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People | 05.12.2022

In die eigene Stärke kommen

Ihr Mann war ein Heiler und Hohepriester mit Maori-Abstammung. Christiane Trimmel begleitete ihn auf seiner letzten Reise bis zum Tod und lernte durch ihn, ihre medialen Fähigkeiten anzunehmen und zu nutzen. Das berührende Porträt einer außergewöhnlichen Frau.

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"Mein Leben war immer schon geprägt von mutigen Entscheidungen.", Christiane Trimmel © Birgit Machtinger

Bereits als Kind war Christiane Trimmel aus Mannersdorf an der Rabnitz sehr empathisch und konnte die Gefühle anderer Menschen spüren. Daneben war sie aber auch abenteuerlustig, gern mit dem BMX-Rad unterwegs und liebte die Natur. Mit der spirituellen Welt fühlte sie sich schon immer verbunden, hatte jedoch als Kind oft „Angst vor dem Bösen“ und konnte die Aussagen der Erwachsenen – „Wenn du nicht brav bist, kommst du in die Hölle“ – nicht verstehen und verarbeiten.


Heute, mit 40, steht sie in ihrer Kraft und möchte andere daran teilhaben lassen, ihnen zeigen, wie sie mit ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen umgehen können. Menschen mit Hochsensibilität nehmen sensorische und emotionale Reize intensiver wahr, haben dadurch eine höhere Gehirnaktivität, wobei das Gehirn mehr Informationen aufnimmt und es dadurch schneller zu einer Reizüberflutung kommt. „Sensibelchen“ werden sie oft genannt, als schwach dargestellt. Menschen, die mit ihrer Feinfühligkeit nicht umgehen können, erleben diese oft als Belastung. Dabei ist diese vermeintliche Schwäche in Wahrheit eine Stärke. Denn wer gelernt hat, seine Hochsensibilität richtig einzusetzen, hat das „weltbeste interne Navigationssystem, das richtige Gespür und damit anderen gegenüber oft einen großen Vorteil“, weiß Christiane. Seit ihrer Kindheit ist sie sehr naturverbunden und liebt Tiere, vor allem Pferde. Pferdeflüsterin wurde sie gerufen. „Die Sprache der Pferde liegt mir, ich verstehe sie, denn sie besteht aus Frequenzen, Schwingungen, Energie. Die Sprache der Menschen macht nicht immer Sinn für mich, weil die Botschaften von Kopf und Herz oft nicht im Einklang sind. Wenn ein Mensch etwas sagt und dies im Herzen nicht so meint, fühlt sich das in meinem Körper wie eine Frequenzstörung an, eine Dissonanz.“ Auch ihre Großmutter mütterlicherseits hatte eine starke Gabe – sie wusste Dinge oftmals, bevor sie passierten, und hatte eine sehr ausgeprägte Intuition.

 

Christiane Trimmels verstorbener Ehemann Te Ariki Tohunga Te Wairemana aus Neuseeland

 



Lebensverändernde Begegnung

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie spüren, dass Sie jemand von hinten anstarrt? So gut wie alle Menschen besitzen mehr als die fünf Sinne, die uns Aristoteles vor über 2.300 Jahren bescheinigt hat. Lediglich die Ausprägung ist unterschiedlich. Christiane Trimmel ist hellfühlig und spürt intensiver als die meisten Menschen. Ihre medialen Fähigkeiten sind ihre Berufung und sie hat sie zu ihrem Beruf gemacht. Im Zuge einer ihrer Ausbildungen im Gesundheitsbereich erlebte sie bedeutende Begegnungen mit den Menschen, die sie behandelte: Sie fühlte, was diese fühlten. Wenn ihre Klient*innen schwitzten, war ihr heiß, waren ihre Klient*innen traurig, kamen ihr die Tränen. „Ich habe alles aufgesaugt und konnte damit nicht umgehen. Ich fing an zu zittern durch all die Wahrnehmungen.“ Erst als Christiane ihren Mann kennenlernte, wurde ihr bewusst, dass sie lernen muss, diese Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen. Ihr Mann stammte von den Maori ab, den Ureinwohnern Neuseelands, und kam mit einer großen Gabe zur Welt. Er war ein „Tohunga“, ein Hüter des alten Wissens, ein Heiler und Hohepriester. Die Kennenlerngeschichte der beiden ist eine ganz besondere: Als Christiane im Jahr 2013 nach längerem Aufenthalt in Neuseeland, wo sie sich in Landschaft und Lebensstil verliebt hatte, nach Österreich zurückkam, absolvierte sie ein Ayurveda-Praktikum auf Schloss Pichlarn und lernte dort ihren zukünftigen Ehemann Te Ariki Tohunga Te Wairemana aus Neuseeland kennen, der dort unterrichtete, Heilsitzungen und Kurse über das alte Wissen der Maori gab. „Als ich ihn zum allerersten Mal auf Schloss Pichlarn gesehen habe, waren meine ersten Worte: ‚Good to see you again.‘ Wir hatten sofort eine tiefe Verbundenheit zueinander, so etwas hatte ich noch nie zuvor erlebt. Ich dachte schon, ich werde verrückt, weil ich Dinge wahrnehmen konnte wie nie zuvor. Ich erlebte zum ersten Mal bewusst Telepathie.“ Die Beziehung der beiden beruhte auf einer derartigen Intensität und Vertrautheit, die Christiane anfangs nicht einzuordnen wusste. Sie kommunizierten oft telepathisch miteinander, lebten das Leben bewusst und feierten die kleinen Momente zusammen. 2018 fand die Hochzeit in kleinem Familienkreis in Neuseeland statt. Doch die gemeinsame Zeit auf Erden währte nicht allzu lange. Christianes Mann verstarb Anfang 2021 nach längerer Herzkrankheit, die erblich bedingt war. „Diese relativ kurze Zeit mit ihm erfüllt ein ganzes Leben und ich bin dankbar, dass ich sie erleben durfte. Ich habe gelernt, dass nichts selbstverständlich ist. Kein Tag, kein Moment, kein Atemzug.“ Ihr Mann war als Heiler schon im Kindheitsalter Anlaufstelle für kranke Menschen, hat im Laufe seines Lebens viele geheilt und jedes Mal etwas von diesen Krankheiten auf sich genommen. „Es war nicht sein Weg, sich selbst zu heilen. Er war ein Geschenk an die Menschen und wurde mit dieser Gabe geboren. Er starb zwei Jahre, nachdem die Ärzte ihm sagten, er habe nur noch zwei Wochen zu leben.“ In diesen zwei Jahren stellte Christiane ihre eigenen Bedürfnisse komplett zurück und „funktionierte“ einfach nur noch. Die Dualität, die ihren Alltag in diesen zwei Jahren prägte – der größte Schmerz über den bevorstehenden Verlust ihres Seelenverwandten und die größte Liebe und Verbundenheit zu einem Menschen, die möglich ist – bewirkte in Christiane ein Erkennen: „Das Leben voll zu leben, bedeutet, es sich in all seinen Facetten einzuverleiben. Dazu gehört der Tod genauso wie das Leben.“ Nach dem Tod ihres Mannes rutschte Christiane in eine depressive Stimmung, Hilflosigkeit und in ein Burn-out. „Doch all das würde ich nicht ändern wollen, es sind meine Erfahrungen, mein Lebensweg – es gehörte zu meinem Entwicklungsprozess dazu.“

 

Gemeinsam mit ihrem Mann und dessen Tochter Mya genoss Christiane alltägliche Dinge wie Shopping immer bewusst und mit viel Spaß.



Altes Wissen weitergeben. Im Juli 2021 verspürte sie den starken Impuls, nach Österreich zurückzukehren, um Kraft auf Heimatboden zu tanken und vor allem um, wenn „die Zeit reif ist“, ihr Wissen an jene Menschen weiterzugeben, die bereit sind für eine „Reise nach innen“ und die die Wichtigkeit der eigenen Intuition stärken wollen. Heute begleitet sie Menschen mit hochsensibler Veranlagung auf deren Weg, diese feine Wahrnehmung als Stärke und Gabe zu leben. Erfahrung schöpft sie auch aus ihrem jahrelangen Studium ganzheitlicher Gesundheitssysteme, Trauma-sensitivem Training, Coaching, Mentoring und ihrer eigenen gelebten Hochsensibilität. Über die spirituelle Welt fühlt sie sich nach wie vor mit ihrem Mann verbunden. Christiane geht jeden Tag in den Wald, „redet“ mit ihrem Mann in Gedanken. „Viele Dinge, die er mir zu Lebzeiten sagte, machen jetzt erst Sinn für mich oder haben sich zu einem späteren Zeitpunkt offenbart. Oftmals nimmt man sich durch ständiges Zweifeln die Schönheit des Moments. Sobald ich zu viel darüber nachdenke, ob das jetzt wirklich sein kann, ist die Magie weg. Mit meinem Mann habe ich nichts hinterfragt. Wir haben die unsichtbare Welt mit der sichtbaren vereint, es gab ein stilles Einverständnis und Bewusstsein darüber, wie das Universum funktioniert.“ Ganz wichtig, um in die eigene Kraft zu kommen, sei das Wissen über die eigenen Wurzeln und das Sehen des gesamten Lebenskreislaufes, zu dem auch der Tod gehöre, sowie die Bereitschaft, Dinge anders zu betrachten. „Im Gegensatz zu Neuseeland leben viele hier in Österreich mit einer Opfermentalität: Immer sind die anderen Schuld. Das ist ein Intergenerationenthema, hat viel mit dem Krieg zu tun und übernommenen Themen, Denkansätzen der Großeltern und Eltern. Wenn du nie versuchst, Dinge anders zu betrachten, oder bereit bist, wirklich nach innen zu schauen und an dir selbst zu arbeiten, statt andere Menschen für deine Situation verantwortlich zu machen, bleibst du im Tunnelblick und in dem, was immer schon war. Ich möchte Menschen mit meiner Geschichte dazu inspirieren, ihren einzigartigen Weg zu gehen, für sich einzustehen und im Herzen offen zu bleiben, egal was kommt, denn das Leben belohnt die Mutigen.“



Mit ihrer Gabe möchte Christiane anderen Menschen helfen, in ihre Kraft zu kommen. 
© Birgit Machtinger

www.christianetrimmel.com