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People | 17.10.2022

Es beginnt mit einem Klecks

Sie legt alle Energie und Emotionen in ihre Bilder. Silvia Lehner aus Großhöflein verarbeitet ihre Eindrücke und Gefühle auf Leinwänden, während sie im Job daran beteiligt ist, Leben zu retten. Porträt einer Künstlerin.

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Silvia Lehner © Vanessa Hartmann

Wenn sie ihr Atelier betritt, wird zuallererst die Musik aufgedreht. Ohne Töne kein Bild. Dann steht sie ganz nah und direkt vor der weißen Leinwand, nimmt Pinsel und Farbe und beginnt mit einem Farbklecks. Schritt für Schritt lässt Silvia Lehner danach passieren, was passiert. Die Energie und die Gefühle strömen direkt über ihre Hand und den Pinsel auf die Leinwand. Kunst bedeutet für sie Freisein, tun und lassen können, was man möchte, alles ist erlaubt. Sie bewegt sich zur Musik, die Hand wird frei und das Bild wächst. So entsteht über mehrere Wochen und Monate ein Gemälde. Pasten, Sand, Spachtelmasse, Zeitungsschnipsel etc. – manchmal verarbeitet Silvia Lehner interessante Strukturen in ihren Bildern. Und die Farben sind meist so wie ihr Gemüt: hell und freundlich. „Ich nehme die Farben, die mir gefallen, die meine Stimmung widerspiegeln. Rosa ist eine Lieblingsfarbe von mir, es sorgt für Harmonie, Zärtlichkeit. Es heißt, bei Rosa im Zimmer streitet man nicht“, lacht die 43-Jährige. Anlass für Zwistigkeiten gibt es im Leben von Silvia Lehner jedoch ohnehin nicht viel. Wer ihr begegnet, dem fällt sofort ihr vor Lebensmut und Freundlichkeit sprühendes Wesen auf, der Tiefgang präsentiert sich sogleich danach. Und ihre Kunstwerke tragen zweifelsohne ebendiese Handschrift. Sie lassen eintauchen und darin versinken, aber im wohligen Sinn. „Ich lade meine Kund*innen immer ein, ein Bild länger zu betrachten, denn wenn man mehr als ein Mal hinschaut, kommt so viel Neues hervor, es gibt in einem Gemälde so viel zu entdecken. Ich finde auch, dass man Bilder angreifen sollte, man spürt die Freiheit in ihnen. Und auch die Emotionen, die die Künstlerin/der Künstler in diesem Moment hatte, als sie/er gemalt hat.“

Die Freiheit in der Kunst möchte sie auch ihren beiden Söhnen (8 und 11 Jahre) vermitteln. Heute werden Kinder oft genug leider in ihrer Freiheit und Fantasie eingeschränkt, findet Silvia, in Mamas Atelier konnten sich die Burschen mit Farben und Pinseln daher bereits von klein an austoben. „Ich will ihnen beibringen, frei zu denken, flexibel zu sein. Denn kaum ist man im Berufsleben, fährt man eh auf Schiene. Ich arbeite seit über 23 Jahren im Zentral-OP des Spitals in Eisenstadt. Die Malerei ist mein Ausgleich.“ Ob die Kinder einmal in die Fußstapfen ihrer Mutter treten, sei dahingestellt, im Moment sind sie eher sport- als kunstbegeistert, aber man weiß ja nie. Die Leidenschaft zur Kunst begann bei Silvia bereits sehr früh, aber mehr als ein Hobby wurde sie erst vor rund 20 Jahren, als sie begann, Auftragsarbeiten für Bekannte und Verwandte zu malen. Im Laufe der Jahre kamen dann die Anfragen aus allen Branchen: Hotels, Betriebe, Weingüter, Restaurants, Ordinationen, Architekturbüros und natürlich Privatpersonen. Neben ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Wien hatte sie nicht viel Zeit zum Malen, doch die Großstadt ermöglichte ihr, Kunst in Form von Ausstellungen und Museen zu genießen. Heute ist sie ihr Ausgleich zu Alltag, Job und Familie. Durch das Malen bekommt sie eine Kraft, die ihr auch im Job guttut und vor allem zu einem Naturell verhilft, das sie immer das Gute in den Menschen sehen lässt.

 

Bei Silvias Ausstellung in der Ringstraßengalerie im 1. Wiener Bezirk durfte Chefredakteurin Nicole Schlaffer die Bilder „hautnah“ erleben.

 


Aus negativ wird positiv. Sollte etwas Negatives auf Silvia einprasseln, beginnt sie zuallererst zu sortieren: „Ich stelle mir die Fragen: Welche Priorität hat das? Welchen Bereich betrifft es? Die Gesundheit ist das Wichtigste im Leben, ohne sie ist alles andere egal. Ich weiß, dass das Leben nicht immer nur aus Sonnenschein besteht, doch wenn du das Negative zu sehr an dich heranlässt, setzt es sich in deinem Körper fest. Dazu kommt, dass jeder anders geprägt ist und andere Werte und Gefühle hat, das ist bei Verletzungen – sowohl physisch als auch psychisch – auch immer mitzubedenken. Negatives wird immer da sein, aber wenn ich etwas Positives daraus mitnehmen kann, macht es einen Sinn.“ Und wer ihre Bilder betrachtet, wird von vielen positiven Gefühlen durchströmt. Die Rahmen der Bilder werden aus Holz maßgefertigt und geben den Gemälden den perfekten letzten Schliff. Stilmäßig will Silvia sich nicht festlegen lassen. „Ich will nicht in eine Schiene reinfallen. Es gibt viele Namen für Stile, aber im Endeffekt ist es immer noch meine Emotion, die ich aufs Bild bringe, meine Geschichte. Und die interpretiert dann auch jeder anders.“ Der Trend im Privatbereich gehe immer mehr zu großformatigen Bildern, weiß Silvia. Ihre Kund*innen bitten sie oft, zu ihnen nach Hause zu kommen und sich von der Atmosphäre inspirieren zu lassen, um danach etwas auf eine Leinwand zu bringen, das perfekt in dieses Zuhause passt. Macht Sinn. Und was bringt die Zukunft? „Ich erzwinge nichts, es läuft einfach so, wie es läuft – und so passt es auch sehr gut. Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht. Aber ich muss nicht von meiner Kunst leben, deswegen fühlt sie sich für mich auch so frei an.“

www.silvialehner.com

Die Bilder
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BILDER, DIE EMOTIONEN VERMITTELN.

Porträts, Landschaften, abstrakte Kunst – Silvia Lehner malt, wonach ihr der Sinn steht.

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BILDER, DIE EMOTIONEN VERMITTELN.

Porträts, Landschaften, abstrakte Kunst – Silvia Lehner malt, wonach ihr der Sinn steht.

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BILDER, DIE EMOTIONEN VERMITTELN.

Porträts, Landschaften, abstrakte Kunst – Silvia Lehner malt, wonach ihr der Sinn steht.

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BILDER, DIE EMOTIONEN VERMITTELN.

Porträts, Landschaften, abstrakte Kunst – Silvia Lehner malt, wonach ihr der Sinn steht.

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BILDER, DIE EMOTIONEN VERMITTELN.

Porträts, Landschaften, abstrakte Kunst – Silvia Lehner malt, wonach ihr der Sinn steht.

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BILDER, DIE EMOTIONEN VERMITTELN.

Porträts, Landschaften, abstrakte Kunst – Silvia Lehner malt, wonach ihr der Sinn steht.

Tipp:

Silvia Lehner ist mit anderen Künstler*innen zu sehen bei der

Art.Nite am 20. Oktober, 18 Uhr

Billa Corso Weinbar, Ringstraßengalerie, 1010 Wien

 

 

 Fotos: Vanessa Hartmann, Stefan Mang Photography