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People | 07.10.2022

Er gibt Stars ein Zuhause

Fesselnd ohne demütigende Peinlichkeiten: Hotelier Manfred Stallmajer plauderte aus dem Nähkästchen, Martina Parker schrieb es auf – und wir dürfen aus „Hotel Rock ’n’ Roll“ spoilern.

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Martina Parker und Manfred Stallmajer © Tina Herzl

Fans des Streifens „Hotel Rock ’n’ Roll“ – wie kann man das nicht sein?! – wissen es vielleicht: Der Film ist inspiriert vom Wiener Hotel Das Triest, wo Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Michael Ostrowski bei seinem ersten Kinodreh nächtigte. So ist es nur fair, dass sich nun umgekehrt Hotelier Manfred Stallmajer den Filmtitel leiht (ist natürlich abgesprochen).


Wie auch immer das Martina Parker macht, aber während sie in zwei Jahren drei Krimis und ein paar andere Schmankerl aus dem Ärmel schüttelte, schrieb sie nun auch seine Lebensgeschichte auf. Nehmen Sie sich in Acht: Schlägt man „Hotel Rock ’n’ Roll“ auf, ist man höchst Binge-Watching-gefährdet. Schon klar, den Begriff verwendet man sonst fürs Komaglotzen von Serien, aber dieses Buch entfaltet mit seinen Star-Anekdoten einen ebensolchen Sog. 


Martina Parker: Wir wollten einen Chips-Effekt: kurze knackige Geschichten, man nimmt eine Handvoll – wie eine Handvoll Chips – und dann will man noch eine Handvoll und noch eine … (lacht)


BURGENLÄNDERIN: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, wie habt ihr dieses Buch verwirklicht?

Manfred Stallmajer: Als Journalistin war Martina oft bei Events in den Hotels, wo ich Direktor war, wir kennen uns schon lange. Aber so richtig geplaudert haben wir in der Zeit der Lockdowns; sie hat für ihren Krimi über Sicherheitssysteme recherchiert. Wir sind bei mir in der Brasserie im Guesthouse auf Tisch 16 gesessen und ich habe ihr Beispiele genannt, was passiert, wenn etwas schiefgeht. Ich kam auf eine Geschichte mit Johnny Depp (es wurde mehrfach Feueralarm ausgelöst, Anm.), dann verloren wir uns in einer anderen und noch einer anderen, da sagte Martina: „Das gehört in ein Buch. Ich mach’ dir das.“

Martina: Dann haben wir uns alle ein, zwei Wochen getroffen, Manfred hat erzählt, ich hab’ gefragt und zugehört und hab’s geliebt. Ich hab’s geliebt!

Wie habt ihr jongliert zwischen Diskretion und „die G’schicht muss rein“?

Manfred: Die verschwiegensten Menschen sollten Priester und Hoteliers sein. Der Unterschied ist: Der Priester hört die Geschichten im Beichtstuhl, wir sind live dabei. Das Buch ist erst recht der Beweis dafür, dass meine Teams und ich diskret sind: Es war uns wichtig, dass wir niemanden aufblattln. Wir bringen nur nette Anekdoten, nicht die, die uns ins Gefängnis gebracht hätten (lacht).

Martina: Wir wollten zeigen, dass Star-Geschichten auch ohne Cellulite und demütigende Peinlichkeiten spannend und unterhaltsam sind.

 

Da will ich hin. Hotel Josefine, im sechsten Wiener Gemeindebezirk, im Stil der 1920er © Tina Herzl



Was ist das Geheimnis, wieso mögen Stars deine Hotels, worauf legen sie Wert?

Manfred: Man muss nicht untertänig sein, aber ihnen zuhören, versuchen, ihre Wünsche zu erfüllen, und diskret sein. Das Ziel sollte immer sein, dass die Gäste, und zwar alle, ohne ein Aber rausgehen, dass sie einfach sagen: Es war schön.

Martina: Wir haben für das Buch auch Tourmanager Andy Franks interviewt, ein Riesenname in UK. Er sagte: „Jedes neue Hotel ist ein Risiko.“ Entweder ist das Personal nicht ordentlich geschult, verkauft Geschichten an die Presse oder Löffel und Kopfkissenbezüge an Fans, oder du hast einen prestigesüchtigen Hotel­direktor, der sich ständig mit den Stars fotografieren lassen will. All das ist bei Manfred nie passiert. Im Gegenteil: Die Künstler*innen waren zwar auf Tour, aber bei ihm hatten sie immer das Gefühl, sie kommen heim.


Eine schöne Story am Anfang deiner Karrierre: Shirley MacLaine, Liam Neeson und Michail Gorbatschow gleichzeitig im SAS Palais. Wie hast du das gemanagt, was war deine Strategie?

Manfred: Gar keine (lacht). Ich war noch wahnsinnig jung, hatte aber ein sehr gut eingespieltes Team. Wir haben sie alle mit Respekt behandelt und konnten sogar auf Gorbatschows Wunsch eine Begegnung beim Frühstück einfädeln, weil sich der ehemalige Staatsschef als Shirley-­MacLaine-­Fan geoutet hat.


Ein anderes Mal: 150 Fernsehstationen wegen einer Filmpremiere. Wie gehst du mit solchen Stresssituationen um?

Manfred: Mein Körper stellt auf Notprogramm um; ich esse nichts, konzen­triere mich voll auf die Sache. Ich komme erst zur Ruhe, wenn alles vorbei ist.


Erinnerungsbuch
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Gespickt ist „Hotel Rock ’n’ Roll“ mit schönen und geistreichen Gästebucheinträgen wie etwa von

Robbie Williams

© Schultz & Schirm/Marcel Koehler

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Gespickt ist „Hotel Rock ’n’ Roll“ mit schönen und geistreichen Gästebucheinträgen

„Danke“ von David Bowie

© Schultz & Schirm/Marcel Koehler

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Gespickt ist „Hotel Rock ’n’ Roll“ mit schönen und geistreichen Gästebucheinträgen

Manfred Stallmajer mit Anastacia

© privat

Du hast jahrelang gleichzeitig Das Triest und das Palais Schwarzenberg geführt, im Buch gibt es ein Kapitel mit dem Titel „Der Zusammenbruch“ …

Manfred: Ich war schlicht selbst schuld, weil ich in meinem Eifer, es allen recht machen zu wollen, eine Grippe übergangen bin. Dann hatte ich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und schließlich Diabetes. Ich war damals über die Feiertage im Spital, die große Silvesterfeier im Palais Schwarzenberg fand ohne mich statt, und siehe da: Es funktionierte. Da habe ich gelernt, Dinge loszulassen, mich auszuklinken. Wochenenden sind mir heute heilig, ich gebe meinen Mitarbeiter*innen Verantwortung.


Ein Hotel hat immer offen, sich abzugrenzen ist sicher schwer, oder?

Martina: Ein Hotelier schläft sowieso immer nur mit einem Auge, wie eine Mutter neben einem Kleinkind.

Manfred: So ist es. Wenn beispielsweise Feueralarm ist, bin ich der Letztverantwortliche. Ich habe in 30 Jahren tatsächlich beim ersten Lockdown das erste Mal mein Handy abgedreht.


Du hast an die zehn Mal David Bowie getroffen. Wie hast du ihn erlebt?

Manfred: Er war immer eine Größe, eine natürliche Autorität in der Musikwelt. Als er das erste Mal kam, war die Anspannung groß, aber es hieß, er ist ganz easy, will nur seine Ruhe, viel Kaffee und rauchen können. Er war so beeindruckend, weil er so down to earth war; es ergaben sich immer wieder Gespräche, ich führte ihn durch Das Triest, weil ihn das interessierte. Das war bewegend und ich dachte mir: Es gibt jetzt auf der Welt Zigtausende, die würden weiß Gott was dafür tun, um ihm einmal die Hand zu schütteln, und ich trinke mit ihm Kaffee.


Eine Lieblingsanekdote?

Martina: Ich liebe die Geschichte mit der diebischen Schauspielerin, deren Namen wir nicht nennen. Sie hatte ihren Koffer mit Silbergeschirr und allem Möglichen vollgeräumt, bei der Abreise ist er aufgeplatzt. Ich fand es so charmant, wie der Mitarbeiter damit umgegangen ist: Er sagte nur: „Signorina, das ist der falsche Koffer, der sollte hierbleiben.“

Manfred: Eine meiner Lieblingsgeschichten ist die mit Prodigy-Leadsänger Keith Flint. Ich hatte im Triest einen Tick: eine kleine Wiese im Innenhof, fast so gepflegt wie ein Golfrasen. Ich habe immer gesagt: „Wie stressig es auch ist, da geht niemand durch.“ Keith Flint nahm eine Decke, legte sich in die Wiese, rauchte – und bestellte sich auch noch Getränke dorthin. Ich bin rotiert, meine Mitarbeiter*innen haben gelacht.


Ihr seid grad viel unterwegs, um das Buch zu präsentieren, demnächst am 19. Oktober in der Buchhandlung Thalia  Wien Mitte. Und abseits davon?

Manfred: Unter der Woche führe ich zwei Hotels in Wien, The Guesthouse und die Josefine. Am Wochenende bin ich Wahlburgenländer, wir haben vor 22 Jahren ein Kellerstöckl gekauft und renoviert – ich mag die Auszeiten im Pinkatal (mit Partnerin Sabine, Anm.).

Martina: Ich bin fertig mit „Auf­blattlt“, dem dritten Gartenkrimi; er kommt Anfang 2023. Und ich schreibe gerade einen Weihnachtskrimi, via Social Media kann man wieder über Handlungsverläufe mitbestimmen. Schon Karl Lagerfeld hat gesagt: Wenn was Spaß macht, musst du nie wieder arbeiten.


Ein Tipp noch: Wenn Sie so richtig abtauchen wollen, blättern Sie im Buch nach hinten, der QR-Code führt Sie zu einer groooovigen Playlist.


Das Duo hinter „Hotel Rock ’n’ Roll“

© Tina Herzl

Manfred Stallmajer ging mit 19 von Fürstenfeld nach Wien und arbeitete sich vom Nacht­rezeptionisten zum Hoteldirektor in der Fünf-­Sterne-Hotellerie hoch. Stationen seiner üppigen Bio: SAS Palais, Das Triest, Palais Schwarzenberg, Café Drechsler, The Guesthouse, Josefine.

Martina Parker war viele Jahre Journalistin bei der Wienerin, interviewte zig internationale Stars, einige davon in Manfreds Hotels. 2020 fand die Südburgenländerin, dass das geliebte Magazin-­Kapitel voll ist, begann Krimis zu schreiben und ist mittlerweile Bestsellerautorin.

 

 

Manfred Stallmajer und Martina Parker:

Hotel Rock ’N’ Roll.

© Verlag

  • Schultz & Schirm
  • Bühnenverlag für Komödie
  • € 35,–
  • ISBN 978-3-9504970-2-1