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People | 14.09.2022

Anything is possible

Sie ist die erste Burgenländerin, die Anfang Oktober beim Ironman auf Hawaii teilnimmt. Veronika Prükler ist Mama eines 1-Jährigen und sportbegeistert, seit sie denken kann.

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Veronika mit ihrem Mann Harald und Sohn Moritz. Die beiden begleiten sie zu den Wettkämpfen – auch nach Hawaii. © Vanessa Hartmann

Die Herausforderung: 3,8 km Schwimmen im Ozean, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen, und das alles hintereinander ohne Pause – das ist die Ironman-Distanz. Ironman-Veranstaltungen gibt es über die ganze Erdkugel verteilt, aber das Event, auf das alle Triathlet*innen dieser Welt hinfiebern, ist die Ironman World Championship auf Hawaii. Sich dafür zu qualifizieren ist nicht einfach, man muss bei den anderen Ironman-Veranstaltungen erfolgreich mitmachen und sich eines der heißbegehrten Tickets für Hawaii erkämpfen – z. B. durch den Sieg in der eigenen Altersklasse (oder wenn die Vorplatzierten den Slot nicht annehmen). Und dann ist auch noch ein sattes Startgeld von über 1.000 Euro fällig. All diese Hindernisse versuchte die 33-jährige Veronika Prükler aus Steinbrunn zu überwinden, 2019 bestritt sie ihren ersten Ironman und bereits beim zweiten Versuch gelang es ihr: Sie erhielt ein Startticket für Hawaii – doch es sollte noch dauern, bis sie es einlösen kann.

 

Der Sport hat Veronika Prükler geholfen, sich selbst wieder zu finden. © Vanessa Hartmann


Veronika war von Kind auf eine, die sich immer bewegt hat. Zuerst Tennis, Schwimmen, Fußball, Judo. Doch dann nahm die Leichtathletik ihr Leben ein. Als Mittelstreckenläuferin im Nachwuchs Nationalteam und Sportpool Burgenland standen Erfolge bei nationalen Meisterschaften und internationalen Bewerben auf der Tagesordnung. Sport ist ihr Leben. Dazwischen gab es mal ein Wochenende, an dem sie von ihren Freundinnen überredet wurde, in Eisenstadt fortzugehen. Sie ließ sich nur widerwillig darauf ein und just lernte sie an diesem Wochenende 2008 ihren zukünftigen Mann Harald kennen. Dieser wusste von Beginn an, dass der Sport für Veronika einen sehr großen Stellenwert einnimmt. Er begleitet sie bei Wettkämpfen und ist an ihrer Seite – bei Sieg und bei Niederlage. New York Marathon, Ironman in Klagenfurt, Ironman in Louisville (USA) und viele weitere Veranstaltungen waren es, die Veronika bestritt und von wo sie oft siegreich nach Hause fuhr – und sich schlussendlich Ende 2019 das Ticket für den Start in Hawaii erkämpfte. Im Oktober 2020 sollte es zum Wettkampf auf die Insel gehen – doch Corona kam ihr zuvor, die Veranstaltung wurde verschoben.

 

Bei ihrem ersten Ironman in Klagenfurt (2019) schaffte Veronika eine Zeit von 10 h 15 min. Nur zum Vergleich: Frauen legen die Strecke durchschnittlich in 13 h 35 min zurück, Männer in 12 h 38 min. © beigestellt

 


Knock-out & Neustart

Grund genug, sich genauer Gedanken über die Familienplanung zu machen, diese war immer ein Thema zwischen Veronika und ihrem Mann. Und die Entscheidung daher natürlich sportlich: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das Glück war dem Paar wohlgesinnt und im Mai 2021 kam ihr Sohn Moritz zur Welt. Der Ironman wurde vom Veranstalter ein weiteres Mal verschoben, auf Oktober 2022, und Veronika nutzt seit der Geburt ihres Sohnes jede freie Minute für das Vorbereitungstraining. „Moritz kam per Kaiserschnitt, die ersten drei Wochen nach der Geburt habe ich mich so gut wie gar nicht bewegt, aber dann ging ich viel spazieren, sehr viel. Der Kleine hat nur geschlafen, wenn er in Bewegung war. Da ich voll stillte, konnte ich nicht lange am Stück alleine trainieren. Ab Jänner 2022 habe ich dann gezielter trainiert.“ Einige Erkältungen und Infekte warfen Veronika in ihrem Trainingsplan etwas zurück, auch die Corona-Infektion knockte sie im Juli für einige Wochen aus. Doch all das waren für sie keine Ausreden. „Wenn es einem wichtig genug ist, findet man immer Zeit für Sport. Mit Kind gilt dann halt: mehr Qualität statt Quantität. Aber ganz wichtig ist die Kontinuität, es soll zur Gewohnheit werden, dann will man nicht mehr ohne. Mir hilft Sport immens, um den Kopf freizubekommen, da bin ich mit mir alleine, kein Handy, kein Fernseher, keine Musik – nur ich mit meinen Gedanken.“ Besonders nach der Schwangerschaft habe ihr der Sport geholfen, sich selbst wiederzufinden. „Die Veri, die ich vorher war. Mein altes Ich. Die ersten Monate nach der Geburt lief ich aufgrund der Müdigkeit herum wie ein Zombie, durch den Sport habe ich mich wieder mehr wie ich gefühlt, er hat mir Energie und Glückshormone gegeben. Wenn ich morgens schon trainiere, habe ich einen viel besseren Start in den Tag. Ich ernähre mich auch automatisch gesünder, als wenn ich nicht trainiere.“ Trotz des relativ geringen Trainingsumfangs und der krankheitsbedingten Pausen im Frühjahr konnte Veronika sich sportlich steigern und ist heute sogar schneller als vor der Schwangerschaft. „Das Mama-­Sein ist also nicht hinderlich für gute sportliche Leistungen. Auch bei den Profi-Athletinnen kommen Mamis oft besser aus der Babypause zurück, als sie zuvor waren.“

 

"Sobald du ein Hunger- oder Durstgefühl spürst, ist es meist zu spät.", Ironman-Teilnehmerin Veronika Prükler  © Vanessa Hartmann

 


Die vierte Disziplin

Wie ist das eigentlich so bei extremer sportlicher Belastung für über zehn Stunden am Stück während des Ironmans? Das eigene, individuell abgestimmte Equipment, die richtige Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr und die mentale Stärke sind die vierte Disziplin neben Schwimmen, Radfahren und Laufen. „Es muss alles so aerodynamisch wie möglich sein. Die Triathlon-Räder haben am Rahmen kleine Plastikboxen oder sogar direkt im Rahmen Schlitze, wo Riegel und Ähnliches mitgenommen werden können. Ich habe ein persönlich auf mich abgestimmtes Ernährungspaket für die längeren Distanzen. Ich kenne genug Leute, denen die Verpflegung während dem Rennen herausgefallen ist, die mussten dann aufgeben, weil sie die vom Veranstalter, die man bei Stationen gereicht bekommt, nicht vertragen haben. Du musst schauen, dass du genug Elektrolyte, Salz und Kohle­hydrate zu dir nimmst, aber nicht so viel, dass dein Magen rebelliert. Sobald du Hunger- oder Durstgefühl spürst, ist es meist schon zu spät, deswegen nehme ich alle paar Minuten einen Schluck und teile mir meine Nahrung gut ein. So ein Ironman-Tag ist lang, die Zusammensetzung der Verpflegung kann über Sieg oder Niederlage entscheiden“, weiß die 33-jährige Wirtschaftspädagogin, die in einem Konzern im Rechnungswesen arbeitet, wenn sie gerade nicht Sport macht oder in Karenz ist. Was aber passiert nach dem Erreichen des großen Ziels auf Hawaii? „Ein Lebenstraum von mir wäre noch, die sechs großen Marathons zu laufen: Chicago, Boston, London, Berlin, Tokio und New York.“ Und Veronika möchte auch eine Motivation für andere Frauen und Mamas sein, mehr auf sich und die eigenen Bedürfnisse zu achten, über den inneren Schweinehund drüberzuhüpfen und etwas für den eigenen Körper und Geist zu tun. Es muss ja nicht gleich der Ironman sein.