Alfred Kollar wirft nichts so schnell aus der Bahn, auch kein schwieriges Wirtschaftsjahr.

Business Talk mit Alfred Kollar

OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar über die Zukunft der Baubranche.

3 Min.

OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar © Tanja Hofer

Wie war das Jahr 2023 für die OSG – was lief gut, was lief weniger gut?

Alfred Kollar: Es war mit Sicherheit eines der schwierigsten Jahre, die ich als Geschäftsführer hatte, wenn nicht sogar das schwierigste. Die Grundkosten sind gestiegen, die Baukosten explodiert, die Energiekosten irrational hoch. Dann noch die Zinssteigerungen durch die EZB-Beschlüsse. Und nicht zuletzt die landesspezifische Besonderheit, dass wir gemeinnützigen Bauvereinigungen von der Wohnbauförderung ausgeschlossen wurden. All das hat uns das Bauen und Verwalten 2023 schwer gemacht. 2022 war unser Rekordjahr mit einem Umsatz von 184 Millionen Euro. Der Umsatz wird 2023 etwas geringer sein, ich schätze 170 bis 180 Millionen Euro, weil noch viele Projekte, die bereits 2022 starteten, fertiggestellt wurden.

Was ist in dieser Hinsicht 2024 zu erwarten?

Die Kombination der Negativ-Faktoren wird 2024 erst so richtig zum Tragen kommen. Ich erwarte einen Umsatzrückgang von 30 bis 35 Prozent. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, weil es österreichweit nicht viele Bauträger geben wird, die diese Umsatzzahlen erreichen. Wir lassen weder unsere wirtschaftlichen Partnerinnen im Stich, noch die Kundinnen. Ich und viele andere Stimmen aus Expertinnenkreisen gehen davon aus, dass die EZB 2024 eine Zinssatzsenkung bekannt geben wird, vielleicht sogar eine zweite.

Unser Vorteil ist, dass unser Geschäft auf zwei Beinen fußt. Zum einen der Bau/Neubau, der 2024 geringer ausfallen wird, zum anderen aber auch die Verwaltung aller Objekte, die wir bereits gebaut haben in den letzten Jahrzehnten (über 18.000 Objekte). Dort werden wir uns im Sinne unseres „Green Way“ intensiv mit dem Thema Sanieren beschäftigen. Fad wird es unseren Mitarbeiterinnen also definitiv nicht. Und als Optimist und Positivdenker bin ich davon überzeugt, dass wir auch dieses schwierige Jahr gut überstehen werden.

Alfred Kollar wirft nichts so schnell aus der Bahn, auch kein schwieriges Wirtschaftsjahr.
Optimist.
OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar wirft nichts so schnell aus der Bahn, auch kein schwieriges Wirtschaftsjahr. © Tanja Hofer

Wie wird sich die Baubranche bzw. der Immobilienmarkt 2024 Ihrer Meinung nach allgemein entwickeln?

Wir sind natürlich nicht die einzigen, bei denen sich der Auftragsbestand verringert. Der Einfamilienhausbau ist de facto zum Erliegen gekommen. Für einige wird es schwierig werden, es wird wahrscheinlich zu einer Bereinigung des Marktes kommen. Es ist aber ehrlich zu sagen, dass die letzten Jahre sehr gut für die Baubranche gelaufen sind. Diejenigen, die gut gewirtschaftet haben, werden auch durch diese schwierige Zeit kommen. Wichtig wird sein, dass die Finanzierung für die Bürger*innen wieder erschwinglich wird, sprich, Erleichterungen bei der Eigenmittel-Verordnung und der Maximalhöhe für Annuitäten.

Worauf freuen Sie sich persönlich 2024 am meisten?

Speziell im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, wie sehr ich die kurzen Auszeiten mit meiner Frau genieße. Auch für sie war es ein herausforderndes Jahr und wir haben uns ausgemacht, dass wir 2024 mehr Kurzurlaube einschieben möchten. Und besonders freue ich mich auf die Zeit mit meinen Enkelkindern. Während die Enkeltochter bereits 14 ist und schon ihre eigenen Wege geht – außer beim Skifahren, da darf Opa mit –, hängt der Dreijährige sehr an mir und ich auch an ihm. Ihn auch 2024 regelmäßig zu sehen und mit ihm Zeit zu verbringen, darauf freue ich mich besonders.

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN:

Verena Dunst im Business Talk

Business Talk mit Eva Fugger (Raiffeisen)

Abo

Sichern Sie sich Ihr BURGENLÄNDERIN-ABO