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People | 13.10.2015

Mehr als eine ausgezeichnete Bäckerin

Sie ist die „Burgenländerin des Jahres 2015“: Wir trafen die herzliche Mama, Oma und Naturbackstube-Chefin Elisabeth Unger aus Wallern zu einem sehr ehrlichen Gespräch über Familie und Job, über Hochs und Tiefs.

"Women of the Year"-Awards 2015

Sie, liebe LeserInnen, und unsere Fachjury kürten Elisabeth Unger zur "Burgenländerin des Jahres 2015". Wie sie darauf reagierte? Sprachlos. Wir baten sie also einmal drüber zu schlafen. "Ich kann’s noch immer nicht glauben", sagte sie schließlich am nächsten Tag. "Ich fühle mich so unglaublich geehrt." Elisabeth Unger wird gemeinsam mit den anderen Bundesländerinnen des Jahres am 17. November 2015 bei einer großen Gala im Wiener Rathaus ausgezeichnet.

Zwei Mal pro Woche läutet ihr Wecker weit vor dem Morgengrauen. An Dienstagen und Freitagen bildet sich dann Stunden später eine ansehnliche Menschenschlange vor ihrer kleinen Naturbackstube. Als kleine Draufgabe öffnet Elisabeth Unger auch Samstag noch ihr Geschäft, um die „Reste“ zu verkaufen. Ihr Credo: „Ein gutes Brot ist locker eine ganze Woche gut.“ Knapp 20 verschiedene Brotsorten – allesamt aus Vollkorn aus der hauseigenen Mühle – bäckt die Wallernerin mittlerweile; hunderte Kilogramm Köstlichkeiten gehen wöchentlich über den Ladentisch. Parallel dazu schupft die herzliche Mutter dreier erwachsener Kinder und Oma zweier Enkelsöhne den Haushalt und kocht täglich für die achtköpfige Großfamilie auf. „Dafür hilft mir mein Mann beim Backen und meine Kinder im Verkauf bzw. meine Jüngste zeichnet für Kuchen, Torten und Co. verantwortlich“, erklärt Elisabeth Unger. „Wir sind eine große Einheit, halten alle zusammen; wir funktionieren wie ein Uhrwerk.“

Wie alles begann

Aus dem gesamten Bezirk, aus Wien, ja sogar aus der Slowakei pilgern Elisabeth Ungers Kunden nach Wallern zu ihr. Ihre Erfolgsgeschichte begann mit einem Zufall. „Das Brot backen wir schon seit Generationen selbst“, erzählt die gelernte Köchin, Kellnerin und Konditorin. „Aber im Ofen vom klassischen E-Herd ist die Kruste nie richtig knusprig geworden.“ Also wünscht sie sich vor mehr als zehn Jahren einen Steinofen zum Geburtstag. Und weil der große im Angebot so viel kostete wie der kleine, entschied sich Frau Unger pragmatisch für das größere Modell.

Welch wunderbares Brot sie von da an backte, bliebt nicht lange ein Geheimnis. Stück für Stück baute sie ihre Naturbackstube auf. Der Großteil ihrer Zutaten stammt aus eigenem Anbau. „Dabei verzichten wir weitgehend auf Spritzmittel und lassen der Natur ihren freien Lauf. Unsere Felder sind somit voller Kamille; da kann es schon sein, dass ein Brot nach Kamille duftet“, schmunzelt Elisabeth Unger. Und Experimente liebt die leidenschaftliche Bäckerin sowieso. Das wissen auch die Experten zu würdigen. Erst kürzlich räumte sie bei der großen, österreichweiten Brotprämierung der Landwirtschaftskammer vier Mal Gold ab: für ihr Bauern-, ihr Nuss-, ihr innovatives Erdäpfeldinkel- sowie ihr Paprikadinkelbrot. Ihre Liebe, regelmäßig Neues zu probieren, wissen vor allem ihre Kunden mit Unverträglichkeiten zu schätzen. „Mittlerweile ein Drittel meiner Kundschaft kommt eben deswegen zu mir; manche mit eigenen Ideen und Rezepten. Wenn ihnen dann mein Brot schmeckt, sei es das glutenfreie oder das Eiweißbrot, und wenn sie es dann auch gut vertragen, das ist für mich das größte Kompliment.“ Unerwähnt dürfen auch die süßen Sünden der Ungers nicht bleiben. Und wenngleich die beliebte „Seewinkler Welle“ Mamas Erfindung ist, die Konditorei ist nunmehr seit fünf Jahren fest in der Hand von Tochter Susanne, 26. Wichtiges Detail: Sämtliche Mehlspeisen werden aus Einkorn, der ältesten Getreideart, gezaubert.

Hochs und Tiefs

Ehrgeizig und voller Energie steckt Elisabeth Unger mit ihren knapp 50 Jahren. Besonders sympathisch macht sie ihre Ehrlichkeit. Denn, dass es neben Hochs auch Tiefs gibt, verschweigt sie nicht. Sie hält es zwar mit Omas Weisheit „Arbeit macht das Leben süß“, doch erlebte auch sie schon andere Zeiten. So musste sie einsehen, dass das nächtliche Arbeiten ihr zu viel Energie raubte und dass es auch wichtig ist, mal Ruhe zu geben. „Der Sonntag gehört uns. Und wenn ich da mit meinem Mann nur zum Einserkanal fahre oder eine Runde mit dem Rad drehe.“ Auch sie sei manchmal erschöpft oder verzweifelt, wenn’s mal nicht so rund läuft. „Aber ich bin ein tiefgläubiger Mensch und der Herrgott schickt mir immer irgendjemanden, der mir dann weiterhilft.“ So sei es ihr mit einer ihrer Stammkundinnen ergangen, einer Homöopathin, die ausschließlich ihre Backwaren essen kann. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagt Elisabeth Unger.

Impressionen