entscheidungen zu treffen sind, beraten wir uns gemeinsam, aber hauptverantwortlich für den privaten Bereich bin ich.

Thomas: Und das ist auch gut so. Ich muss sagen, privat läuft eigentlich alles in geordneten Bahnen, da gab es noch nie gröbere Probleme.


Andrea, wie würdest du Thomas einer fremden Person beschreiben, die ihn nicht kennt?

Thomas: Das ist eine Fangfrage, pass auf! (lacht)

Andrea: Wenn man verliebt ist, kann man das schlecht objektiv beurteilen. Wir sind im Laufe der Zeit wirklich zusammengewachsen. Am meisten liebe ich an ihm, dass er der absolute Familienmensch ist. Ich weiß, dass wir immer an erster Stelle für ihn stehen. Und das für alle Zukunft. Wir haben vollstes Vertrauen zueinander, das über die Jahre gewachsen ist.


Und umgekehrt, Thomas?

Thomas: Andrea hat viele tolle Eigenschaften. Wir haben ein sehr harmonisches Miteinander in der gesamten Familie. Für mich ist auch Andreas Organisationstalent wichtig, das sie jeden Tag beweist. Aber ich dachte eigentlich, sie nennt als meine beste Eigenschaft, dass ich witzig bin. (lacht)

Andrea: Ja, das stimmt auch! Die gleiche Art von Humor ist etwas ganz Essenzielles.

Thomas: Und auch, dass man über sich selbst lachen kann.

Das Dream-Team
Bild 2206_B_steiner-4.jpg

"Wichtig ist, auch schwierige Zeiten miteinander durchzustehen – beruflich und privat."

Bgm. Thomas Steiner

Bild 2206_B_steiner-1.jpg

"Wir haben vollstes Vertrauen zueinander, das über die Jahre gewachsen ist."

Andrea Steiner

Geht es im Rathaus auch immer so lustig zu?

Thomas: Es gibt Zeiten, wo es lockerer ist und man mehr Schmäh führen kann, und manchmal gibt es ernstere Sachen zu bewältigen. Die Mischung macht es aus, wie überall. Wichtig dabei ist, dass man auch schwierige Zeiten miteinander durchstehen kann, sowohl beruflich als auch privat.


Was war beruflich gesehen eine der schwierigsten Herausforderungen in den letzten Jahren?

Thomas: Da gab es eine Menge, bei denen man sich auf die Leute einstellen, einen Blick für ihre Bedürfnisse haben musste. Zum Beispiel 2015 bei der Flüchtlingswelle, als wir ein Zeltdorf für 200 bis 300 Flüchtlinge organisierten und die Leute integrierten – und darauf achteten, dass die Einheimischen nicht verunsichert sind. Auch bei der Ukraine-Krise haben wir schon oft versucht, über das Außenministerium Einzelschicksale zu regeln und zu helfen. Es gab auch Projekte, die finanziell ein Risiko waren. Wenn ich an den Stadtbus denke: Im Vorfeld war nicht klar, ob das funktionieren wird und ob wir nicht Millionen Euro in den Sand setzen. Jetzt im Nachhinein können wir sagen, es funktioniert super.


Bist du eher der impulsive Entscheider oder der lange Abwäger? Und wie gehst du mit Rückschlägen um?

Thomas: Ich überlege sehr viel, versuche alle Eventualitäten abzuwiegen. Aber wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann ziehe ich das durch, soweit es in meinen Möglichkeiten liegt – und da gehe ich auch schon mal ein Risiko ein. Natürlich gelingt nicht immer alles. Rückschläge muss man zur Kenntnis nehmen und ihnen etwas Positives abgewinnen. Es gab auch Projekte, an denen wir gescheitert sind, aber am Ende gab es immer eine Erkenntnis, wofür es gut war.


Was können sich die Menschen von einer eventuell neuen Periode eines Bürgermeisters Thomas Steiner erwarten?

Thomas: Uns ist bis jetzt vieles gelungen, aber wichtig ist, dass die Menschen einem zutrauen und vertrauen, die Stadt führen zu können, dass man ein Gespür für die Leute hat. Die Prioritäten der Menschen ändern sich im Laufe der Zeit. Vor zehn Jahren war ein großes Thema der Zustand der Straßen, das haben wir erledigt. Heute geht es um Klimaschutz, Grünraum bewahren – wir versuchen mit dem Stadtbaukonzept mit Freiräumen und Grün­flächen unseren Beitrag zu leisten.


Würdest du dich als Feminist sehen?

Thomas: Natürlich bin ich der Meinung, dass keine Diskriminierung stattfinden soll. Ich weiß, dass es für Frauen schwieriger ist, nach oben zu kommen, egal ob im Beruf oder in der Politik. Die Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen, ist ein Einschnitt, der die Karriere über Jahre hinweg behindern kann. Aber mittlerweile hat sich das ein bisschen geändert. Wenn Frauen wollen und sich die Zeit nehmen für ihre Karriere, ist das möglich. Als ich im Rathaus anfing, gab es kaum Frauen in Führungspositionen, mittlerweile haben wir eine Parität zwischen den Geschlechtern, 50 : 50. Dazu tragen auch viel die politischen Rahmenbedingungen bei. Kinderbetreuung wird heute anders gelebt und gesehen als noch vor Jahrzehnten. Meine Vorgängerin hat damit zu Zeiten begonnen, wo viele noch gar nicht wussten, wie wichtig Kinderbetreuung ist. Und jetzt haben wir alleine in den letzten drei Jahren zwei neue Kindergärten eröffnet. Da ist viel in Bewegung und wird es in Zukunft auch sein, denn der Bedarf steigt immer weiter.