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People | 13.06.2022

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Schon klar, immer geht sich die große Erfüllung im Job nicht aus. Aber erstrebenswert ist sie definitiv, verbringen wir doch rund ein Drittel unseres Lebens arbeitend, weiß Koach Katja.

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Katja Radlgruber alias „Koach Katja“ © Vanessa Hartmann

Kennen Sie das: Eine leitende Position wird ausgeschrieben, die Beschreibung scheint wie maßgeschneidert für Sie zu sein, aber während Sie noch grübeln, ob Ihre Englisch-Kenntnisse gut genug sind, prescht ein Kollege, der die Abteilung quasi aus dem Firmennewsletter kennt, selbstbewusst mit seiner Bewerbung vor. „Das belegen sogar Studien: Frauen neigen im Bewerbungsprozess statistisch zu einem Underconfidence-Bias, also dazu, sich selbst zu unterschätzen, Männer zu einem Overconfidence-Bias bzw. zur Selbstüberschätzung“, weiß Katja Radlgruber.  Sich solche Dinge bewusst zu machen, sei der erste Schritt in die richtige Richtung. Alias Koach Katja spezialisierte sich die gebürtige Südburgenländerin   – ihr Office hat sie heute in Wien – auf das Karriere-Coaching von Frauen.

 BURGENLÄNDERIN: Wieso Karriere-Coaching, was magst du daran?

Katja Radlgruber: Ich bin durch und durch ein Genussmensch: die Lebensfreude! Bei Karriere geht es nicht nur um Geld und Status, sondern darum, die Leidenschaft in der eigenen Karriere zu entdecken und zu leben, authentisch zu sein und auch Spaß am Wachstum, am Lernen, an Weiterbildung zu haben. Es geht nicht darum, Lücken aus dem Privatleben zu füllen oder mit Geld zu ersetzen, sondern darum, sein Leben zu gestalten.

Du bist jung und fällst sofort mit deinem charmant-taffen Auftreten auf. Hat dir das das Universum geschenkt?

(lacht) Ich hab’ früh einen positiven Glaubenssatz gefasst: Ich kann alles schaffen, wenn ich will. Das passierte sogar eigentlich aus einem Widerstand heraus. Ich war das Sandwichkind und hatte immer das Gefühl, dass man meine Geschwister für klüger hielt. Ich ließ das nicht auf mir sitzen, hab’ allen mit Ehrgeiz und Disziplin in Schule und später im Studium das Gegenteil bewiesen. Irgendwann kam der wichtige Switch: Ich mache all das, weil ich Spaß daran habe. Und ich glaube, das ist auch das, was man mir bei der Arbeit ansieht.

Mit welchen Anliegen kommen die Frauen zu dir, woran hapert es, wenn es nicht so läuft, wie sie es sich wünschen?

Das ist deswegen eine wichtige Frage, weil viel zu oft nur darauf geschaut wird, warum es andere geschafft haben, anstatt hinzuschauen, warum es bei einem selbst nicht klappt. Die Lösung ist meistens: in die eigene Entwicklung investieren, den Fokus auf die eigene Karriere legen. Da hole ich meine Klientinnen ab. Bei vielen ist die Karriere bisher „einfach passiert“, nach unserem Coaching wird klar: Ein großer Teil des Erfolgs liegt darin, sie aktiv zu gestalten.
Jeder von uns hat einen individuellen Stärkenmix. Nicht jeder muss beispielsweise ein selbstbewusstes, nach außen gerichtetes Auftreten haben, aber die eigenen Stärken zu kennen und zu nutzen, definitiv. Leider fehlt vielen das Bewusstsein dafür, dass sie das beeinflussen können. Dabei sollte man sich vor Augen halten, dass in gewissen Branchen heute sogar ein sogenannter „War for Talents“ (Kampf der Unternehmen um die besten Kräfte, Anm.) den Bewerber*innen eine bessere Ausgangsposition verschafft.

 

"Bei der Karriere geht es nicht nur um Geld und Status, sondern darum, sein Leben zu gestalten.", Katja Radlgruber, Karriere-Coach © Shutterstock


Welche sind im Hinblick auf die Karriereplanung typisch weiblich sozialisierte Eigenschaften?

Auch darüber gibt es Studien: Frauen machen sich mehr Sorgen, sie zweifeln mehr und stellen sich zahlreiche Fragen: Ist das, was ich gesagt habe, richtig oder falsch? Habe ich was falsch gemacht? Bin ich jemandem zu nahe getreten? Viele Frauen kommen mit dem Anliegen zu mir, mit den ständigen Zweifeln aufhören zu wollen, sie sagen: Ich möchte wissen, worin ich gut bin, ich will endlich mal stolz auf mich sein.

Stichwort Gehaltsverhandlung: Wie geht frau am besten an die Sache ran?

Auch hier muss ich vorausschicken: Es passiert noch immer sehr viel Ungleichberechtigung. Männer kriegen häufig automatisch ein höheres Gehalt angeboten. Umso mehr muss ich mich als Frau darüber informieren, wie es mit meiner Qualifikation und Erfahrung um meinen Marktwert steht. Ich unterstütze hierbei meine Klientinnen, denn es ist jedenfalls wichtig, proaktiv in die Gehaltsverhandlung reinzugehen und selbst eine Summe zu nennen, andernfalls ist das Risiko zu hoch, vom Gegenüber zu gering eingeschätzt zu werden. Leider bremsen viele auch hierbei die Selbstzweifel. Sie denken beispielsweise: 20 Prozent mehr Gehalt wären marktkonform, aber bin ich das wert? Erwarten dann nicht alle Leute zu viel von mir? Werde ich nicht scheitern?

Zum Glück setzt sich immer mehr eine nachhaltige Lebensführug durch, wir hinterfragen uns häufiger: Brauche ich überhaupt so viel Zeug? Ist ein höheres Gehalt überhaupt nötig?

Nein, wir brauchen nicht so viel Zeug, aber ja, wir brauchen das höhere Gehalt, um nicht ins Hintertreffen zu gelangen.Derzeit haben wir zudem eine hohe Inflation; wenn ich also nicht ein höheres Gehalt für mich ausverhandle, habe ich definitiv einen Lohnverlust. Doppelt sogar, denn wenn es mir nicht gelingt, mein Gehalt zu steigern, schöpfe ich auch meine maximale Pension nicht aus; die Pension wird damit später geringer.

 

"Viele Frauen kommen mit dem Anliegen zu mir, endlich mit den Zweifeln aufhören zu wollen.", Katja Radlgruber, Karriere-Coach © Shutterstock


Herzrasen, schwitzende Hände – wie bringt man die Nervosität bei der Gehaltsverhandlung unter Kontrolle?

Eine effektive Methode ist: Die Zahl bzw. das Gehalt, das ich haben möchte, muss davor für mich normal und selbstverständlich werden, dazu ist es notwendig, es zu thematisieren – und am besten jeden Tag die Zahl auszusprechen. Viele fühlen sich nicht wohl damit, mit der Freundin darüber zu reden, das Thema ist noch immer schambehaftet, dafür eignen sich Gruppencoachings, wo man die anderen nicht oder kaum kennt.


Manche meinen: Mein Job muss mich nicht zwingend erfüllen, dafür suche ich mir ein Hobby. Was hältst du davon?

Es gibt kein Muss, nur ein Kann. Mein Ansatz ist: Arbeitszeit ist Lebenszeit. Es wäre schade darum, wenn diese Lebenszeit keine Bedeutung hat. Immerhin vebringen wir im Schnitt ein Drittel unserer Zeit in der Arbeit und wir wissen heute mehr denn je, wie wertvoll Zeit ist; wir sollten sie nicht leichtfertig hergeben.

Infos: www.koachkatja.com